Wohngebäude 19. Juli 2011, Finanztest 8/2011
Haus besser und günstiger versichern
Versicherer wechseln und dabei über 500 Euro im Jahr sparen.
(ftd) Auch den Gebäudeversicherer kann man wechseln und dabei sparen. Die Zeitschrift Finanztest hat in ihrer aktuellen Untersuchung Preisunterschiede von über 500 Euro im Jahr festgestellt. Der Wohngebäudeversicherer hilft, wenn Feuer, Sturm oder Leitungswasser Schäden am Haus anrichten. Der Preis für den Versicherungsschutz hängt vom Wert des Gebäudes, von der Lage des Hauses und davon ab, ob der Versicherer günstig oder teuer ist.
Deutschland ist in Gefahrenzonen eingeteilt. Ausschlaggebend für die Einstufung sind das Leitungswasser- und das Sturmrisiko. Bad Schandau ist zum Beispiel ein günstiger Standort, Münster ist teuer.
Finanztest hat die Beiträge der Versicherer an verschiedenen Orten mithilfe eines Modellhauses verglichen: es ist ein vollunterkellertes Einfamilienhaus mit ausgebautem Dachgeschoss und 134 Quadratmetern Wohnfläche.
Wie groß der Preisunterschied bei gleicher Adresse sein kann, zeigt der Vergleich für das Modellhaus in Münster eindrucksvoll: Eigentümer zahlen bei der Barmenia, Tarif Komfort, 782 Euro im Jahr. Der Versicherer Medien verlangt im Tarif Standard 218 Euro. Preisersparnis bei einem Wechsel: 564 Euro. Die umfangreicheren Zusatzleistungen der Barmenia wiegen die Preisdifferenz nicht auf.Totalschaden mitversichert
Auf den Gebäudeschutz sollte kein Immobilienbesitzer verzichten. Rund 20 Millionen Hausbesitzer in Deutschland haben ihn bereits. Sie erhalten Geld vom Versicherer, wenn ein Rohrbruch Schäden im Haus verursacht, ein Sturm das Dach abdeckt oder ein Feuer das Gebäude zerstört. Der Versicherer erstattet den ortsüblichen Wiederaufbauwert.
Die meisten Hauseigentümer haben die Wohngebäudeversicherung als "gleitende Neuwertversicherung" abgeschlossen. Dann bezahlt der Versicherer nach einem Totalschaden immer den Aufbau zu den aktuellen Baupreisen. Auch die Beiträge werden jährlich an die Baupreisentwicklung angepasst.
Wichtige Zusatzleistungen
Den Überblick im Tarifdschungel zu behalten, ist nicht ganz einfach. Die Versicherer haben viele Zusatzleistungen im Angebot, sogenannte Deckungserweiterungen. Den Standardschutz für die schlimmsten Fälle bieten aber alle Versicherer gleichermaßen – auch in den sehr günstigen Tarifen. Das Wichtigste ist damit abgedeckt, doch ob der Versicherer wirklich alle Kosten übernimmt, hängt oft davon ab, welche Zusatzleistungen Hausbesitzer versichert haben.
Alle Tarife im Test schließen beispielsweise als Extra Abbruch- und Aufräumungskosten ein – mit unterschiedlichen Entschädigungsgrenzen. Nach einem Brandschaden können die Kosten für den Abtransport von Resten eines zerstörten Hauses schließlich in die Tausende gehen.
Teuer kann auch die Entsorgung von Boden werden, der durch Heizöl oder giftigen Brandschutt verseucht wurde. Auch hier ist es sinnvoll, wenn der Versicherer mindestens einen Teil der Kosten übernimmt.
In Häusern älterer Baujahre finden sich häufig noch Elektroinstallationen oder Heizungstechnik, die Behörden heute nicht mehr genehmigen würden. Nach einem Schaden muss das Haus teurer mit aufwendigerer Technik aufgebaut oder repariert werden. Auch an solchen Zusatzkosten sollte sich der Versicherer mit einigen tausend Euro beteiligen.
Schutz individuell gestalten
Je nach Haus und Grundstück sind weitere Zusatzleistungen sinnvoll. Das Finanztest-Modellhaus hat zum Beispiel eine Ölheizung mit elektronischer Steuerung, die durch Überspannung infolge eines Blitzes beschädigt werden könnte. Hausbesitzer mit ähnlichen Anlagen sollten darauf achten, dass ihr Schutz solche Schäden umfasst.
Wer Bäume auf dem Grundstück hat, achtet darauf, dass auch die Aufräumkosten für Bäume nach einem Sturmschaden versichert sind. Nebengebäude auf dem Grundstück sowie größere Carports oder Gartenhäuser müssen häufig separat versichert werden.
Eigentümer einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach können diese in der Wohngebäudeversicherung mitversichern. Zerstören Sturm oder Hagel die Module, wird der Schaden ersetzt.
Schutz gegen Elementarschäden
Vor dem Abschluss einer Wohngebäudeversicherung sollten Hausbesitzer prüfen, ob sie zusätzlich eine Elementarschadenversicherung brauchen. Dann hilft der Versicherer zum Beispiel auch nach Schäden durch Naturereignisse wie Hochwasser, Starkregen, großen Schneelasten oder Erdbeben. Da sich Unwetterschäden häufen, kann der Schutz sinnvoll sein. Zurzeit sind rund 30 Prozent der Häuser in Deutschland gegen solche Naturgefahren versichert.
Finanztest-Tipps:
Unverzichtbar. Die "verbundene" Wohngebäudeversicherung ist unverzichtbar. Sie kommt für Schäden durch Feuer, Leitungswasser und Sturm auf.
Auswahl. Der Versicherer Medien bietet für viele Häuser günstigen Schutz mit wichtigen Extras. In Norddeutschland ist auch der Regionalversicherer Neuendorfer, Tarif Komfort plus, günstig. Eisenbahner bekommen bei der DEVK Eisenbahn, Tarif Komfort-V(F), günstigen Schutz.
Zusatzschutz. Eine zusätzliche Elementarschadenversicherung ist für alle Häuser sinnvoll, bei denen es zu Schäden durch Naturereignisse wie Überschwemmung, Erdbeben, Schneedruck oder Lawinen kommen kann, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Schaden zurzeit gering ist. Die Kombination "Wohngebäude plus Elementarschutz" ist besonders günstig bei den Versicherern Medien, Tarife Standard und Komfort, Grundeigentümer Schutz 60 und Schutz 60 + SP, Ammerländer Exklusiv sowie DEVK Komfort-N (F). Für Häuser mit Vorschäden ist die Kombination für den Tarif Axa Linie günstig.
Mehr Informationen. Spezielle Angebote für den öffentlichen Dienst unter www.test.de/gebaeudeversicherung. Fragen rund um das Thema Wohngebäudeversicherung beantworten am 27. Juli von 13 bis 14 Uhr Experten im Chat: www.test.de/chat-haus.

