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Geflügelwurst 26. August 2011 | test 9/2011

Schweinefleisch in Geflügelwurst

Steht „Geflügel" auf der Wurst, ist oft auch Schwein oder Rind drin.

Schweinefleisch und Schweineleber in Geflügelleberwurst, Speck in

Putenwiener, Rindfleisch in Truthahnsalami: Wer in Geflügelwurst nur Geflügelfleisch erwartet, wird oft enttäuscht. Regelmäßig beschweren sich Wurstfans darüber – auch bei der Stiftung Warentest. Grund genug, der Sache nachzugehen. Und so haben die Tester die Zutatenlisten von 207 exemplarisch ausgewählten Geflügelfleischerzeugnissen studiert.

Insgesamt steckte in etwa jedem vierten Produkt nicht nur Fleisch von Geflügel, sondern auch von Schwein oder Rind – oft genauso viel, mitunter sogar mehr. Auf den ersten Blick ist das für Käufer nicht erkennbar, die Bezeichnungen und Tierabbildungen wecken andere Erwartungen. Besonders ärgerlich: In der Purland Delikatess Geflügel-Leberwurst liegt der Putenfleischanteil bei nur 20 Prozent. Den Rest machen 46 Prozent Schweinefleisch, 22 Prozent Schweineleber und Speck aus.

Rechtlich ist an Schweine- oder Rindfleisch in Geflügelwurst nichts auszusetzen – zumindest solange es keine Auslobungen wie „100 Prozent Geflügel“ oder „rein Geflügel“ gibt. Steht das auf dem Produkt, wie im Marktcheck bei 39 der 207 Fälle, dann darf es tatsächlich nur Geflügelfleisch und kein anderes Fleisch enthalten.

Gibt es auf einer Wurst keinen Hinweis auf eine Tierart, so ist nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches immer von Schweine- oder Rindfleisch auszugehen. Ist Fleisch anderer Tiere verwendet, ist es üblich, dies in der Verkehrsbezeichnung anzugeben: zum Beispiel „Hühnerfleischwurst“, „Hirschsalami“ oder „Salami mit 5 % Lammfleisch“. Ob ausschließlich oder nur teilweise Geflügelfleisch verwendet wurde – dafür gibt es keine speziellen Regelungen. Das zeigt sich oft nur in der Zutatenliste. Im Marktcheck war nur bei 10 der 207 Geflügelprodukte schon an der Bezeichnung erkennbar, dass sie nicht nur Geflügelfleisch enthalten. Das Wörtchen „mit“ wie bei „Cocktailwürstchen mit Geflügelfleisch“ weist daraufhin, dass Geflügel nur anteilig verarbeitet ist.

Manche Hersteller von Geflügelwurst behaupten, dass Schweinefleisch und Speck aus geschmacklichen oder technologischen Gründen erforderlich sind. Die große Zahl an Geflügelprodukten im Marktcheck, die nur Geflügel enthalten, widerlegt jedoch diese Behauptung: Insgesamt 144 der 207 Produkte – das sind rund 70 Prozent – enthalten laut Zutatenliste nur Geflügel. Hähnchenfett oder Putenfett ersetzen den Speck, bei Salami wird Pflanzenfett verwendet. Viele Hersteller richten sich also bereits heute danach, was Verbraucher erwarten: Wenn Geflügel draufsteht, sollte auch nur Geflügel drin sein.

Damit das bei allen Produkten einheitlich so ist, hat die Stiftung Warentest beantragt, die Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse im Hinblick auf Geflügelwurst zu aktualisieren. Auch ohne den Zusatz „rein“ oder „100 %“ sollte nur Geflügel enthalten sein, wenn „Geflügel“ auf der Verpackung steht oder Hühner und Puten abgebildet sind. Bei 105 der 207 überprüften Produkte, also etwa jeder zweiten Geflügelwurst im Marktcheck, ist das schließlich schon der Fall.

 

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