27.02.13

Yahoo-Chefin

Mayer gönnt sich mehr Luxus als ihren Mitarbeitern

Bislang konnten Yahoo-Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Damit ist nun Schluss. Chefin Marissa Mayer beordert alle zurück ins Großraumbüro. Die Aufregung ist groß, aber Mayer hat ihre Gründe.

Von Benedikt Fuest
Foto: REUTERS
 Marissa Mayer
Marissa Mayer muss Yahoo schnellstens wieder auf Vordermann bringen

Yahoo-Chefin Marissa Mayer sieht sich seit Anfang der Woche heftigem Gegenwind aus diversen US-Medien und Hightech-Blogs ausgesetzt: "Anführer sollten ihre Fehler rechtzeitig zugeben" ("Forbes"-Magazin) ist noch eine der harmloseren Überschriften, "Zurück ins 19. Jahrhundert" oder "Marissas neue Regeln sind dumm" titeln andere.

Der Grund für die Medienschelte: Mayer hatte die Parole ausgegeben, dass von nun an alle Mitarbeiter des angeschlagenen Internetriesen jeden Tag im Büro erscheinen müssen - Homeoffice, die so beliebte Arbeit vom heimischen Schreibtisch aus, ist für Yahoos Angestellte ab sofort tabu.

Damit stellt sich Mayer ganz und gar gegen die lässig-coole Arbeitsethik der Silicon-Valley-Start-up-Welt, in der Bürozeiten nur noch als Empfehlungen dienen und in welcher der Arbeitsplatz dank Laptop, Drahtlosverbindung und Work-Life-Space ohnehin eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Reaktion in Szene-Medien, Blogs und beim Kurznachrichtendienst Twitter fällt entsprechend deutlich aus: Viele der betroffenen 11.500 Angestellten beschweren sich über den Inhalt der Neuregelung, über die Form - Marissa Mayer verkündete die Regel in Form eines "Wer das nicht will, soll gehen"-Ultimatums - oder über Mayers Sonderregelung für sich selbst: Die Powerfrau war erst im vergangenen Sommer hochschwanger von Google zu Yahoo gewechselt und hatte sich nach der Geburt ihres Sohnes laut dem US-Techmagazin "Gawker" prompt eine eigene Kinderkrippe auf der Chefetage installieren lassen.

Viele Mitarbeiter ihres Hauses können sich einen solchen Luxus nicht leisten und betreuen ihre Kinder daher zu Hause. Das geht jetzt nicht mehr, nachdem Mayer ihre Untertanen an die kurze Leine genommen hat.

Mayer will träge Mitarbeiter ausmisten

Nun berichten Insider wie US-Tech-Ikone Kara Swisher vom Techmagazin "All Things D" im Interview, die Stimmung im Konzern sei schlecht wie nie. Yahoo selbst reagierte bislang nur mit einer spröden Mitteilung: Die neue Regelung sei interne Sache des Konzerns, Yahoo wolle damit keineswegs das Konzept der Zu-Hause-Arbeit an sich kritisieren.

So aus der Zeit gefallen Mayers Kahlschlag in Sachen Homearbeitsplatz auch wirken mag: Er ist ein Zeichen dafür, dass die resolute Managerin Missstände bei Yahoo offen adressiert. Laut diversen Insider-Stimmen hatte die Homeoffice-Mentalität vor Mayers Antritt überhandgenommen, einzelne Mitarbeiter nutzten das allzu freizügige Angebot schamlos aus.

Mit dem Verbot kann Mayer unter den Faulenzern im eigenen Fußvolk aufräumen: Wer angesichts stagnierender Umsätze und mangelnder Innovationen eine allzu ruhige Kugel schob, sieht sich nun wieder der sozialen Kontrolle des Großraumbüros ausgesetzt. Mayer begründet den Schritt zudem damit, dass echte Innovationen oftmals nicht in formellen Meetings, sondern in informellen Flur-Gesprächen entstehen. Diese Innovationen hat der Konzern bitter nötig: Auch konnte Mayer bisher ihren Anlegern nicht erklären, wie sie den strauchelnden Internetpionier Yahoo zu alter Größe zurückführen will.

Paradiesische Zustände bei Google

Auch andere IT-Giganten im Silicon Valley setzen darauf, dass die Angestellten in der Büro-Umgebung auf die besten Ideen stoßen - Mayers alter Arbeitgeber Google etwa ist bekannt für sein Campus-Konzept.

Doch wo Mayer nun auf Zwang setzt, versucht Google, den Aufenthalt im Büro so angenehm wie möglich zu gestalten: Mit Wasch- und Einkaufsservices, Schwimmbädern und Wellness-Ecken, Umsonstkantinen und Snackbars schafft Google eine Arbeitsumgebung, in der die Angestellten möglichst gar nicht merken sollen, wie viel Zeit sie dem Konzern geben.

Die Umsonstkantine hat Mayer bei Yahoo bereits kurz nach Antritt eingeführt. Doch von der Google-Arbeitskultur, das zeigt der aktuelle Aufschrei, ist Mayer bei Yahoo noch ein ganzes Stück weit entfernt.

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