16.12.11

Discounter gegen Marken 28. Oktober 2011 | test 11/2011

Marken sind nicht besser

In 37 Tests waren klassische Marken nicht besser als Discountermarken.

Ohne Schnickschnack, ohne Aura, aber konsequent preiswert – Discounter führen ihre Geschäfte nüchtern. Damit kommen sie bestens an: Jeder zweite Haushalt deckt mehr als die Hälfte seines Lebensmittelbedarfs bei Aldi, Lidl und Co., so die Gesellschaft für Konsumforschung. Supermärkte wie Rewe, Edeka und real wollen mit Artikeln der Serien ja!, Gut & Günstig und Tip den Discountern Paroli bieten und den Verbrauchern preiswerte Alternativen zu klassischen Marken.

Noch immer greifen die Bundesbürger am liebsten zu klassischen Marken mit Tradition. Doch die eigenen Produkte von Discountern und Supermärkten holen auf. Experten bezeichnen sie als Eigen- oder Handelsmarken. Sie haben zusammen einen Marktanteil von fast 40 Prozent. Kann ihre Qualität mithalten? Die Stiftung Warentest hat 37 Lebensmitteltests mit knapp 900 Produkten ausgewertet, die von Januar 2008 bis August 2011 veröffentlicht wurden. Im Fokus des Vergleichs stehen die test-Qualitätsurteile. Sie fassen die Gesamtqualität eines Lebensmittels zusammen wie die Bewertungen für den Geruch und Geschmack, die Deklaration, den Gehalt an Schadstoffen und Keimen.

Die Lebensmitteltests zeigen: Wer tiefer in die Tasche greift und ein Markenprodukt kauft, bekommt nicht automatisch bessere Qualität. Im Großen und Ganzen verteilten sich Lob und Kritik recht gleichmäßig über die drei Gruppen: die klassischen Marken, die Discounter- und die Supermarktmarken. Die meisten guten test-Qualitätsurteile konnten die Discounter absahnen. Beinahe jedes zweite ihrer Produkte war insgesamt gut. Sehr wenige Lebensmittel waren sehr gut: nur 6 von rund 900. Diese Spitzenprodukte kommen alle aus den Häusern klassischer Marken. Dazu gehörten der Frischkäse Almette, die Aufbackbrötchen "Unsere Goldstücke" von Coppenrath & Wiese, Emmi Swiss Yogurt Erdbeere, fettarme Frischmilch von Tuffi, Hansano und Landliebe.

Die Preisunterschiede zwischen klassischen Marken und Eigenmarken des Handels sind teilweise auffällig. Das zeigte der Vergleich von Warenkörben mit zwölf alltäglichen Nahrungsmitteln aus den Tests. Wenn nur Discountermarken in den Korb kämen, ständen 13,15 Euro auf dem Kassenbon. Bei Eigenmarken des Supermarkts wären es 13,67 Euro. Damit liegen beide auf gleichem Niveau. Doch wer sich nur für klassische Marken entscheidet, müsste 49 Prozent mehr bezahlen als beim Discounter, nämlich 19,60 Euro. Interessant: Bei Milchprodukten unterschieden sich die Preise insgesamt wenig. Bei Kaffee, Honig und Wiener Würstchen kosteten klassische Marken aber oft das Doppelte.

Wer steckt hinter den Eigenmarken des Handels? Oft kommen sie aus mittelständischen Betrieben. Auch namhafte Markenhersteller oder ihre Tochterfirmen stellen Eigenmarken her. Die Stiftung Warentest erfährt oft nicht, ob ein Markenhersteller eine Eigenmarke produziert hat.

Allerdings verrät das Identitätskennzeichen zumindest auf tierischen Produkten, wo sie zuletzt bearbeitet wurden. Aber ein übereinstimmendes Identitätskennzeichen auf klassischen Marken und Eigenmarken bedeuten nicht, dass Hauptproduktionsstätte und Inhalt identisch sind.