Leben in Hamburg
Eine Internetseite für Ihre wichtigsten Lebensereignisse
Leben in Hamburg

Verlobung

Foto: Hendrik Jonas

Heiraten ist Trend – allen Scheidungsraten zum Trotz finden durchschnittlich jedes Jahr 7000 Eheschließungen in Hamburg statt. Aber verlobt man sich heute eigentlich noch offiziell? Und hat das Heiratsversprechen auch rechtliche Folgen?

Verlobung – altmodisch oder romantisch?

"Dies ist mein Verlobter." Zugegeben, das klingt heutzutage ein wenig altmodisch. Doch so gern man vielleicht auf diesen Titel verzichten mag – auf den vorausgegangenen Antrag ganz sicher nicht. Es mag besonders pragmatische Paare geben, die einfach gemeinsam mit der Hochzeitsplanung loslegen. Die meisten lieben es jedoch romantisch. "Eigentlich verloben sich alle Paare noch und haben oft auch eine Verlobungszeit von mindestens einem Jahr, bis die Hochzeit dann stattfindet", sagt Christina Görling, Expertin für Hochzeitsplanung und Geschäftsführerin von "Maison Mariée", dem Hochzeitshaus in Niendorf. Eine Zeit der Prüfung, in der man entscheidet, ob man denn nun tatsächlich für eine gemeinsame Ehe geeignet ist oder nicht, ist die Verlobungszeit heutzutage nicht mehr. Ob sie im Alltag miteinander harmonieren, haben die meisten Paare schon vorher ausgetestet. Große Verlobungspartys sind bei uns in Deutschland gemeinhin nicht üblich – anders sei dies in Amerika, wo bereits die Verlobung oft in großem Kreise bekannt gegeben und gefeiert werde, so Christina Görling. International ist hingegen, dass man seinen "Beziehungsstatus" bei Facebook mit "verlobt" angeben kann. Also doch nicht so gestrig?

Rechtliche Konsequenzen

Das "Verlöbnis" ist hierzulande im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt – wer einmal nachlesen möchte: BGB §§1297-1302. Die Verlobung ist demnach vor dem Gesetzgeber ein Heiratsversprechen, genau genommen also ein Vertrag. Allerdings einer, der keiner besonderen Form bedarf und nicht eingeklagt werden kann. Oder wie es im BGB so schön heißt: "Aus dem Verlöbnis kann nicht auf Eingehung der Ehe geklagt werden." Als verlobt gilt in jedem Fall, wer sich schon beim Standesamt für eine Eheschließung angemeldet hat. Dasselbe gilt natürlich für gleichgeschlechtliche Paare, die eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen wollen.

Früher mussten Männer ihrer Verlobten, wenn sie diese sitzen ließen, unter Umständen eine Entschädigung zahlen – für den Verlust ihrer Jungfräulichkeit. Diese sogenannte "Kranzgeld-Regelung" wurde erst 1998 offiziell abgeschafft. Die Auflösung einer Verlobung kann dennoch teuer werden, wenn durch die konkrete Planung einer Hochzeit bereits Kosten entstanden sind. Dann wird derjenige in die Pflicht genommen, der sich anders entschieden hat. Es sei denn, es gibt einen wichtigen Grund für diesen Schritt, wie Fremdgehen oder gar Gewalttätigkeit. Verlobungsgeschenke dürfen von der anderen Seite zurückgefordert werden. Für Christina Görling von "Maison Mariée" definitiv ein Zeichen guten Stils: "Löst die zukünftige Braut die Verlobung, halte ich es für angemessen, den Verlobungsring zurück zu geben."

Sollte ich den Vater der Braut um Erlaubnis bitten?

"In sehr wohlbetuchten Familien, bei Adeligen oder auch in anderen Kulturkreisen gehört es nach wie vor zur Etikette, den Vater vorab um die Hand der Tochter zu bitten", sagt Christina Görling von Maison Mariée. Die meisten Paare halten diesen Akt inzwischen jedoch für überholt, schließlich entscheidet heute ja glücklicherweise nicht mehr der Vater, welcher Schwiegersohn der richtige ist, sondern die Frau selbst. Tatsächlich können sogar schon Minderjährige ein Heiratsversprechen eingehen, bei der Eheschließung müssen die Verlobten jedoch volljährig sein. Das Amtsgericht kann jedoch auf Antrag eine Befreiung erteilen, wenn die oder der Jugendliche das 16. Lebensjahr vollendet hat und der zukünftige Partner volljährig ist. Dann wäre nicht einmal mehr in diesem Fall die Erlaubnis der Eltern nötig.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.