Schweinegrippe
Katastrophenforscher: Das Virus kann rasch mutieren
Nach Ansicht des Katastrophenforschers Wolf Dombrowsky ist die Schweingrippe bedrohlicher als die Vogelgrippe.
In Labors wird um jeden Milliliter Impfserum gerungen.
Foto: PA/DPA
Hamburg. Für Dombrowsky, der den nationalen Pandemieplan mit ausgearbeitet hat, ist die Schweinegrippe bedrohlicher als das Vogelgrippevirus Sars. Deshalb sei er darüber "unglücklich", dass bei der Schweinegrippe-Impfung über die Kosten diskutiert werde, sagte der Soziologe aus Kiel im Deutschlandradio Kultur. Er räumte aber ein, dass man sich über die tatsächliche Bedrohung des Virus noch nicht sicher sein könnte. Sorglosigkeit und Verharmlosung könnten allerdings fatale Folgen haben.
"Wir werden erleben, dass sich das Virus rasant weiter ausbreitet. Damit wächst die Gefahr, dass es aggressiver wird", so der Virologe Volker ter Meulen (Würzburg), Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften, im Abendblatt. Es müssten sich nur zwei Abschnitte im Erbgut des H1N1-Virus ändern, dann wäre der Erreger resistent gegen antivirale Mittel wie Tamiflu und könnte schwere Lungenentzündungen auslösen.
n den vergangenen Wochen hatten bereits mehrere Ländern Fälle von Resistenzen gemeldet. Die Weltgesundheits- organisation spricht von Einzelfällen. Weltweit sind 175 368 Menschen erkrankt, in Europa 32 690. In Deutschland gibt es 9213 Fälle, in Hamburg 156, in Niedersachsen 1667 und in Schleswig-Holstein 247. Die meisten bringen die Infektion aus dem Urlaub mit.
IInzwischen rechnen auch führende Vertreter der Gesundheitsministerien in den Bundesländern damit, dass die von der Bundesregierung geplante Massenimpfung gegen die Schweinegrippe teurer wird als geplant. Wie die gesetzlichen Krankenkassen gehen sie von mindestens einer Milliarde Euro Kosten aus, so der "Spiegel". Die Bundesregierung hingegen spricht von 600 Millionen Euro Kosten. Die Vertreter der Landesministerien begründen ihr Szenario damit, dass sich viele Betroffene in Arztpraxen impfen lassen werden und nicht, wie von der Bundesregierung vorgesehen, ausschließlich im öffentlichen Gesundheitsdienst.
Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schätzt die Impfkosten auf bis zu eine Milliarde Euro. Er forderte die Bundesregierung auf, zusätzliches Geld für den Gesundheitsfonds bereitzustellen oder den Beitragsatz der Versicherten zu erhöhen. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat höheren Krankenkassenbeiträgen erneut eine Absage erteilt. Zu möglichen Nebenwirkungen (wir berichteten) des neuen Impfstoffs sagte sie, es müssten unbedingt klinische Studien abgewartet werden. Daher werde es den Impfstoff erst im Herbst geben.






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