Ökostromtarife 27. Januar 2012 | test 2/2012
Nicht jeder Tarif ist grün
Nur zwei von drei Angeboten nutzen der Umwelt wirklich etwas
Rund 730 Stromlieferanten in Deutschland bieten einen Ökotarif an. Die Stiftung Warentest hat 19 bundesweite Ökostromtarife untersucht. Neben Tarifbedingungen wie etwa der Kündigungsfrist interessierte die Tester in erster Linie das "ökologische Engagement", das der Anbieter mit seinem Tarif erkennen lässt.
Wer einen Ökostromtarif wählt, der möchte seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten und die Energiewende vorantreiben. Das gelingt ihm aber nicht mit jedem Tarif. Nicht einmal, wenn der Anbieter tatsächlich 100 Prozent Ökostrom liefert, die Energie also aus Wasser, Wind oder Sonne stammt. Das Problem: Zurzeit gibt es mehr Ökostrom als Ökostromkunden. Die Wahl eines Ökotarifs bietet daher nicht unbedingt einen echten Umweltnutzen. Der entsteht erst, wenn der Ökotarif konventionellen Strom vom Markt verdrängt. Der Kauf von Ökostrom sollte dazu führen, dass erneuerbare Energien ausgebaut werden, zum Beispiel neue Windkraftanlagen entstehen. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen:Eine Zubauwirkung garantieren nur 13 der 19 Ökostromtarife im Test.
Um die Bestnote für ökologisches Engagement im Test zu bekommen, musste ein Anbieter aber mehr tun, als den Kraftwerksbau zu fördern.
Er musste Initiative zeigen. Die reicht vom kostenlosen Verleih von Energiemessgeräten etwa bei den Stadtwerken München über eine persönliche Vor-Ort-Beratung zur Modernisierung der Heizung bei Greenpeace Energy bis hin zu Förderprogrammen für Privathaushalte bei Entega.
Engagieren sich Anbieter in besonders innovativen Projekten, haben die Tester Pluspunkte vergeben. Lichtblick zum Beispiel installiert in Privathäusern Mini-Blockheizkraftwerke. Sie sollen zu Spitzenlastzeiten schwankenden Wind- und Solarstrom ergänzen und die Netze entlasten. Oder Greenpeace Energy: Hier gab es unter anderem Pluspunkte für ein Carsharing-Pilotprojekt mit Elektroautos. Ebenfalls positiv ist es, wenn Kunden die Möglichkeit haben, sich an Projekten zu beteiligen. So kann etwa bei EWS Schönau, Greenpeace Energy und Wemag jeder über Genossenschaften den Ausbau erneuerbarer Energien fördern.
Die Vertragsbedingungen der getesteten Tarife sind etwa zur Hälfte gut, zur Hälfte befriedigend. Generell gilt: Finger weg von Vorkasse, die aber im Test keiner verlangte. Gut sind kurze Laufzeiten, maximal ein Jahr, um nicht lange gebunden zu sein. Ebenfalls gut: eine kurze Kündigungsfrist von vier Wochen. Schlecht ist dagegen, wenn Kunden für eine unterjährige Abrechnung viel Geld zahlen müssen. Hier werden bis zu 21 Euro pro Abrechnung verlangt.
Aufpassen sollten Kunden auch bei Bonus und Preisgarantie: Im Kleingedruckten schränken viele Anbieter die Preisgarantie wieder ein und reichen Erhöhungen von Abgaben oder Steuern doch weiter. Preise sollten Kunden ohne Bonus vergleichen. Nur dann wird klar, was der Strom auch im zweiten Vertragsjahr kostet. Ökostrom muss nicht teuer sein. Wer noch nie seinen Tarif gewechselt hat, kann mit Ökostrom sogar sparen. Er steckt dann in der Grundversorgung, dem meist teuersten Tarif.
Weitere Informationen: www.test.de/strom

