28.01.13

Neues Internetportal

Hamburgs größte Schadstoffquellen

Ein neues Internetportal zeigt, wie stark Industriebetriebe das Klima belasten. Auch 68 Unternehmen der Hansestadt erfasst.

Von Angelika Hillmer
Foto: dpa
Das Aurubis-Werk auf der Peute
Das Aurubis-Werk auf der Peute entlässt pro Jahr 7,4 Tonnen Kupfer und 2,08 Tonnen Blei ins Freie +

Hamburg. Knapp 5000 deutsche Betriebe müssen nach einer EU-Richtlinie ihre Emissionen in Luft, Wasser, Abwasser und Boden angeben, wenn sie bestimmte Schwellenwerte für einzelne Schadstoffe oder Treibhausgase überschreiten. Seit 2009 fasst das Umweltbundesamt (UBA) diese Angaben sowie Daten zum Abfallaufkommen im "Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister" zusammen. So kompliziert wie der Begriff war auch der Auftritt im Internet. Nun ermöglicht die neue Plattform www.thru.de eine schnelle Antwort auf die Frage, wie stark ein Industriebetrieb die Umgebung oder das Klima belastet. In Hamburg fallen 68 Betriebe unter die EU-Verordnung - eine Bestandsaufnahme.

Der größte industrielle Treibhausgasemittent der Stadt ist nach den UBA-Daten (Stand: 2010) das Vattenfall-Kraftwerk Tiefstack. Es entlässt im Jahr fast 1,5 Millionen Tonnen (t) Kohlendioxid (CO2) in die Hamburger Luft und hat einen Anteil von knapp 29 Prozent am Gesamtausstoß der elf zum CO2 registrierten Betriebe. Die Industrie trägt nach der Hamburger Klimabilanz des Jahres 2009 mit rund 27 Prozent zum CO2-Ausstoß der Stadt bei und ist nach den Haushalten/gewerblichen Kleinverbrauchern (48 Prozent) die zweitgrößte Verursachergruppe.

Sehr hohe CO2-Emissionen haben auch die Raffinerien Shell (865.000 t) und Holborn (735.000 t); sie belegen Rang zwei und drei unter den Industriebetrieben. Es folgen die beiden Müllverbrennungsanlagen Borsigstraße und Rugenberger Damm. Allerdings wird hier das Klimagas nicht aus fossilen Energieträgern (Kohle, Öl, Gas) frei, sondern zu einem großen Teil aus biogenen, also pflanzlichen oder tierischen Stoffen im Müll. "CO2-Emissionen aus biogenen Abfällen und Biomasse sind im Gegensatz zu den Emissionen fossiler Brennstoffe nicht klimawirksam", sagt Stefan Kleimeier, Sprecher des Betreibers Vattenfall. Wenn das Kohlekraftwerk Moorburg 2014 in Betrieb geht, wird es den industriellen CO2-Ausstoß von 5,14 Millionen t mehr als verdoppeln: Die beiden Kraftwerksblöcke werden zusammen um die acht Millionen t CO2 pro Jahr emittieren.

Ein Klassiker unter den Luftschadstoffen ist das Schwefeldioxid (SO2), wichtigster Verursacher des sauren Regens, der in den 1980er-Jahren die Wälder schädigte. Er ist weitgehend Geschichte, heute liegt nur noch wenig SO2 in der Luft. Immerhin emittieren die unter thru.de erfassten Industriebetriebe jährlich noch gut 4200 Tonnen. Die Hälfte entweicht aus der Kupferhütte Aurubis, die schwefelhaltige Erze einsetzt. Doch auch ihr Ausstoß halbierte sich in den vergangenen 20 Jahren. Pro Tonne Kupfer gerechnet, ist die Abnahme noch deutlicher. Nach Aurubis-Angaben wurden im Jahr 2000 bei der Produktion einer Tonne Kupfer noch 34,8 Kilogramm SO2 frei, im Jahr 2010 nur noch 6,7 Kilogramm.

