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Taufe

Foto: Hendrik Jonas

Evangelisch oder katholisch – viele Eltern zelebrieren die Taufe ihres Kindes als großes Fest im Kreise von Familie und Freunden. Was die Taufe eigentlich bedeutet und unter welchen Voraussetzungen ein Kind überhaupt getauft werden kann, erfahren Sie hier.

Bedeutung der Taufe

Die Taufe symbolisiert die Aufnahme in die christliche Kirche. Traditionell handelt es sich bei den Täuflingen um kleine Kinder, über deren Kopf der Geistliche dreimal ("Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.") Wasser rinnen lässt. Wer nicht als Kind getauft wurde, kann sich natürlich auch später als Jugendlicher oder Erwachsener dafür entscheiden. In der evangelischen Kirche ist die Taufe neben dem Abendmahl das einzige Sakrament. Darunter versteht man Riten, durch die die Gläubigen ihre Zugehörigkeit zu Jesus Christus zum Ausdruck bringen.

Historischer Ausgangspunkt ist die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. "Zur Zeit der urchristlichen Gemeinde sind vor diesem Hintergrund zunächst nur Erwachsene getauft worden", heißt es auf der Internet-Seit der Evangelischen Kirche Deutschland. Spätestens seit dem 3. Jahrhundert habe sich die Praxis der Kindertaufe durchgesetzt. Die Taufe ist einmalig und unwiederholbar. Im Falle der Kindertaufe sagen die Eltern und Taufpaten stellvertretend für das Kind "Ja zu Gott", nachdem sie für das Kind die Taufe erbeten und sich zu ihrer Aufgabe bekannt haben, das Kind im rechten Glauben zu erziehen.

Müssen die Eltern in der Kirche sein?

Natürlich macht es in den Augen der Kirche wenig Sinn, wenn Eltern ihr Kind taufen lassen wollen, die selbst beide nicht bzw. nicht mehr in der Kirche sind. "Wenn beide Eltern mit Kirche und Glauben wenig anzufangen wissen bzw. mit Kirche nichts zu tun haben möchten und aus ihr ausgetreten sind, dann können sie dazu nicht ,Ja' sagen", formuliert es Annika Woydack, Pastorin in Altona.

Eine Taufe von einem Kind, bei dem beide Eltern nicht in der Kirche sind, sei rein kirchenrechtlich nicht möglich. "Möglich wird dies nur dann, wenn das Kind alt genug ist und von sich aus den Wunsch äußert, getauft zu werden. Spätestens mit 14 Jahren sind Kinder religionsmündig und können dann selbst über ihre Taufe entscheiden." Aktive Gemeindemitglieder müssten die Eltern hingegen nicht unbedingt sein: "Die Taufe ist für Eltern eine Möglichkeit, mit Kirche vielleicht das erste Mal seit langem wieder auf ,Tuchfühlung' zu gehen. Mit Kindern entdeckt man noch einmal neu die Welt – den Zauber und die Wunder." In der Regel wird vor der Taufe ein Gespräch mit den Eltern geführt, es kann ausreichend sein, wenn ein Elternteil in der Kirche ist.

Die Entscheidung, ob eine Taufe doch trotz fehlender Mitgliedschaft beider Elternteile möglich ist, wird allgemein von dem zuständigen Pastor/in in Rücksprache mit dem Propst/ der Pröpstin getroffen. "Im Zweifelsfall sehen wir als Kirche natürlich immer den konkreten Menschen, die konkrete Familie", erklärt Annika Woydack. "Von daher kann es aus seelsorgerlichen Gründen zu Entscheidungen kommen, die von der Regel abweichen."

Auch in der katholischen Kirche sollte mindestens ein Elternteil katholisch sein. Ist dies tatsächlich nicht der Fall, muss gewährleistet sein, dass das Kind katholisch erzogen wird. Pater Martin Löwenstein, Pfarrer des Kleinen Michel, formuliert seinen Anspruch an die Eltern wie folgt: "Die Eltern oder Erziehungsberechtigten müssen, wenn sie selbst keine Christen sind, gute Taufpaten finden, die das getaufte Kind in den Glauben und die Gemeinschaft der Kirche begleiten." Manchmal begegne er Menschen, die zwar als Erwachsene ein tiefes Vertrauen in Gott und ein sehr guten Verständnis des christlichen Glaubens hätten, aber selbst den Schritt (noch) nicht gemacht hätten, um die Taufe zu bitten. "Und manchmal treffe ich Eltern, die zwar selbst nicht getauft und in einer Kirche sind, aber spüren, dass das etwas sehr wichtiges für ihr Kind ist."

Das Patenamt

Bis ins 19. Jahrhundert fiel den Paten im Todesfall der Eltern die Sorgepflicht für die Patenkinder zu, dies ist heute nicht mehr der Fall. Auch stammen viele Paten nicht mehr aus der Familie – die Eltern entscheiden sich häufig für enge Freunde, meist sind es zwei, die Ansprechpartner für ihre Kinder sein sollen. Das Patenamt ist ein kirchliches Amt. Nach Idee der evangelischen Kirche sollen die Paten den Kindern nicht nur ihre Zeit schenken, sondern auch den christlichen Glauben vermitteln. Paten müssen konfirmiert und mindestens 14 Jahre alt sein.

"Wenn der Pate oder die Patin nicht in der Kirche ist, gehen wir davon aus, dass sie oder er wenige Verbindungen mit dem christlichen Glauben hat und deshalb diesen nicht weitergeben kann", formuliert es Annika Woydack. Dennoch gebe es Menschen, die enge Wegbegleiter für die Kinder sein sollen und die nicht in der Kirche sind. "Einige Gemeinden bieten dann die Möglichkeit an, dass diese Wegbegleiter sogenannte Taufzeugen und auch bei der Taufe dabei sein können." In einigen Landeskirchen muss zumindest ein Pate evangelisch sein oder zumindest einer anderen Kirche aus der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen angehören (Katholik).

In der katholischen Kirche gilt folgendes: Für die Taufe ist ein Pate nicht zwingend erforderlich. Wenn es einen Paten geben soll, muss dieser katholisch oder orthodox und mindestens 16 Jahre alt sein. Nur wenn es einen katholischen oder orthodoxen Paten gibt, kann ein evangelischer Christ Taufzeuge sein. Um die Aufgabe der Paten zu beschreiben, zitiert Pater Martin Löwenstein die katholische Taufliturgie: "Sie sollen Ihr Patenkind auf dem Lebensweg begleiten, es im Glauben mittragen und es hinführen zu einem Leben in der Gemeinschaft der Kirche. Sind Sie bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und damit die Eltern zu unterstützen?" In der evangelischen Kirche endet das Patenamt formal nach der Konfirmation. In der katholischen Kirche kann die Patenschaft bei der Firmung erneuert werden.

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