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Pflege

Foto: Hendrik Jonas

So lange man nicht auf fremde Hilfe angewiesen ist, mag kaum einer über das Thema Pflege nachdenken. Doch wann gilt man offiziell als pflegebedürftig? Wie wird dies überprüft? Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Wann gilt man als pflegebedürftig?

Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen kann ein Versicherter, der nach § 14 und 15 Sozialgesetzbuch (SGB XI) als pflegebedürftig gilt. "Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen." (§14) Dort ist auch geregelt, was unter "Krankheit" und "Behinderung" sowie unter "Hilfe" zu verstehen ist.

Pflegestufen

Innerhalb der gesetzlichen Pflegeversicherung wird in Pflegestufen unterschieden, d.h. es muss jeweils im Einzelfall durch die Pflegekasse geprüft werden, wie stark die Pflegebedürftigkeit ist – danach bemisst sich dann die Höhe der Leistungen. Das Bundesgesundheitsministerium definiert wie folgt:

Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Erhebliche Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn mindestens einmal täglich ein Hilfebedarf bei mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) erforderlich ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen, wobei auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen müssen.

Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit

Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten ein Hilfebedarf bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) erforderlich ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Hilfebedarf bei der Grundpflege so groß ist, dass er jederzeit gegeben ist und Tag und Nacht (rund um die Uhr) anfällt. Zusätzlich muss die pflegebedürftige Person mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) mindestens vier Stunden entfallen müssen.

Härtefallregelung

Höhere Leistungen im Sinne der Härtefallregelung können in Anspruch genommen werden, wenn die Pflegestufe III erreicht und ein ungewöhnlich hoher und intensiver Pflegeaufwand vorliegt. Zusätzlich muss bei der hauswirtschaftlichen Versorgung ständig Hilfe nötig sein.

Pflegestufe 0

Darunter fallen Menschen, die zwar (noch) nicht die Voraussetzungen für die Pflegestufe I erfüllen, die jedoch einen gewissen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung haben, weil etwa eine demenzielle Erkrankung vorliegt ("eingeschränkte Alltagskompetenz"). Deshalb können sie Pflegegeld und ergänzende Leistungen beziehen.

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