Bei den Stickoxiden, eine der zwei Schadstoffgruppen, die heute noch Probleme in Hamburg machen, spielt die Industrie mit einem Anteil von rund 16 Prozent am Gesamtausstoß eine untergeordnete Rolle. Dagegen ist sie mit 40 Prozent am Feinstaubaufkommen beteiligt. Nur ein kleiner Teil wird über das UBA-Emissionsregister erfasst (der Schwellenwert für die Meldung beträgt 50 Tonnen/Jahr). Hier ist ein Betrieb für die aufgeführten 70,1 Tonnen verantwortlich: die ArcelorMittal Hamburg GmbH (früher Hamburger Stahlwerke). Wer sich über Google-Maps das Waltershofer Werk heranzoomt, sieht das Problem: Die hellgrauen Dächer im Umfeld der Stahlhütte sind rostig-rot verstaubt. Die Quelle der Verschmutzung sind die benachbarten offenen Erzhalden inklusive Förderanlagen.

Die Halden werden mit Wasser besprüht, um die Staubentwicklung zu begrenzen. Zudem hängt die Gefährlichkeit von Feinstaub stark von seiner chemischen Zusammensetzung ab. Der Feinstaub aus Verbrennungsprozessen, wie er etwa in Automotoren entsteht, ist jedoch giftiger als der Eisenerzstaub. Deshalb und weil die Emittenten in Wohngebieten aktiv sind, konzentriert sich die Hamburger Luftreinhalteplanung vor allem auf den Verkehr als zweitgrößter Feinstaubverursacher.

Nach der UBA-Aufstellung gelangen noch tonnenweise (Schwer-)Metalle in die Hamburger Luft. Allein das Aurubis-Werk auf der Peute entlässt jährlich 2,08 Tonnen Blei, 7,4 Tonnen Kupfer und immerhin noch eine halbe Tonne Arsen ins Freie. Wolfgang Calmano, Professor für Umwelttechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, bringen diese Zahlen allerdings nicht aus der Ruhe: "Im Vergleich zu den historischen Emissionen der ehemaligen Norddeutschen Affinerie und anderer Metallhütten ist das sehr wenig", sagt er. Eine halbe Tonne Arsen als Jahresfracht sei technisch kaum noch zu unterbieten: "Die Abgasreinigung ist sehr energieaufwendig. Und auch die Energieerzeugung verursacht Schadstoffe. Der beste Weg wäre es, Schadstoffe von vornherein zu vermeiden. Aber bei einer Metallhütte geht das nicht." Auch Blei stelle heute kein Problem mehr dar: "Die Industriebetriebe sind auf einem ganz guten Niveau."

Das gelte generell auch für die unter thru.de aufgeführten Hamburger Einleitungen in Wasser und Abwasser (Einleitungen in den Boden sind gar nicht registriert). Auch hier liegt die Kupferhütte vorn, doch betragen die Freisetzungen nur einen Bruchteil der Werte aus den 1980er-Jahren. Nach Hochrechnungen der Umweltgruppe Physik-Geowissenschaften, die Anfang der 1980-Jahre an Dutzenden der rund 100 Einleitstellen des Betriebes immer wieder Proben nahm, gelangten allein aus drei großen Abläufen 4980 Kilogramm Arsen, 531 kg Cadmium und 18.500 kg Kupfer in die Hafengewässer (Quelle: Buch "Glänzende Geschäfte"). Das Emissionsregister weist für den gesamten Betrieb heute einen jährlichen Ausstoß von 32,7 kg Arsen, 9,86 kg Cadmium und 1080 kg Kupfer aus.

Unschön bleibt die Belastung der Elbe mit chlorierten organischen Substanzen, kurz AOX. Sie geraten über den Klärwerksverbund Köhlbrandhöft/Dradenau in den Fluss. Das Problem ist im wahrsten Wortsinn hausgemacht. Calmano: "Die Stoffe entstehen durch chlorhaltige Verbindungen, die ins Sielnetz gelangen und dort mit den Fäkalien reagieren. Um dies zu vermeiden, wird Trinkwasser heute allgemein nicht mehr gechlort, sondern mit Ozon behandelt. Aber über desinfizierende Sanitärreiniger und Mittel gegen Schimmelbefall geraten sie ins Abwasser. Hier kann man nur an die Verbraucher appellieren, chlorhaltige Produkte nicht mehr zu verwenden und sie auch nicht über die Toilette zu entsorgen." Dazu gehören auch Reiniger mit der Inhaltsangabe Salzsäure (chem. HCl).

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