29.12.11

Diagnosen verstehen 30. Dezember 2011 | test 1/2012

Dolmetscher für Ärztelatein

Medizinstudenten hatten eine Idee, die bei Patienten gut ankommt.

Wer das Ärztelatein im Krankenbefund nicht versteht oder sich vom Arzt allein gelassen fühlt, findet Hilfe im Internet. Die Stiftung Warentest hat das Befundübersetzungsangebot von "Was hab' ich?" getestet und stellt außerdem qualitätsgesicherte Gesundheitsseiten vor.

Ein negativer medizinischer Befund ist eine gute Nachricht, ein positiver meist eine schlechte. Das klingt paradox, ist aber eigentlich ganz einfach: Bei einer Untersuchung hat sich der Verdacht auf eine Erkrankung nicht oder eben doch bestätigt. Komplizierter ist es zu verstehen, um welche Erkrankung es sich genau handelt, welche Folgen das hat und was zu tun ist. Arztbriefe sind voller medizinischer Fachausdrücke, die Laien nur schwer entschlüsseln können. Sie fragen im Internet: "Wer kann mir meinen Befund erklären?"

Die Netzgemeinde liefert Erklärungen manchmal im Minutentakt, doch ob die Berater fachlich qualifiziert sind, ist nicht zu erkennen. Vereinzelt bieten auch Ärzte im Internet ihre Dienste als Übersetzer der medizinischen Fachsprache an, beispielsweise für ein Honorar von 38 Euro für eine halbe Stunde Arbeitsaufwand. Kostenlos können Patienten sich ihren Arztbefund im Internetportal "Was hab' ich?" erklären lassen. Dort engagieren sich Medizinstudenten höherer Semester ehrenamtlich und übertragen komplizierte Befunde in verständliches Alltagsdeutsch.

Der Übersetzungsservice der Studenten kommt bei Patienten gut an. Der Ansturm auf das Portal ist so groß, dass Interessenten sich erst einmal auf einer Warteliste eintragen müssen. Die Tester mussten sich teilweise mehrere Wochen bis zur Entgegennahme der Arztbriefe gedulden. Mit den ausführlichen Erläuterungen zu den Befunden waren sie dann aber zufrieden – die fachliche Qualität war insgesamt in Ordnung und die Texte waren gut verständlich. Die Tester hatten fünf Befunde aus den Fachgebieten Innere Medizin, Krebsmedizin, Neurologie, Psychiatrie und Rehabilitationsmedizin übersetzen lassen.

Die Medizinstudenten weisen auf ihrer Internetseite "Was hab'ich?" ausdrücklich darauf hin, dass ihr Übersetzungsservice keinen Arztbesuch ersetzt und dass sie keine Therapieempfehlungen abgeben können. Doch immerhin ist das Portal eines von wenigen Internetangeboten, das von der individuellen Situation der Patienten ausgeht. Persönliche Hilfestellung geben zum Beispiel auch der Krebsinformationsdienst, die Unabhängige Patientenberatung Deutschland und einige Verbraucherzentralen. test stellt auch eine Auswahl qualitätsgesicherter Gesundheitsseiten vor.

Weitere Informationen: www.test.de