Venus-Transit

Hamburger staunen über einen kleinen schwarzen Punkt

Bis zum deutschen Sonnenaufgang schob sich heute weltweit die Venus vor die Sonne. Im Hamburger Planetarium verfolgten bis zu 1500 Hobbyastronomen das äußerst seltene Schauspiel.

Hamburg/Berlin. Der Sonnenaufgang am Mittwoch war ein seltenes Jahrhundertereignis: Der Planet Venus zog als kleines schwarzes Pünktchen über die Sonnenscheibe. Die "Miniatur-Finsternis" begann bereits kurz nach Mitternacht. Bei wolkenfreiem Himmel soll ihr Ende von Deutschland aus sichtbar sein. Sonnenaufgang war in Kiel um 4.48, in Hamburg um 4.53 und in München um 5.15 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit. Der nächste "Venus-Transit" wird erst in 105 Jahren stattfinden, am 11. Dezember 2117. In Europa wird das Spektakel sogar erst wieder im Jahr 2125 zu beobachten sein.

Der Zug des Planeten Venus über die Sonne hat Hunderte von Besuchern ins Hamburger Planetarium gelockt. Bereits um vor 6 Uhr seien rund 600 Interessierte erschienen, um in 40 Metern Höhe das Himmelsspektakel zu verfolgen, sagte ein Mitarbeiter des Planetariums. "Damit hatten wir auch nicht gerechnet." Am Ende dürften bis zu 1500 Schaulustige vor Ort gewesen sein. Anlässlich des Jahrhundertereignisses hatte das Planetarium Hamburg am Mittwoch von 4.45 Uhr an seine Aussichtsplattform für interessierte Gäste kostenlos geöffnet.

In der Hansestadt konnten die begeisterten Besucher das Jahrhundertschauspiel bei guter Sicht durch ein Teleskop mit Filter sehen. "Ohne Filter würde man sich sofort die Netzhaut wegbrennen", sagte der Wissenschaftsjournalist am Planetarium, Stephan Fichtner. Allein mit einer Spezialbrille war das seltene Spektakel trotz guter Sicht undeutlich zu erkennen. Der Himmel war nach Sonnenaufgang um 4.53 Uhr nur zeitweise bewölkt. Rund zwei Stunden später hatte der hellste Planet am Nachthimmel die Sonnenscheibe passiert.

Die Europäische Weltraumagentur ESA verfolgte das Ereignis im nördlichen Polarkreis von Spitzbergen aus und begleitet es mit Live-Updates in einem eigens eingerichteten Internet-Blog (http://blogs.esa.int/venustransit/). Auch das Hamburger Planetarium bot Beobachtungsmöglichkeiten an - live auf der 40 Meter hohen Aussichtsplattform oder per Video-Schaltung im Sternensaal.

Siebter sichtbarer Venus-Transit seit dem 17. Jahrhundert

Bei einem Venustransit stehen Sonne, Venus und Erde exakt in einer Linie. Bei dem seltenen Himmelsschauspiel ist zu sehen, wie der Nachbarplanet Venus als kleine schwarze Scheibe an der Sonne vorbeizieht. Die Venus ist dabei gerade noch für das menschliche Auge zu erkennen - ihre Umrisse machen etwa ein Tausendstel der Sonnengröße aus. Wichtig ist dabei eine spezielle Schutzbrille. Ohne sie kann der Blick in die Sonne innerhalb von Sekunden zur Erblindung führen. Sonnenbrillen sind dafür nicht geeignet.

Der britische Seefahrer James Cook hatte das Phänomen 1769 genutzt, um den Abstand der Erde zur Sonne zu berechnen. Heute nutzen die Astronomen für ihre Untersuchungen Atomuhren, GPS-Geräte und hochauflösende Teleskope. Bei dem Ereignis am Mittwoch handelt es sich um den siebten sichtbaren Venus-Transit, seit der deutsche Astronom Johannes Kepler das Phänomen im 17. Jahrhundert zum ersten Mal voraussagte.

Venus-Transit begann in den USA

Das seltene kosmische Spektakel, das in den USA schon am Dienstagabend begann, lockte in der Nacht Astronomen und unzählige Fans des Naturschauspiels vor die Tür. In Los Angeles strömten Planetenfreunde zum Griffith-Observatorium, wo Teleskope mit speziellen Filtern aufgestellt waren. "Das ist etwas, worüber wir den Rest unseres Lebens reden", sagte Jamie Jetton, die mit ihren zwei Neffen aus Arizona gekommen war.

In Hawaii stellten sich hunderte Menschen am Strand von Waikiki an, wo die Universität acht Teleskope bereitstellte. Nur wenige Minuten, nachdem die Venus wie ein Floh auf einer Zitronenscheibe aufgetaucht war, schoben sich jedoch Wolken vor die Sonne.

Im australischen Melbourne verzogen sich am Morgen gerade rechtzeitig die Wolken. Tausende mit Schutzbrillen ausgestattete Menschen konnten Venus als kleinen schwarzen Punkt vor der Sonne vorbeiziehen sehen. In der Metropole Sydney waren die Aussichten schlechter: dicke Wolken verdeckten den Himmel zunächst und enttäuschten Astronomen und Neugierige.

Wolken weg - Australier im Glück

Australien galt als besonders guter Beobachtungsstandort. Observatorien, Universitäten und astronomische Gesellschaften hatten Experten und Schaulustige eingeladen, die Venuspassage gemeinsam zu beobachten. Augenärzte warnten die Menschen davor, mit bloßem Auge in die Sonne zu schauen.

Die Astronomische Gesellschaft im Bundesstaat Victoria war begeistert. "Wir dachten zuerst, es wird schwierig, aber dann wurde der Himmel wie auf Kommando klar, die Sonne ging auf und Venus begann vorbeizuziehen", sagte Sprecher Perry Vlahos Reportern.

Deutscher filmt Spektakel in Manila

In der philippinischen Hauptstadt Manila verzogen sich Dunstschwaden kurz nach Sonnenaufgang und machten einen klaren Blick auf die Sonne frei. Dort standen in einem Park zehn Teleskope bereit. Unter den Beobachtern war auch der Deutsche Mark Vornhusen, der in Manila bei einem Wetterdienst arbeitet. Er nahm das Ereignis mit speziell ausgestatteter Videokamera auf.

"Ich denke daran, was die Leute in 105 Jahren wohl für technische Möglichkeiten haben werden", sagte er. "Wir haben Glück, in einen Zeitalter geboren zu sein, wo wir dies beobachten können", sagte der Direktor des philippinischen Instituts für Astronomie, Armando Lee. Er hatte extra seinen sechsjährigen Sohn mitgebracht, um das in seinem Leben einmalige Phänomen zu sehen.

in Hongkong hatten sich tausende Menschen freigenommen, um Venus vor der Sonne zu beobachten. Das Weltraummuseum stellte Teleskope für die Öffentlichkeit auf. "Chinesen sind immer schon an solchen Himmelsphänomenen besonders interessiert gewesen", sagte Chau Hoi Fung, Astrophysiker an der Universität von Hongkong. "Wir haben sehr detaillierte Aufzeichnungen. Die chinesischen Kaiser glaubten früher, dass ihre Herrschaft von den Sternen vorbestimmt ist."

Mit Material von dpa, dapd und epd

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