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Gesundheit

Teil 29: Geburtshilfe

Notsituation in zehn bis 20 Prozent der Fälle

In der Asklepios-Klinik Barmbek kommen jährlich mehr als 2500 Kinder zur Welt. Damit gehört das Krankenhaus zu den Top-Geburtskliniken.

Während der Schwangerschaft dreht sich das Kind immer wieder im Mutterleib. Bei der Geburt liegt es dann normalerweise so, dass zuerst der Kopf in den Geburtskanal eintritt.
Foto: RIEDIGER/mi

Es gibt nur ein medizinisches Fachgebiet, auf das die folgende Beschreibung zutrifft: "Unsere Patientinnen sind gewöhnlich nicht krank", sagt Prof. Dr. Bernhard-Joachim Hackelöer. Sie sind "nur" schwanger. Die Mehrzahl von ihnen bringt ihre Kinder problemlos zur Welt. Doch nicht nur für die vorher bekannten Risikofälle, sondern für die zehn bis 20 Prozent, bei denen plötzlich ohne Vorwarnung eine Notsituation auftritt, ist ein gut eingespieltes Team von Geburtsspezialisten (Geburtshelfer und Kinderärzte) erforderlich: "Und das muss auch abends um zehn oder nachts um drei einsatzbereit sein", sagt Hackelöer, der Chef der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin (Vorgeburtsmedizin) der Asklepios-Klinik (AK) Barmbek. Hier kommen jedes Jahr mehr als 2500 Kinder zur Welt. Damit gehört die Klinik zu den Top-Geburtskliniken in Hamburg und in Deutschland.

Im Notfall kommt es auf jede Minute an. Ein typischer Fall: Die Herztöne des Ungeborenen fallen ab, die Nabelschnur hat sich um den Hals geschlungen, das Kind leidet unter Sauerstoffnot. Die Entscheidung des Arztes: "Eiliger Kaiserschnitt."

Sofort wird das OP-Team über "Pieper" alarmiert. Von dieser Entscheidung bis zur Entbindung dürfen laut Richtlinien nicht mehr als 15 bis 20 Minuten vergehen. "Bei uns liegt dieser Wert konstant unter zehn Minuten", sagt Hackelöer, "meist schaffen wir das sogar in fünf bis sechs Minuten."

Und natürlich stehen auch Kinderärzte bereit. Eine Geburtsmedizin ohne angeschlossene Kinderabteilung sei "heute nicht mehr akzeptabel", sagt Hackelöer, das Ziel im Blick, für jeden Notfall die geeigneten Arztkollegen zu haben. Ohne Kinderabteilung müssen zum Beispiel zu früh Geborene erst in eine Spezialeinrichtung transportiert werden, "ein vermeidbares Risiko", so Hackelöer.

Andere Risiken sind mit den modernen Methoden der vorgeburtlichen Kontrolle gut abschätzbar. Vor allem die Entwicklung des Ultraschalls "hat Licht ins Dunkel gebracht", sagt Hackelöer, der vor 30 Jahren bei dem Begründer der Ultraschalldiagnostik in der Geburtshilfe, Prof. Dr. Ian Donald, in Glasgow gelernt hat. Hackelöer plädierte damals in Deutschland dafür, diesen noch nicht vorhandenen Standard-Check als Kassenleistung zu etablieren. Ab Januar 1980 wurde die Ultraschalluntersuchung dann in der Mutterschaftsvorsorge in Deutschland weltweit erstmals routinemäßig eingeführt, damals noch vorrangig, um Mehrlingsgeburten zu erkennen und den Zeitpunkt der Schwangerschaft und damit den voraussichtlichen Geburtstermin genauer bestimmen zu können. Heute lassen Ultraschallbilder zielgenaue Diagnosen zu und ermöglichen Eingriffe wie lebensrettende Operationen am Kind noch im Mutterleib.

Die Geburtshilfe unterliegt auch medizinischen Trends: Mal mehr oder weniger gefragt sind Geburten in Hockstellung oder unter Wasser im Wannenbad, mit begleitender Akupunktur oder Entspannungsstimulation über Tonfolgen per Kopfhörer.

Die Kaiserschnitt-Geburten, seit Jahrzehnten im Aufwärtstrend, haben sich bundesweit auf einen 30-Prozent-Anteil eingependelt, auch in Barmbek. Im vergangenen Jahr gingen sie hier um zwei Prozentpunkte zurück, für Hackelöer ein Beleg, "dass die Entscheidung sehr bewusst getroffen wird". Die Bezeichnung "Wunsch-Kaiserschnitt" nennt er "völlig verfehlt", denn keine Frau wünsche sich einen Kaiserschnitt, der Wunsch richte sich vielmehr auf eine "möglichst schonende und sichere Geburt".

Wissenschaftliche Studien haben andere medizinische Prozeduren inzwischen als wirkungslos entlarvt. Dammschnitte als Routinemethode lehnt Hackelöer deshalb ab. Es gebe keinen Nachweis, dass der Schnitt für Mutter oder Kind vorteilhafter sei als ein in Kauf genommener Dammriss. Ein Klistier hält er nur für sinnvoll, wenn der Darm sehr voll sei. Und der Einsatz von wehenhemmenden Mitteln über lange Zeit, um die Geburt noch ein paar Tage hinauszuzögern, brächten dem Kind keinen in Studien nachgewiesenen Überlebensvorteil.

Hackelöer, selbst Vater von vier erwachsenen Kindern, sieht sich zwar als "Fan von Hightech in der Medizin", will jedoch die Beziehung zur Natur dadurch nicht aus dem Blick verlieren. So gibt es in Barmbek auch einen rein hebammengeleiteten Kreißsaal. Und im Notfall? Dann sind die Ärzte nicht weit.

 

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