10.07.12

Schadsoftware

"DNS Changer": Das große Chaos blieb aus

Schadsoftware soll trotz massiver Aufllärungsarbeit noch auf etlichen Rechnern lauern. Das befürchtete Chaos durch "DNS Changer" blieb aber aus.

Foto: picture alliance / dpa/dpa
Test auf Trojaner "DNSChanger"
Immer noch sind viele Rechner mit der Schad-Software "DNS-Changer" infiziert

Berlin. Noch immer droht vielen Nutzern in Deutschland ein Internet-Ausfall, doch das große Chaos um die Schadsoftware DNS Changer ist am Montag ausgeblieben. Viele Provider hielten in aller Welt die Opfer über ihre eigenen Systeme online, erklärte Mikko Hyppönen, Forschungschef der IT-Sicherheitsfirma F-Secure, über Twitter. "Wir erwarten heute nicht viel Lärm darum."

Mit dem Schädling hatten Kriminelle die Netzwerkkonfiguration von Computern und Routern so manipuliert, dass die Anfragen der Nutzer unbemerkt auf andere Seiten umgelenkt wurden – etwa um Kreditkarten- Daten abzufischen. Die US-Bundespolizei FBI zerschlug das System Ende 2011 und richtete übergangsweise selbst Server ein, an die befallene Rechner ihre Anfragen schicken konnten. Diese wurden am Montag abgeschaltet.

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Es war befürchtet worden, dass Nutzer mit infizierten Geräten - zuletzt weltweit noch 250 000 – erhebliche Schwierigkeiten haben würden, ins Netz zu gehen. Auf betroffenen Rechnern erreichen Nutzer Webseiten möglicherweise nicht über den Domainnamen, sondern nur über die IP-Adresse. Wie viele Nutzer tatsächlich nicht ins Netz gehen konnten, war am Montag zunächst unklar.

IT-Experten und Internet-Wirtschaft hatten seit Monaten auf das Problem hingewiesen und Nutzer aufgefordert, ihre Geräte auf einen Befall zu überprüfen. In Deutschland hatte beispielsweise die Deutsche Telekom Hilfe angeboten und gemeinsam mit dem BSI und dem Bundeskriminalamt unter www.dns-ok.de eine Seite ins Netz gestellt, über die die Nutzer ihren Rechner auf eine mögliche Infektion testen konnten. Auf Basis der Informationen des FBI seien auch alle betroffenen Kunden direkt angeschrieben worden, sagte Telekom-Sprecher Philipp Blank.

Dass trotz der massiven Öffentlichkeitsarbeit immer noch Tausende Rechner infiziert sind, sieht das BSI als Warnzeichen. "Das zeigt, dass Nutzer über Monate Schadsoftware auf dem Rechner haben – damit ist auch anderen Schädlingen Tür und Tor geöffnet", sagte BSI-Sprecher Tim Griese . Er appellierte, unabhängig vom DNS Changer den Rechner zu schützen.

Stuxnet, Duqu, Flame: Das Arsenal der Cyberwaffen
Die meisten Computerschädlinge werden von Cyberkriminellen in Umlauf gebracht, die mit ihren Programmen Geld machen wollen. Doch mittlerweile entdecken Antivirus-Experten zunehmend auch Schadprogramme, die politische Zwecke erfüllen sollen:
1. STUXNET: Der Computerwurm Stuxnet ist im Jahr 2011 zum Synonym für Angriffe auf große und wichtige Infrastrukturen wie Industrieanlagen oder Stromnetze geworden. Der raffinierte Schädling war auf eine bestimmte Konfiguration von Siemens-Industriesystemen zugeschnitten.
Experten gehen davon aus, dass er geschrieben wurde, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Da der Arbeitsaufwand für ein derartiges Programm immens hoch ist, vermuten viele Spezialisten Staaten oder zumindest eine staatlich unterstütze Gruppe hinter dem Angriff.
2. DUQU: Dieser Trojaner wird von Experten als "der kleine Bruder von Stuxnet" bezeichnet. Er sammelt Daten von Computern und übermittelt sie an seine Entwickler.
Die Software hat offenbar das Ziel, Industrieanlagen für weitere Angriffe auszuspionieren. Die erste Duqu-Attacke dürfte bereits auf Dezember 2010 zurückgehen. Den Namen Duqu bekam die Software, weil sie Dateien mit dem Namensteil "ßDQ" anlegt.
3. FLAME: Der Virus ist mit 20 Megabyte viel größer als Stuxnet. Er greift Windows-Rechner an und führt auf dem PC unterschiedlichste Spionagefunktionen aus. Flame kann das Mikrofon des Rechners einschalten und Gespräche belauschen, Bildschirminhalte und Tastatureingaben aufzeichnen sowie das Datennetzwerk belauschen.
Außerdem verfügt das Programm über eine Hintertür, so dass weitere Schad-Funktionen nachgeladen werden können.
Quelle: dpa
(dpa)
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