16.12.11

Professionelle Zahnreinigung 26. August 2011 | test 9/2011

Großputz beim Profi

Wer die Zähne professionell reinigen lässt, sollte auf Qualität achten.

Die Mundhöhle lebt. Millionen von Mikroorganismen bevölkern Zähne, Zahnfleisch und Zunge. Darunter auch schädliche Bakterien. Sie bilden weiche und harte Beläge (Plaque und Zahnstein), die letztlich Karies und Parodontitis verursachen. Am Besten lässt sich diesen Strapazen mit einer gründlichen täglichen Zahnpflege vorbeugen. Zusätzlich bieten Zahnarztpraxen professionelle Reinigungen an. Dabei kommt eine Batterie an Hilfsmitteln zum Einsatz: etwa Ultraschall- und Pulverstrahlgeräte, Metallhaken, Bürsten, Zahnseide, Polierpasten, Speziallacke.

Dass der Großputz Karies und Parodontitis vorbeugt, ist belegt. Allerdings sind die genauen Schritte in Deutschland nicht verbindlich festgelegt. Manche Praxen leisten wohl zu wenig, zeigt eine Stichprobenuntersuchung der Stiftung Warentest. Dabei ließen fünf Tester ihre Zähne in fünf Praxen im Ruhrgebiet reinigen. Was ihnen dabei passierte, protokollierten sie. Vorher und nachher prüften zwei unabhängige Gutachter alle fünf Münder, vor allem die Menge an Zahnstein und Plaque.

Demnach brachten vier der fünf Behandlungen vorher vorhandenen Zahnstein zum Verschwinden. Doch bei der Plaque sah es düster aus. Zwar gab es davon nach der Putzaktion deutlich weniger, aber immer noch zu viel. Erwartungsgemäß gegen null gingen die Werte nur bei einem einzigen – ohnehin sehr gepflegten – Gebiss.

Die Plaquereste saßen vor allem in Zahnzwischenräumen – wen wundert's. Bei keiner einzigen Testperson setzten die Putzprofis Zahnseide, Interdentalbürste oder Ähnliches ein. Noch ein Totalausfall: Niemand gab ungefragt Zahnpflegetipps für zuhause. Damit blieben in allen Praxen zwei zentrale Anforderungen unerfüllt. Auch beunruhigend: Drei "Putzprofis" fehlte die nötige formale Qualifikation. Dabei dürfen sich im Mund nur ausgebildete Fachleute zu schaffen machen: Zahnärzte, Dentalhygieniker, Prophylaxeassistenten, zahnmedizinische Fachhelfer.

Das bedeutet: Kunden sollten bei der Profizahnreinigung auf Qualität achten. Die Stiftung Warentest beschreibt, welche Schritte im Einzelnen stattfinden sollten. Färbetabletten, etwa aus der Apotheke, zeigen, ob Beläge entfernt wurden. Wichtig zu wissen: Schmerzen und Zahnfleischbluten können auftreten. Sie sollten aber innerhalb weniger Tage verschwinden. Unzufriedene Kunden sollten Probleme ansprechen oder die Zähne das nächste Mal woanders reinigen lassen. Das geht in der Regel unabhängig vom Zahnarztbesuch.

Wie oft der Großputz stattfindet, richtet sich nach dem individuellen Mundzustand, vor allem dem Risiko für Karies und Parodontitis. Als Richtwert empfiehlt die Bundeszahnärztekammer pro Halbjahr eine professionelle Reinigung. Die Kosten – je nach Aufwand etwa 50 bis 150 Euro – zahlen die Kunden meist aus eigener Tasche. Immerhin dürfen gesetzlich Versicherte einmal jährlich auf Kassenkosten Zahnstein entfernen lassen. Und 6- bis 18-Jährige bekommen zweimal jährlich eine Kurzform der Profizahnreinigung erstattet. Dabei kontrolliert eine Fachkraft die Mundhygiene, zeigt Putztechniken und behandelt die Zähne mit Fluoridlack.