23.07.12

Handytarife 29. Juni 2012 | test 7/2012

Surfen ohne abzusaufen

Ab Juli sinken die Preise – aber nur innerhalb der Europäischen Union.

Die neue EU-Roaming-Verordnung ist ein echtes Sparprogramm für Handynutzer. Ab 1. Juli sinken nicht nur die Preise für Auslandsgespräche und Textnachrichten, auch das Internetsurfen mit dem Handy wird in der EU günstiger. Ausgehende Gespräche dürfen ab Juli inklusive Mehrwertsteuer maximal 0,3451 Euro pro Minute kosten, eingehende Gespräche 0,0952 Euro und abgehende Textnachrichten 0,1071 Euro. Erstmals hat Brüssel eine Preisobergrenze für die Datenübertragung festgelegt. Ab Juli darf ein Megabyte nicht mehr als 83 Cent kosten. Bisher berechneten Mobilfunkfirmen nicht selten 3 bis 5 Euro pro Megabyte, dreiste Anbieter verlangten bis zu 20 Euro. Die Stiftung Warentest informiert in einer Tarifübersicht, was die Handynutzung im Ausland bei den Netzbetreibern und ihren Billigtöchtern kostet. Außerdem geben die Tester Tipps, wie man sparen kann.

Dass Handygespräche und -surfen im Ausland deutlich teurer sind als zuhause, liegt am "Roaming". Das englische Wort "to roam" bedeutet herumwandern oder streunen. In die Welt des Mobilfunks übersetzt meint es, in einem fremden Netz zu telefonieren oder im Internet zu surfen. Der fremde Mobilfunkanbieter verlangt für die Weiterleitung der Gespräche und Daten eine Gebühr – und die ist oft happig.

Wie erwartet orientieren sich die neuen Auslandstarife weitestgehend an den Obergrenzen der EU-Vorgabe: Vodafone reizt den Spielraum sogar voll aus, und zwar bis auf vier Stellen nach dem Komma: Der Minutenpreis aus EU-Ländern kostet ab 1. Juli 0,3451 Euro. Bisher gab sich Vodafone mit zwei Nachkommastellen zufrieden: 0,41 Euro. Der T-Mobile Euro-Tarif wird mit der Option "Weltweit" umgesetzt und entspricht ebenfalls den EU-Vorgaben. Beim Datenroaming unterbieten die beiden E-Plus-Billigmarken blau.de und simyo das EU-Preislimit: Das Megabyte kostet bei ihnen wie schon vor der Einführung der Obergrenze 49 Cent statt der zulässigen 83 Cent.

Wer in der EU billiger telefonieren, simsen und surfen möchte, kann alternativ einen speziellen Auslandstarif buchen, meist "Option" genannt. Rechnerisch ergibt sich hier oft ein niedrigerer Preis. Allerdings muss der Kunde aufpassen und sein gebuchtes Paket gut ausnutzen, sonst zahlt er drauf.

Die Preise in den EU-Ländern sind mittlerweile erschwinglich. Ganz anders sieht es in anderen Urlaubsländern aus, zum Beispiel in der Türkei, der Schweiz und den USA. Hier kann ein ausgehendes Handygespräch noch mit knapp 2 Euro pro Minute zu Buche schlagen. Ein Megabyte herunterzuladen, kostet bis zu 25,80 Euro. Das führt schnell zu horrenden Rechnungen.

Wenigstens gibt es einen Schutzmechanismus. Wenn 59,50 Euro oder eine andere vereinbarte Schwelle aufgelaufen sind, erhalten Reisende eine Warnung per SMS oder E-Mail. Wer dann weiter Datendienste nutzen will, muss dies ausdrücklich bestätigen. Die Warnung gab es bisher nur innerhalb der EU, ab Juli 2012 greift der Mechanismus weltweit – sofern das ausländische Netz diese Funktion unterstützt.

Weitere Informationen: Zeitschrift test 7/2012 und www.test.de/roaming