Leben in Hamburg
Eine Internetseite für Ihre wichtigsten Lebensereignisse
Leben in Hamburg

Geburt

Foto: Hendrik Jonas

Kranken- oder Geburtshaus? Ist ein Vorbereitungskurs sinnvoll? Und was genau ist eine Beleghebamme? Das sollten Sie wissen, wenn Sie auf die Geburt Ihres Babys warten.

Welche Geburtskliniken gibt es?

Wer sein Baby in Hamburg in einem Krankenhaus bekommen möchte, hat die Wahl zwischen zwölf Einrichtungen. Bei der Entscheidung für ein Krankenhaus spielen viele Faktoren eine Rolle. Wie weit liegt dieses entfernt? Gibt es dort Familienzimmer? Und befindet sich dort – für den Notfall – auch eine Intensivstation?

Als Maßnahme der Qualitätssicherung hat der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein Stufenkonzept erstellt und Anforderungen an die versorgenden Krankenhäuser definiert. Diesem Versorgungskonzept liegen vier Stufen zugrunde, denen sich auch die Hamburger Krankenhäuser zuordnen lassen.

Perinatalzentrum Level 1: Hier können Früh- und Neugeborene mit dem höchsten Risiko versorgt werden. Voraussetzung ist etwa, dass sich Entbindungsbereich, OP und neonatologische Intensivstation in einem Gebäude oder miteinander verbundenen Gebäuden befinden. Im neonatologischen Intensivbereich muss ständig ein Arzt präsent sein.

Diese Voraussetzungen erfüllen: Asklepios Klinik Barmbek, Asklepios Klinik Altona, Asklepios Klinik Nord Heidberg, Katholisches Marienkrankenhaus, Universitätsklinikum Eppendorf

Perinatalzentrum Level 2: Das Perinatalzentrum Level 2 unterscheidet sich vom Perinatalzentrum Level 1 im Wesentlichen durch die Größe (geringere Anzahl an Intensivtherapieplätzen). Wie im Perinatalzentrum Level 1 befinden sich Entbindungsbereich, OP und neonatologische Intensivstation in einem Gebäude oder miteinander verbundenen Gebäuden. Die permanente Arztpräsenz im neonatologischen Intensivbereich darf auch über Bereitschaftsdienst sichergestellt sein (keine Rufbereitschaft).

Diese Voraussetzungen erfüllen: Albertinen Krankenhaus, Helios Mariahilf Klinik

Perinataler Schwerpunkt: Entbindungsbereich von Krankenhäusern mit eigener oder kooperierender Kinderklinik. Plötzlich auftretende, unerwartete neonatologische Notfälle müssen adäquat versorgt werden können. Ein Arzt der Kinderklinik muss im Notfall innerhalb von zehn Minuten im Kreißsaal und der Neugeborenenstation sein können.

Diese Voraussetzungen erfüllt: Asklepios Klinik Wandsbek

Geburtsklinik: Geburtsklinik ohne Kinderklinik oder mit einer Kinderklinik, welche nicht die für den Perinatalen Schwerpunkt definierten Anforderungen erfüllt.

Diese Voraussetzungen erfüllen: Agaplesion Diakonieklinikum, Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus, Bethesda Krankenhaus Bergedorf, Asklepios Klinik Harburg

Es ist durchaus ratsam, sich mehrere Kliniken oder Geburtshäuser anzuschauen, bevor man sich bei einem für die Geburt anmeldet. In der Regel werden regelmäßig entsprechende Informationsveranstaltungen mit Führung angeboten, bei denen das Fachpersonal Auskunft über alle wichtigen Fragen gibt (technische und personelle Ausstattung, Zahl der natürlichen Geburten/Kaiserschnitte etc.). Bei der Anmeldung im Krankenhaus wird dann noch einmal ein ausführliches Gespräch geführt, in dem auch über die Wünsche der Schwangeren für die Geburt gesprochen wird. Vielen Schwangeren ist es auch wichtig, dass nach der Geburt die Möglichkeit besteht, zusammen mit dem Partner in einem Familienzimmer zu übernachten.

