10.07.12

Online-Enzyklopädie

Protest gegen Gesetz: Russische Wikipedia offline

Neues Internet-Gesetz soll es der Regierung ermöglichen, Inhalte zu blockieren. Die Enzyklopädie wurde für 24 Stunden vom Netz genommen.

Foto: picture alliance / dpa
Die Internetseite Wikipedia ist seit dem 15. Januar 2001 online und beherbergt Beiträge in 260 Sprachen
Die russische WIkipedia wurde für 24 Studen aus dem Netz genommen

Moskau. Wikipedia hat am Dienstag aus Protest gegen ein geplantes Internet-Gesetz seine russischsprachigen Seiten für 24 Stunden aus dem Netz genommen. Abgeordnete erklärten, die Gesetzesvorlage, über die am Dienstag im Parlament debattiert werden sollte, solle das Kindswohl schützen. Das Gesetz soll es der Regierung ermöglichen, kinderpornografische Inhalte, Anleitungen für Selbsttötungen oder Informationen über Drogen zu blockieren.

Internet-Nutzer und Menschenrechtsaktivisten haben gegen das Vorhaben protestiert. Der Rat für Menschenrechte erklärte, das Gesetz sei zu weit gefasst, sodass die Regierung subjektiv Seiten sperren könne. Im Januar hatte Wikipedia seine englischsprachige Seite vorübergehend abgeschaltet, um gegen ein Gesetz gegen Online-Piraterie in den USA zu protestieren.

+++ Wikipedia-Gründer berät Camerons Regierung +++

Der Kreml äußerte sich nicht öffentlich zu dem Gesetzesvorhaben. Allerdings waren Abgeordnete der Putin-treuen Partei Einiges Russland an der Abfassung des Gesetzes beteiligt und seine Verabschiedung gilt als sicher. Das Gesetz entspricht anderen kürzlich erlassenen Verordnungen, die auf Putin-Kritiker abzielen: Eine drastische Verschärfung der Strafen für illegale Demonstrationen wurde im Juni durchs Parlament gepeitscht, ein Gesetz, das Nichtregierungsorganisationen, die aus dem Ausland Geld erhalten, als "ausländische Agenten" abstempelt, wurde in der vergangenen Woche verabschiedet.

+++ "Encyclopaedia Britannica" wird nicht mehr gedruckt +++

Das russische Internet war bislang relativ frei von Eingriffen der Regierung. Während regierungskritische Aktivisten oder Medien in zahlreichen Fällen Opfer von Hackerangriffen wurden, regulierte die Regierung das Internet nur wenig, wodurch es eine Plattform für politischen Diskurs wurde. Dementsprechend provozierte der Gesetzentwurf eine Protestwelle im Internet. Viele Nutzer äußerten Unterstützung für die Aktion von Wikipedia.

Der Oppositionspolitiker Alexej Nawalni schrieb in seinem Weblog, das Gesetz unterstreiche, wie verzweifelt der Kreml versuche, über die internetaffine Öffentlichkeit zu siegen. Das Gesetz sei ein weiterer Versuch der Regierung, den "ideologischen Kampf im Internet" zu gewinnen.

Anton Nossik, Mediendirektor der Internetfirma SUP, die unter anderem den größten Blogger-Dienst in Russland betreibt, glaubt daran, dass das jetzige Gesetz eher ein Testballon ist. Es werde keine unmittelbaren Folgen haben, schrieb er. Aber, "die Wahrheit ist, dass sie testen, um herauszufinden, wie solche Maßnahmen in der Zukunft umgesetzt werden können. In den vergangenen zwölf Jahren war ich sicher, dass die russische Regierung klug genug war, das Internet nicht zu zensieren. Nun zerstreuen sie jeden Zweifel, dass Russland auf dem Weg zu einer Regulierung durch die Regierung ist, die sinnlos und skrupellos ist." (dapd)

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die IWF-Chefin Christine Lagarde stand wegen umstrittener Entschädigungszahlungen unter Druck
24.05.13Tapie-Affäre
IWF-Chefin Lagarde entgeht Ermittlungsverfahren

Gegen IWF-Chefin Christine Lagarde wird vorerst kein Anklageverfahren eingeleitet. Die ehemalige französische Finanzministerin stand unter Verdacht, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. mehr...


Die Angeklagten Daviti K. (l.) und Besik N. (r.) mit einem Dolmetscher im Hamburger Landgericht
24.05.13Hamburg
Angeklagter gesteht brutalen Raubüberfall auf Juwelier

Vor dem Hamburger Landgericht behauptete der 40-Jährige, er und sein mutmaßlicher Komplize seien drogenabhängig gewesen und hätten Geld benötigt. Die Tat sei jedoch nicht geplant gewesen. mehr...


Florian Pronold soll für Infrastruktur und Verkehr zuständig sein
24.05.13Wahlkampf
Pronold soll Steinbrücks Kompetenzteam verstärken

Bayerns SPD-Chef Florian Pronold soll offenbar in das Wahlkampfteam von Kanzlerkandidat Steinbrück berufen werden. Für den Beginn der Woche wird außerdem mit zwei weiteren Personalien gerechnet. mehr...

Typhoon escorts plane into Stansted
24.05.13Britischer Luftraum
Kampfjet leitet Flugzeug um – Zwei Festnahmen

Dramatischer Zwischenfall in Großbritannien: Ein Kampfjet hat ein pakistanisches Flugzeug mit 297 Menschen an Bord umgeleitet. Zwei Männer wurden wegen Gefährdung des Luftverkehrs festgenommen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Datenschutz
Viele Nutzer bezahlen im Internet mit Privatsphäre

Mehr als 2,4 Milliarden Menschen nutzen das Internet. Viele Soziale Netzwerke sind nur scheinbar kostenlos. Die Nutzer bezahlen mit ihrer…mehr »

Top Bildergalerien mehr

Mobile World Congress 2013

Von Höhlenforschern und Gangstern: Neue PC-Spiele

US-Staat Washington

Vierspurige Straßenbrücke eingebrochen

Hamburger Finalistin

Hamburgerin Lovelyn im GNTM-Finale

tb_meravis.gif
Meravis

Neuer Raum für Hamburgmehr

Highlights