26.10.12

Traurige Windräder-Bilanz

220.000 Fledermäuse flattern jährlich in den Tod

Umweltschützer fordern gezieltere Standortauswahl von Windkraftanlagen. Temporäres Abschalten könnte helfen, dramatische Lage zu mildern.

Foto: DPA
Jagende Fledermaus
Eine Fledermaus jagt am Abend nach Insekten. Windräder können Todesfallen für die Tiere sein (Symbolbild)

Frankfurt/Main/Alsenz. Nach Experteneinschätzung finden rund 220.000 Fledermäuse pro Jahr an Deutschlands Windenergieanlagen den Tod. "Diese Zahl ist verheerend. Wenn sich am Ausbau der Windenergie nichts ändert, ist nicht auszuschließen, dass Fledermauspopulationen dauerhaft geschädigt werden", sagt Cosima Lindemann vom Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz. Sie fordert, Standorte im Vorfeld besser auszuwählen und Windkraftanlagen in Gebieten mit hohem Fledermausaufkommen zumindest temporär abzuschalten.

Dass Fledermäuse in Windkraftanlagen sterben, ist seit 1996 bekannt. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens unter Leitung von Robert Brinkmann (Universität Hannover) zählten Fledermausschützer im Jahr 2011 an knapp 200 Windkraftanlagen in Deutschland die getöteten Tiere. "An einer einzigen Windkraftanlage verenden im Schnitt etwa zehn Fledermäuse pro Jahr", sagte Lindemann. "An besonders sensiblen Standorten kann die Zahl der Todesopfer um ein Fünffaches höher sein." Fundierte Bestandszahlen für die rund 24 Fledermausarten in Deutschland gibt es aber nicht. "Das macht die Einschätzung des Gefahrenpotenzials schwierig", räumte die Biologin ein.

Windkraftanlagen bergen für Fledermäuse unterschiedliche Gefahren. Die Tiere können von den Rotorblättern erschlagen werden oder am sogenannten Barotrauma sterben. "Barotraumata sind Druckverletzungen. Sie entstehen durch Druckveränderungen im Rotorbereich." Dabei könnten Gefäße platzen, was oft zum Tode führe, erklärte Lindemann. Zudem werde vielen Tieren mit dem Ausbau neuer Windparks der natürliche Lebensraum genommen. Die Problematik sieht die Fledermausschützerin darin, dass der Verlust der Tiere gerade in Gebieten großer Windparks auf natürliche Weise nicht auszugleichen ist, da ein Weibchen höchstens ein Jungtier pro Jahr zur Welt bringt. "Fallen diese Jungtiere weg, wirkt sich das stark auf die Population aus", sagte sie.

Die Energiewende stellt Lindemann trotz Kritik an Windkraftanlagen nicht infrage. Die Biologin fordert, Standorte für Windparks im Vorfeld besser auszuwählen. "Auch nachträglich sollten alle Standorte untersucht werden. Auf Flächen mit hohem Fledermausaufkommen sollte auf neue Anlagen komplett verzichtet werden." Eine andere Möglichkeit sieht Lindemann darin, zeitweise bestimmte Windkraftanlagen abzuschalten. "Würden Anlagen an Standorten mit hohem Fledermausaufkommen in der Sommerzeit nachts abgeschaltet, könnte die Zahl der Todesopfer bereits gesenkt werden. Ob diese Reduktion jedoch ausreicht, um Fledermauspopulationen zu schützen, muss noch untersucht werden."

(dpa)
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