26.04.12

Reiseimpfungen 27. April 2012 | test 5/2012

Risiko reist mit

Reiseimpfungen sind sinnvoll – doch die Impfberatungen eher lückenhaft.

Gegen viele Erreger, die auf Reisen lauern, gibt es Schutz. Deutsche Touristen können je nach Infektionsrisiko eine oder mehrere dieser acht Impfungen bekommen: gegen Typhus, Hepatitis A und B, FSME, Gelbfieber, Tollwut, Meningokokken, Japanische Enzephalitis. Reiseimpfungen sind in der Regel freiwillig. Die Stiftung Warentest hat dazu mit einem Expertenkreis Einschätzungen erarbeitet – und hält alle acht grundsätzlich für sinnvoll. Eine neunte, gegen Cholera, ist für Touristen in der Regel nicht nötig, sondern nur für Katastrophenhelfer.

Die Einschätzungen dienen der Orientierung. Der persönliche Impfbedarf richtet sich nach den individuellen Bedingungen: dem Gesundheitszustand sowie Reiseziel, -dauer und -aktivitäten. Um all das auszuloten, ist eine reisemedizinische Beratung zu empfehlen – vor Fernreisen, selbst ans Mittelmeer und nach Osteuropa, vor Langzeitaufenthalten und bei ungewöhnlichen Reisebedingungen. Die Beratung kostet in der Regel etwa 20 bis 30 Euro und ist meist selbst zu zahlen. Eventuell erstatten die Kassen die Kosten der Impfungen – Nachfragen lohnt sich.

Wie Reisemediziner beraten, hat die Stiftung Warentest exemplarisch untersucht – und erhebliche Schwächen entdeckt. Drei Tester ließen sich in drei deutschen Großstädten bei je einem Allgemeinmediziner, einem weitergebildeten Reisemediziner und im Tropeninstitut beraten. Das erste Szenario: Ein junges Paar auf eigene Faust in Afrika – drei Monate, einfache Hotels, Safari. Das zweite: eine Familie auf Pauschalreise zum Baden und Tauchen in Thailand. Das dritte: ein älteres Paar auf Karibik-Kreuzfahrt mit Landgang in den Dschungel Südamerikas.

Die Details der Reisen interessierten manche Ärzte nicht gerade. Auch nicht der Gesundheitszustand der Urlauber. Dabei bilden diese Informationen und die aktuelle Situation am Reiseziel die Basis der Impfberatung. Ordentlich lief sie zum vielerorts sinnvollen Schutz gegen Hepatitis A und B. Auch eine Impfung gegen Typhus wäre für die drei Testpersonen nützlich – was aber nur vier der neun Ärzte sagten. Fürs Afrika-Abenteuer beriet das Tropeninstitut am besten, mit gründlichen und zutreffenden Empfehlungen zur Tollwut- und Gelbfieber-Impfung. Dagegen zeigten der Allgemein- und Reisemediziner wenig Sachkenntnis. Lückenhafte Informationen gaben die niedergelassenen Ärzte auch zur Malaria. Und eine andere zentrale Säule der Reisemedizin kam ebenfalls oft zu kurz: allgemeine Vorbeugemaßnahmen wie Nahrungs- und Trinkwasserhygiene, Schutz vor Mücken, Zecken, infektiösen Körperflüssigkeiten. Sie steigern den Impferfolg und schützen vor vielen weiteren Krankheiten.

Tipp: Informieren Sie sich eigenständig über allgemeine Vorbeugemaßnahmen, Sonnenschutz, Reiseapotheke und -krankenversicherung (zum Beispiel auf www.test.de) und zu Krankheiten im Reiseland. Geben Sie bei der reisemedizinischen Beratung wenn nötig aktiv Auskunft zur Art der Reise und Ihrem Gesundheitszustand, etwa zu chronischen Krankheiten und regelmäßig eingenommenen Medikamenten. Und bei erhöhtem Infektionsrisiko – etwa bei Tropen-, Langzeit- oder Rucksackreisen – wenden Sie sich am besten an ein Tropeninstitut.