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Kündigung

Foto: Hendrik Jonas

Wer Kündigungsschutzklage einreichen will, muss das innerhalb von drei Wochen beim Arbeitsgericht tun – am besten unterstützt von einem Fachanwalt.

Mal weiß der Betroffene, dass sie kommt, mal ist er völlig überrascht davon: die Kündigung. Was tun? Kann man sich wehren? Ist die Kündigung überhaupt rechtmäßig? "Ich rate, direkt nach dem Zugang der Kündigung eine rechtliche Beratung bei einem im Arbeitsrecht versierten Anwalt zu vereinbaren", sagt Larissa Wocken, Arbeitsrechtlerin in der Hamburger Kanzlei Dornheim.

Wichtig sei, gleich bei der Terminvereinbarung darauf hinzuweisen, dass es um das Thema Kündigung geht, hebt Wocken hervor. Denn ab dem Augenblick, in dem man die Kündigung bekommt – sei es persönlich oder per Post – hat man nur drei Wochen Zeit, um Klage dagegen zu erheben. "Nach Abschluss der Beratung kann ich mich entscheiden, wie weiter vorgegangen werden soll."

Denn auch, wenn man meint, der Chef und seine Personalabteilung seien versiert in allen Belangen des Arbeitsrechts, ist das nicht immer so. "In vielen Fällen werden zum Beispiel bei der Angabe der Kündigungsfrist Fehler gemacht", sagt Dr. Rainer Stelling, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Dr. Gleim & Partner. Bei langjährigen Mitarbeitern ist oft der genannte Zeitraum zu kurz: "Denn die Kündigungsfrist bemisst sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit, nicht nach dem, was im Arbeitsvertrag steht", erklärt der Hamburger Rechtsanwalt.

Gilt in der Firma das Kündigungsschutzgesetz?

Ob man gegen eine Kündigung Klage erheben kann, hängt aber vor allem davon ab, ob im eigenen Betrieb der gesetzliche Kündigungsschutz greift. "Bis zur Zahl von 10,0 Vollzeit-Arbeitnehmern gibt es keinen regulären Kündigungsschutz", sagt Stelling. Dort darf also willkürlich gekündigt werden, ohne dass der Mitarbeiter dagegen angehen kann – außer es ist die Kündigungsfrist verletzt worden. Dann kann auch ein Mitarbeiter aus einer Firma ohne Kündigungsschutz gegen seine Entlassung klagen.

Die besagten zehn Vollzeitkräfte sind übrigens eine rechnerische Größe. "Wenn ein Betrieb 20 Teilzeitkräfte beschäftigt, die alle nur 20 Wochenstunden arbeiten, gilt immer noch kein Kündigungsschutz", erklärt der Anwalt. Denn die Mitarbeiter zählen anteilig – was diesen Beispiel-Betrieb rein rechnerisch unter die 10,0-Mitarbeitergrenze fallen ließe. "Erst ab einer Wochenarbeitszeit von mehr als 30 Stunden zählt ein Mitarbeiter als Vollzeitkraft."

Allerdings weist Arbeitsrechtler Stelling auf eine Besonderheit hin: Auch in Kleinbetrieben ist laut eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts die Kündigung anfechtbar – wenn sie sittenwidrig ist. Und das kann der Fall sein, wenn ein langjähriger Mitarbeiter gekündigt und umgehend durch eine junge Kraft ersetzt wird. "Als unbillig gilt eine Kündigung darüber hinaus auch in einem Kleinbetrieb, wenn sie als Reaktion auf eine berechtigte Beschwerde eines Mitarbeiters angesehen werden muss."

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