Fragen Sie ruhig auch nach, ob eine Vorsorgeuntersuchung in der Klinik vorgesehen ist, bei der Sie schon einmal das Personal kennenlernen. Abgesehen von allen medizinischen Gesichtspunkten und praktischen Erwägungen hat die Wahl der Klinik viel mit dem eigenen Bauchgefühl zu tun.

Adressen:

Alternative zur Klinik: Geburtshaus

Das Geburtshaus Hamburg in Ottensen versteht sich als Ergänzung zum übrigen geburtshilflichen Angebot und spricht Frauen, Paare und Familien an, "die ihre Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach bewusst und eigenverantwortlich erleben möchten". Rund 150 Geburten finden jährlich im Geburtshaus statt. Man geht davon aus, dass eine Frau selbst gebären kann und nicht entbunden werden muss, es geht also um möglichst natürliche Geburtshilfe, die in persönlicher Atmosphäre von Hebammen geleistet wird. "Im Geburtshaus Hamburg kommen die Kinder in den meisten Fällen in aufrechter Position z.B. auf dem Gebärhocker oder in der Gebärwanne zur Welt", sagt Geschäftsführerin Britta Höpermann. Drei bis vier Stunden nach der Geburt gehen die Eltern schon wieder nach Hause.

Die Vorbereitung auf die Geburt beginnt im Geburtshaus schon mit Gesprächen und Untersuchungen in der frühen Schwangerschaft. Britta Höpermann empfiehlt einen frühen Besuch des Informationsabends mit einer entsprechenden Vormerkung auf der Anmeldeliste bereits im vierten Schwangerschaftsmonat. "Die Geburtsvorbereitungskurse beginnen dann etwa um die 30. Schwangerschaftswoche."

Was die Kosten angeht, so entstehen welche für die Rufbereitschaft – die Höhe ist abhängig von der Krankenversicherung.

Möglicherweise interessiert sich eine Frau mit unproblematischer Schwangerschaft auch für das Thema Hausgeburt. Alle Informationen unter: www.hausgeburten-hamburg.de

Kaiserschnitt

Unter dem Kaiserschnitt (lat. Sectio caesarea) versteht man eine operative Methode, ein Baby auf die Welt zu holen. Dieses nimmt dabei nicht den natürlichen Geburtsweg, sondern wird mittels Bauchschnitt aus der Gebärmutter geholt. Bei den Krankenhausentbindungen 2012 lag der Anteil von Kaiserschnitt-Geburten in HH laut Statistischem Bundesamt bei 26,6 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken (2011: 29,2 %). Tatsächlich ist 2012 erstmals seit 1991 der Anteil der Frauen zurückgegangen, die in Deutschland per Kaiserschnitt entbunden haben. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes brachten 31,7 % der insgesamt 653 215 im Krankenhaus entbundenen Frauen ihre Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Damit ist der Anteil der Kaiserschnittgeburten gegenüber dem Vorjahr (32,1 %) um 0,4 Prozentpunkte gesunken. Von 1991 (15,3 %) bis 2011 war der Anteil der Kaiserschnittentbindungen an den Krankenhausentbindungen stetig gestiegen.

"Der totale Wunschkaiserschnitt ist wirklich selten", sagt Prof. Kurt Hecher, Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Schließlich handele es sich um eine Operation, die auch auf den Verlauf zukünftiger Schwangerschaften Auswirkungen haben könnte. "Grundsätzlich führen wir einen Kaiserschnitt nur auf medizinische Indikation hin durch." Eine Ausnahme seien Fälle, in denen die Schwangere begründet mehr Angst vor der Geburt habe, "etwa weil sie beim ersten Mal schlechte Erfahrungen gemacht hat oder Erfahrungsberichte von traumatischen Erlebnissen gehört hat". Dies sind Dinge, die im Rahmen des persönlichen Gespräches thematisiert werden müssen, das mit der Anmeldung zur Geburt einhergeht.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.