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Rechtsstreit

Foto: Hendrik Jonas

Egal ob es um das Sorgerecht für das gemeinsame Kind, die Schuldfrage bei einem Autounfall oder um die Kündigung durch den Arbeitgeber geht: Ein bevorstehender Rechtsstreit löst bei vielen Menschen Angst und Unsicherheit aus. Eine kompetente Beratung im Vorwege kann Klarheit schaffen und helfen, unnötige Kosten vermeiden.

Ein Rechtsstreit droht. Was sollte ich als erstes tun?

"Vor Aufnahme eines Prozesses sollte man sich grundsätzlich immer an kompetenter Stelle beraten lassen" sagt Hartmut Scharmer, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer. Beispielsweise könne in einem solchen ersten Beratungsgespräch geklärt werden, ob eine Klage Aussicht auf Erfolg hätte oder ob eine Möglichkeit der außergerichtlichen Einigung bestehe. Eine erste Rechtsberatung bieten Rechtsanwälte, die Öffentliche Rechtsauskunft Hamburg (www.hamburg.de/rechtsberatung, 040/428 43 -3071/3072) oder in arbeitsrechtlichen Fragen auch Gewerkschaften, Arbeitgeber- und Berufsverbände an.

Nimmt ein Rechtsanwalt die Erstberatung vor, kostet diese für Verbraucher maximal 190 Euro plus Mehrwertsteuer. Die Beratung der Öffentlichen Rechtsauskunft (ÖRA) ist einkommensschwachen Hamburger Bürgerinnen und Bürgern vorbehalten. Aber auch Menschen mit geringem Einkommen, die in Hamburg arbeiten und bezüglich ihres Arbeitsverhältnisses beraten werden möchten, können sich an die ÖRA wenden. Die Kosten für eine solche Beratung liegen bei maximal 10,00 €. Gewerkschaften, Arbeitgeber- und Berufsverbände beraten ausschließlich die eigenen Mitglieder. Eine Vertretung durch Rechtssekretäre oder Verbandsvertreter in Terminen des Arbeitsgerichts ist gewährleistet. Bis auf den Mitgliedsbeitrag ist diese Vertretung vor den Gerichten für Arbeitssachen kostenfrei.

Wie finde ich den richtigen Anwalt?

Mittlerweile präsentiert sich fast jede Rechtsanwaltskanzlei mit einer eigenen Seite im Internet. "Überzogen" nennt Hartmut Scharmer einige dieser Web-Auftritte. Und rät potenziellen Mandanten, sich von einer opulenten Optik oder vollmundigen Versprechen nicht blenden zu lassen. "Zuverlässiger sind häufig Empfehlungen von Freunden und Bekannten, bei denen es schon einmal einen Rechtsstreit gab oder die die Anwaltsszene kennen", so Scharmer. "Schließlich sollte der Rechtsanwalt nicht nur ein guter Jurist sein, sondern auch menschlich die Erwartungen seiner Mandanten erfüllen."

Sollte die Anwaltssuche über private Kontakte ergebnislos bleiben, können Adressen auch über die Hanseatische Rechtsanwaltskammer (Tel.: 040/34 53 98, telefonisch mo. bis do., 9.00 bis 17.00, fr. bis 13.00 Uhr, www.rak-hamburg.de) oder den Hamburgischen Anwaltverein (Tel. 040/34 64 46, www.hav.de) eingeholt werden.

Lassen sich die Kosten eines Prozesses im Vorwege abschätzen?

Seit 2007 gibt es für die Beratung durch einen Rechtsanwalt keine gesetzlichen Gebühren mehr. "Der Mandant sollte also am besten schon im Rahmen der ersten Kontaktaufnahme die Honorarfrage stellen", so Hartmut Scharmer. Außerdem sei eine schriftlich fixierte Gebührenvereinbarung zwischen Anwalt und Mandant sinnvoll.

Für die außergerichtliche Vertretung des Mandanten gälten die gesetzlichen Gebühren. Allerdings, so Scharmer, könnten auch hier Anwalt und Mandant eine außergerichtliche Vereinbarung zum Beispiel darüber treffen, ob nach Stundensatz oder pauschal abgerechnet werden solle.

"Im gerichtlichen Bereich kommt schließlich das Rechtsanwaltsvergütungsgesetzt zum Tragen", erklärt Hartmut Scharmer. Dies sei allerdings sehr umfangreich und auch für viele Juristen ein "Buch mit sieben Siegeln". Außerdem ließen sich die Prozesskosten im Vorwege nur schwer kalkulieren, sofern sich diese nach dem Streitwert richteten. Und der, so Scharmer, könne sich im Laufe des Verfahrens deutlich verändern. Grundsätzlich gelte die Faustregel: Je höher der Streitwert, desto teurer der Prozess.

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