22.11.12

Galápagos

Überraschend: "Lonesome George" hatte doch Verwandte

Die 100 Jahre alte Riesenschildkröte war im Juni gestorben und galt als letzte ihrer Art. Nun geben Forscher Hoffnung auf Verwandte.

Foto: dpa
Galápagos-Riesenschildkröte "Lonesome George" war im Juni gestorben – offenbar war er doch nicht der letzte seiner Art
Galápagos-Riesenschildkröte "Lonesome George" war im Juni gestorben – offenbar war er doch nicht der letzte seiner Art

Quito. Im Juni war Riesenschildkröte "Lonesome George" einsam gestorben. Im Alter von 100 Jahren versagte das Herz der einzigartigen Galápagos-Riesenschildkröte. Doch nun geben Forscher Hoffnung, dass "Lonesome George", der bislang als letzter Vertreter seiner Unterart galt, doch Verwandte hat.

Auf einer Galápagos-Insel haben Wissenschaftler 17 Riesenschildkröten identifiziert, die Gene der selben Unterart Chelonoidis abingdoni aufweisen. Das teilte das ecuadorianische Umweltministerium in Quito am Mittwoch mit.

Eine gemeinsame Untersuchung des Galápagos-Naturparks und der Yale-Universität fand demnach neun Weibchen, drei Männchen und fünf Jungtiere auf der Insel Isabela, die genetisch zum Teil in erster Generation von der Unterart der Insel Pinta abstammen, der "Lonesome George" angehörte.

Dies habe die Analyse von 1600 Gewebeproben gezeigt, die ab 2008 von Riesenschildkröten am Hang des Wolf-Vulkans auf Isabela genommen worden waren. Die Forscher schließen nicht aus, dass es auf der Insel nicht nur hybride, sondern auch genetisch ungemischte Pinta-Riesenschildkröten gibt.

"Lonesome George" war im Juni mit über 100 Jahren an Herzversagen gestorben. Vor seinem Tod wurde auf der Forschungsstation der Galápagos-Insel Santa Cruz mehrfach versucht, seine Gene durch die Paarung mit Weibchen einer verwandten Unterart zu erhalten.

Die Unterarten leben auf den verschiedenen Galápagos-Inseln. Segler, die im 19. Jahrhundert die Tiere als Nahrung an Bord nahmen, warfen sie manchmal lebend wieder ins Wasser, wenn sie Überschuss an Lebensmittel hatten. Eine Theorie ist daher, dass Pinta-Exemplare auf diesem Weg auf Isabela strandeten.

In den nächsten Jahren sollen wissenschaftliche Expeditionen auf der Insel Isabela nach ihnen weiter suchen. Zudem soll mit ihnen eventuell ein Züchtungsprogramm gestartet werden.

Die Umweltstiftung WWF dämpfte indes Hoffnungen, Chelonoidis abingdoni sei doch nicht ausgestorben. "Nach derzeitigem Kenntnisstand war "Lonesome George" leider weiterhin der letzte Vertreter dieser Unterart", sagte Volker Homes, Leiter des Bereichs Artenschutz beim WWF Deutschland.

Trotz der Entdeckung der Gene von Chelonoidis abingdoni in einigen Schildkröten, sei es nach bisherigem Stand der Wissenschaft nicht möglich daraus eine neue Generation der Unterart zu züchten oder gar zu klonen, sagte Homes.

(dpa)
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