Hörgeräteakustiker 25. Mai 2012 | test 6/2012
Der große Hörtest
Beratung und Kundenorientierung sind nicht immer optimal.
In Deutschland gibt es mehrere große Akustikerketten. Die Stiftung Warentest prüfte, wie gut Kunden bei den sechs größten Hörgeräteakustikern aufgehoben sind. Ausgerechnet ein Neuling im Geschäft mit Hörgeräten ist der Testsieger: Fielmann.
Wer ein Hörgerät braucht, ist auf die Expertise eines Hörgeräteakustikers angewiesen. Er passt die technische Hörhilfe an die individuellen Bedürfnisse des Nutzers an. Vor der endgültigen Kaufentscheidung sollten Interessenten auf jeden Fall verschiedene Hörgeräte ausprobieren und vergleichen. Das ist ein langwieriger Prozess, der sich über Wochen, manchmal sogar Monate hinzieht.
Die Warentester wollten wissen, wie gut sich die Spezialisten der sechs größten Hörgeräteakustiker auf die individuelle Hörstörung sowie die beruflichen und persönlichen Erfordernisse der Kunden einstellten, entsprechende Hörgeräte auswählten und anpassten, und natürlich, ob die Geräte das Hörvermögen verbesserten. 18 schwerhörige Männer und Frauen zwischen 50 und 75 Jahren – beruflich, familiär oder ehrenamtlich aktiv – nahmen daher als Testpersonen die Dienste der größten Filialisten in unterschiedlichen Städten in Anspruch.
Das Ergebnis: Fielmann, der Neuling im Geschäft mit Hörgeräten, setzte sich mit der Note gut an die Spitze des Testfelds – Hörerfolg und Service stimmten. Mit der besten Kundenorientierung ließ Fielmann die anderen Akustikerketten hinter sich. Gutes Hören nach der Erstanpassung der Hörgeräte ermöglichten auch die befriedigenden Amplifon und Seifert. Geers, Kind – der Anbieter mit den meisten Filialbetrieben – und Iffland – mit Filialen in Baden-Württemberg und Bayern – erzielten ebenfalls ein befriedigendes test-Qualitätsurteil.
Insgesamt zeigten die Hörgeräteakustiker, dass sie ihr Handwerk verstehen. Die Chancen stehen also gut, dass schwerhörige Kunden zufrieden das Geschäft verlassen. Dennoch: Die Spezialisten sollten nachbessern, Beratung und Kundenorientierung waren nicht immer optimal. Manchmal klappte die Terminabstimmung nicht, und viele Akustiker übten Preisdruck auf die Testkunden aus. Zudem wären ausführlichere Informationen oft wünschenswert gewesen, zum Beispiel welcher Service den Kunden noch nach dem Kauf der Hörgeräte zusteht – Wartung, Reparaturen und die weitere Feinanpassung der Geräte werden nämlich mit dem Kauf bezahlt.
Hörgeräteakustiker bieten übrigens auch kostenlose Hörtests für jedermann an. Wer befürchtet, dass sein Gehör nachgelassen hat, kann das so überprüfen lassen. Niemand sollte sich durch das schlechte Image von Hörgeräten abschrecken lassen. Denn je früher ein Hörverlust erkannt und mit Hörhilfen ausgeglichen wird, umso besser gewöhnen sich Gehör und Gehirn an die technische Unterstützung. Wer einen ersten Eindruck seines Hörvermögens gewinnen will, findet auch im Internet diverse Selbsttests.
