Bluthochdruck: Ursache ein Virus?
So behalten Sie Ihren Blutdruck im Griff
Für die Entstehung gibt es Risikofaktoren. Jeder kann sie beeinflussen. Die Vorbeugung beginnt schon bei Kindern.
Der Blutdruck sollte regelmäßig kontrolliert werden.
Foto: DOC-STOCK
Auf der Suche nach den Ursachen des Bluthochdrucks sind US-Forscher auf eine neue Spur gestoßen - das Cytomegalievirus. Eine Infektion mit diesem Virus erhöht die Produktion von bestimmten Enzymen in der Niere, was zu einem Bluthochdruck führen kann. Das haben Forscher vom Beth Medical Center in Boston in Versuchen mit Mäusen herausgefunden und berichten darüber in der Fachzeitschrift "Plos Pathogens" (Online).
Das Virus ist weit verbreitet. 60 bis 99 Prozent aller Erwachsenen tragen es in sich, ohne dass es zu Krankheitssymptomen führt. "Das Cytomegalievirus kann eine Ursache für Bluthochdruck sein, aber im Vergleich zu genetischen Faktoren, die noch nicht bekannt sind, spielt es meines Erachtens eher eine untergeordnete Rolle", sagt dazu Dr. Peter Kremer, Chefarzt der Kardiologie im Albertinen-Herzzentrum.
Schon jetzt gibt es viele Risikofaktoren für Bluthochdruck: Übergewicht, zu hoher Salzkonsum, Bewegungsmangel, Rauchen, Stress, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes sowie eine genetische Veranlagung, die bei 90 Prozent der Patienten eine Rolle spielt.
Normalerweise liegt der Blutdruck bei Werten um 120 zu 80 Millimeter Quecksilbersäule (mm/Hg). Von mäßig erhöhtem Blutdruck, der aber schon behandlungsbedürftig ist, sprechen Mediziner bei Werten über 140/90. Unbedingt behandelt werden muss ein Hochdruck mit Werten über 160/100. Gefährlich: Viele haben zu hohen Blutdruck und wissen es nicht. Denn er verursacht meist keine Symptome. "Die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck in Deutschland wird auf 20 Millionen geschätzt. Jeder Zweite im Alter über 60 leidet daran. Doch nur bei der Hälfte der Patienten wird er festgestellt, und davon erhält nur ein Drittel eine ausreichende medikamentöse Behandlung", sagt Kremer.
Entdeckt wird Bluthochdruck oft bei Routineuntersuchungen oder wenn er schon zu Arteriosklerose und ihren Folgeerkrankungen geführt hat - wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen, Sehstörungen oder einem Aneurysma (Erweiterung) der Hauptschlagader. Privatdozent Dr. Friedrich-Christian Rieß, Chairman des Albertinen-Herzzentrums und Chefarzt der Herzchirurgie, nennt ein Beispiel: "Von einem Patienten wird vor einer Operation routinemäßig ein Röntgenbild der Lunge angefertigt. Und dann fällt als Erstes auf, dass die Hauptschlagader im Brustkorb erweitert ist." Die rechtzeitige Diagnose kann Leben retten: "Jedes Jahr erleiden 200 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. 90 000 von ihnen sterben daran. Knapp die Hälfte dieser Todesfälle könnte man verhindern, wenn man den Bluthochdruck rechtzeitig erkennen und behandeln würde", betont Kremer.
Deswegen ist es wichtig, regelmäßig beim Hausarzt den Blutdruck messen zu lassen und, wenn nötig, Medikamente einzunehmen. "Eingesetzt wird meistens eine Kombination von mehreren Medikamenten, um die Nebenwirkungen der einzelnen Präparate so niedrig wie möglich zu halten. Diese Therapie wird individuell angepasst", sagt Kremer. Das Ziel ist, die Werte unter 140/90 abzusenken. Mit einer guten medikamentösen Einstellung kann unter Umständen auch das Fortschreiten bereits bestehender Schäden gestoppt werden. "Wenn wir bei einem Patienten eine Erweiterung der Hauptschlagader festgestellt haben, die noch nicht den kritischen Durchmesser von 5,5 Zentimetern erreicht hat (dann wäre eine OP nötig), würde man das regelmäßig kontrollieren und den Blutdruck medikamentös sehr niedrig einstellen. Damit kann man erreichen, dass die Erkrankung nicht weiter voranschreitet oder zumindest einen langsameren Verlauf nimmt", erklärt Rieß.
Jeder kann auch selbst etwas tun: "Ich rate übergewichtigen Patienten, abzunehmen, denn mit jedem Kilo weniger sinkt auch der Blutdruck. Sie sollten versuchen, Stress besser in den Griff zu bekommen und sich mehr zu bewegen", sagt Rieß, und Kremer ergänzt: "Regelmäßige körperliche Aktivität, drei- bis viermal in der Woche für 20 Minuten, führt zur Blutdrucksenkung."
Vorbeugende Maßnahmen, so die beiden Experten, sollten schon in der Schule beginnen: "Man muss schon Kindern Freude an Bewegung vermitteln, sie motivieren, nicht übergewichtig zu werden, und bei ihnen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen."




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