27.03.08

Kniegelenk

Teil 3: Die OP wird möglichst lange hinausgeschoben

Denn die Knie-Prothesen halten nur 15 bis 20 Jahre. Dann müssen sie gewechselt werden. Grund für den Ersatz ist meist eine Arthrose. Dann reibt Knochen auf Knochen und jeder Schritt schmerzt.

Das Knie ist eines der tragenden Gelenke unseres Körpers und muss ständig großen Belastungen standhalten. Das bleibt nicht ohne Folgen. Es gehört zu den Gelenken, an denen sich am häufigsten Verschleißerscheinungen entwickeln. Bei dieser sogenannten Arthrose wird die Knorpelschicht im Gelenk immer dünner, bis schließlich Knochen auf Knochen reibt und jeder Schritt mit Schmerzen verbunden ist. "Eine Arthrose ist die häufigste Ursache dafür, dass jemand ein künstliches Kniegelenk benötigt", sagt Dr. Jan-Hauke Jens, Chefarzt des Zentrums für Endoprothetik am Klinikum Eilbek.

Eine solche Operation wird immer dann in Erwägung gezogen, wenn durch die Behandlung mit Schmerzmitteln, Injektionen und Krankengymnastik die Kniebeschwerden nicht mehr gelindert werden können. "Wir fragen die Patienten, ob sie unter Schmerzen leiden, keine Strecke mehr schmerzfrei gehen können und Ruhe- oder Nachtschmerzen haben. Wenn sie alle Fragen mit Ja beantworten, würde man eine Knieprothese implantieren", sagt Jens. Dass der Zeitpunkt für eine solche Operation möglichst lange hinausgeschoben wird, hat seinen Grund: Denn die Endoprothesen halten nicht ewig, sondern müssen nach 15 bis 20 Jahren gewechselt werden. "Aber natürlich bekommen auch Patienten schon im Alter von 50 Jahren ein künstliches Kniegelenk, wenn sie es benötigen", betont Dr. Frank Lampe, ebenfalls Chefarzt am Zentrum für Endoprothetik.

Damit die Endoprothese später problemlos gewechselt werden kann, versucht man bei der ersten Operation, so viel Knochen wie möglich zu erhalten. Deswegen setzen die Orthopäden möglichst nur einen Oberflächenersatz ein. "Der eine Teil der Endoprothese wird wie eine Überkronung auf den Oberschenkel gesetzt, der andere bildet die Gelenkfläche auf dem Unterschenkel. Dazwischen wird ein Puffer aus Polyäthylen implantiert", erklärt Jens. Eine solche sogenannte Schlittenprothese kann auch nur auf einer Seite des Kniegelenks eingesetzt werden. "Dann ersetzt man zum Beispiel das Gelenk nur an der Innenseite des Knies", so Jens.

Der Einsatz einer Schlittenprothese dauert 45 Minuten bis eine Stunde. Danach muss der Patient noch acht bis zwölf Tage im Krankenhaus bleiben und geht dann für weitere drei Wochen in eine Rehabehandlung. "Die Patienten können bereits am ersten Tag nach der Operation wieder aufstehen. Die normale Gehfähigkeit und Alltagsbelastbarkeit sind nach der Reha erreicht. Es dauert aber drei bis sechs Monate, bis sich das Knie wieder komplett erholt hat und die Patienten wieder Sport treiben können", sagt Lampe.

Sportarten, die für Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk gut geeignet sind, sind Fahrradfahren, Joggen mit gutem Schuhwerk und Schwimmen. Ungünstig hingegen seien alle Sportarten, die mit extremen Beschleunigungs- und Abstoppbewegungen verbunden sind, wie etwa Fußball oder Tennis, so Lampe.

Wie jeder andere operative Eingriff hat auch eine solche Operation bestimmte Risiken, wie zum Beispiel eine Wundinfektion oder eine Thrombose. "Eine weitere Komplikation, speziell beim Kniegelenksersatz, ist eine Achsenfehlstellung", erklärt Jens. Wird die Prothese nicht exakt der Beinachse entsprechend eingebaut, kann sie sich frühzeitig lockern: Der Patient bekommt Schmerzen, das Gelenk wird instabil.

Um dem entgegenzuwirken, arbeiten die Orthopäden in Eilbek mit einem Navigationssystem: "Dabei werden mit einer Infrarotkamera Signale von Infrarotsendern auf Instrumenten und speziellen Vorrichtungen erfasst, die am Knochen des Patienten angebracht sind. Damit können wir das Gelenk exakt vermessen und die Endoprothese danach ausrichten und auf Grad und Millimeter genau einbauen", sagt Lampe, der dieses Verfahren bei fast allen Patienten anwendet, bei denen er ein künstliches Kniegelenk einsetzt.

Wichtig ist auch die richtige Größe des Implantats. "Die Endoprothese muss für jeden Patienten individuell angepasst werden", betont Jens.

Denn das Ziel ist, dass der Patient später das neue Gelenk nicht mehr spürt. "Das bedeutet Schmerzfreiheit, gute Funktion und hohe Belastbarkeit in Freizeit und Beruf", so Lampe.

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