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Konfirmation

Foto: Hendrik Jonas

Zum Erwachsenwerden gehört für viele auch die Frage, ob sie sich konfirmieren lassen wollen oder nicht. Für die Taufe haben sich damals die Eltern entschieden, im Alter von etwa 12 Jahren ist es Sache der Jugendlichen zu überlegen, ob sie vollwertiges Kirchenmitlied werden möchten. Was bedeutet die Konfirmation eigentlich? Für die Kirche? Die Familie? Die Freunde? Und vor allem: für einen selbst?

Bedeutung

Der Begriff Konfirmation leitet sich vom lateinischen Wort "confirmatio" ab, was so viel bedeutet wie Befestigung oder Bekräftigung. Die Konfirmation, die traditionell im Frühjahr gefeiert wird, hat eine fast 500-jährige Tradition. Im "Kirchen-ABC" der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Hamburg ist nachzulesen, dass der elsässische Reformator Martin Bucer (1491-1551) als Vater der Konfirmation gilt. In ganz Deutschland sei diese erst seit dem 19. Jahrhundert üblich.

Im Grunde handelt es sich bei der Konfirmation um das Ja-Wort zur Taufe, d.h. die jungen Erwachsenen bestätigen noch einmal selbst ihren Glaube und die Zugehörigkeit zur Kirche. Bei der Taufe hatten dies ja stellvertretend Eltern und Paten übernommen. Die Konfirmation hat auch formale Konsequenzen: die Jugendlichen sind danach vollwertiges Kirchenmitglied und können nicht nur am Abendmahl teilnehmen, sondern etwa auch selbst Taufpate werden. Außerdem haben sie fortan eine Mitspracherecht in der Gemeindeversammlung. Was das passive bzw. aktive Wahlrecht zur Kirchenvorstandswahl angeht, so ist dieses in der Nordelbischen Kirche an das 16 bzw. 18 Lebensjahr geknüpft.

Wann wird man Konfirmand?

Üblicherweise bekommen die Kinder einen Brief bzw. eine Einladung zum Konfirmandenunterricht, von denen die Kirchengemeinde vor Ort dadurch Kenntnis hat, dass die Eltern Kirchenmitglied sind oder weil das Kind getauft ist. "Natürlich können sich auch die Kinder oder deren Eltern melden, die nicht angeschrieben wurden", sagt die Altonaer Pastorin Annika Woydack. "Wir freuen uns über jeden und jede, die etwas über Glauben und Kirche herausfinden möchte." In der Regel fänden die Anmeldungen zum Konfirmandenunterricht immer vor den Sommerferien statt. "Die Kinder sollten dann möglichst 12 sein, sodass sie bei der Konfirmation – unter der Voraussetzung, dass der Unterricht zwei Jahre geht - 14 Jahre alt sind und damit religionsmündig." Im sogenannten Kindererziehungsgesetz steht: "Nach der Vollendung des vierzehnten Lebensjahrs steht dem Kind die Entscheidung darüber zu, zu welchem religiösen Bekenntnis es sich halten will." (§5, KErzG)

Konfirmandenunterricht

Im Konfirmandenunterricht, der im Rahmen von regelmäßigem Unterricht, Projekten und Wochenendfreizeiten durchgeführt wird, beschäftigen sich die Jugendlichen nicht nur mit den Grundlagen des evangelischen Glaubens und des kirchlichen Lebens, sondern auch mit allgemeinen Glaubensfragen und ihrem eigenen Lebensweg. "Die Jugendlichen sind in einem sehr spannenden Alter, da ist so viel Potenzial zum Fragen, zum Ergründen, oder auch einfach nur, um gemeinsam Zeit zu verbringen", sagt Annika Woydack, Pastorin in Altona. Wo der "Konfer" oder "Konfus" stattfindet, lässt sich beim zuständigen Pastorat erfragen.

In der Nordelbischen Kirche umfasst der Konfirmandenunterricht offiziell 60 Unterrichtsstunden, die meist auf einen längeren Zeitraum verteilt sind. Wie flexibel die Modelle sein können, erzählt Annika Woydack: "Einige Gemeinden haben immer noch den zweijährigen Konfirmandenunterricht, einmal wöchentlich für eine gute Stunde. Andere Gemeinden sehen ein Unterrichtsjahr in der Grundschule und dann ein weiteres Jahr vor der Konfirmation vor. Wieder andere setzen auf ein einjähriges Kompaktmodell – meist mit einer längeren Freizeit." In ihrer eigenen Gemeinde sei es üblich, den Jugendlichen einmal monatlich an einem Tag am Wochenende sowie auf Freizeiten Wissen über Bibel, 10 Gebote, Gebete, das Glaubensbekenntnis und noch viele weitere wichtige Punkte zu vermitteln. Abschluss ist der Konfirmationsgottesdienst, der meist in der Zeit zwischen Palmsonntag und Pfingsten stattfindet. Lange besonders beliebt als Termin: der erste Sonntag nach Ostern, der sogenannte Weiße Sonntag.

Eine klassische Prüfung, wie sie früher üblich war, gebe es laut Pastorin Annika Woydack heute meistens nicht mehr."Von meinen Konfirmanden und Konfirmandinnen erwarte ich aber dennoch, dass sie das Vaterunser, den Psalm 23 und das Glaubensbekenntnis auswendig können", sagt sie. "Ich finde das deshalb wichtig, weil die Texte so viele behütende Bilder – wie zum Beispiel das Bild vom Guten Hirten - transportieren. Und vielleicht braucht es einmal im Leben solche Bilder, die trösten können."

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