21.08.12

Studie

Ohne Kennzeichnung: Fleischwirte füttern Gensoja

Die genetisch veränderten Sojaprodukte landen laut WWF-Studie über Eier- und Fleischproduktion unbemerkt auf dem Verbraucher-Teller.

Foto: picture alliance / dpa/dpa
Schweinehaltung
Laut WWF-Studie soll über fast alle Schweinefleisch- und Eiprodukte aus konventioneller Haltung genverändertes Soja auf dem Teller landen

Berlin. Nahezu alle Hühner und Schweine in der konventionellen Eier- und Fleischproduktion in Deutschland werden mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation WWF, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. "Gentechnik landet mit Fleisch, Eiern oder Käse auf unseren Tellern, ohne dass wir es wissen. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch verändertem Futtermittel gefüttert werden, müssen nämlich bisher nicht gekennzeichnet werden", warnte WWF-Referentin Birgit Wilhelm.

Deswegen fordert der WWF, um dem Kunden Wahlfreiheit zu ermöglichen, eine Kennzeichnungspflicht für alle tierischen Produkte - von Fleisch und Wurst bis hin zu Eiernudeln. Wilhelm ist sich sicher, dass eine solche Kennzeichnung die Konsumenten sensibilisieren würde. Außerdem sei die jetzige Regelung unsinnig: während der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen zurecht in der gesamten EU untersagt sei, müsse Fleisch aus gentechnisch gefütterten Tieren nicht gekennzeichnet werden. "Europa hat sich klar entschieden: Der Verbraucher will keine Gentechnik", sagte Wilhelm der Nachrichtenagentur dapd. Überhaupt rät der WWF den Konsumenten, weniger, aber dafür besseres Fleisch zu essen.

+++Großteil der Eier nicht frei von Gentechnik+++

+++So erkennen Sie Produkte ohne Gentechnik+++

Den Fleischwirten schlägt der WWF vor, auf nur geringfügig teureres gentechnikfreies Soja oder auf einheimisches Futter – wie Ackerbohnen oder Erbsen – zurückzugreifen. Die Ausrede, dass gentechnikfreies Soja nicht im ausreichenden Umfang verfügbar sei, ließ Wilhelm nicht gelten, nach der WWF-Studie halte der Weltmarkt die benötigte Menge bereit. "Die Käufer müssen lediglich größere Mengen gentechnikfreie Ware bestellen. Dann werden auch wieder größere Mengen gentechnikfreies Soja angebaut", sagte Wilhelm.

Angesprochen auf die steigende Fleisch- und Futtermittelnachfrage in den Schwellenländern sagte Wilhelm: "Auch wenn wir im Verhältnis zu anderen aufstrebenden Ländern immer weniger importieren, ist Europa immer noch ein großer Abnehmer – groß genug, um das Anbauverhalten dauerhaft zu beeinflussen. Europa muss vorangehen, irgendwo muss es ja anfangen."

Es sei ökologisch unverantwortlich, in riesigen Monokulturen Sojabohnen anzubauen, erst recht, wenn diese mittels Gentechnik resistent gegen Totalherbizide seien, erklärte Wilhelm. Totalherbizide sind Unkrautbekämpfungsmittel, die gegen alle grünen Pflanzen wirken. Die Folgen für das Ökosystem seien unübersehbar.

Wilhelm veranschaulicht die Gefahr anhand des Beispiels von Antibiotika: würden diese zu häufig eingesetzt, mutierten die Bakterien und seien irgendwann nicht mehr kontrollierbar. Hier habe die Menschheit begriffen, dass der inflationäre Einsatz gefährlich sei. Genauso verhalte es sich aber auch mit Pflanzen. Außerdem würden durch Totalherbizide viele regionale Arten unwiederbringlich ausgerottet, wodurch das Ökosystem ebenfalls ins Ungleichgewicht gebracht würde.

WWF-Schätzungen zufolge sind über 80 Prozent der rund 4,5 Millionen Tonnen Soja für den deutschen Markt aus gentechnisch veränderten Bohnen. Sojaöl und -schrot würden aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts massenhaft in der Fleischproduktion eingesetzt und dafür vor allem aus den USA, Argentinien und Brasilien importiert. (dapd)

Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB)
DIOXINE wurden spätesten seit dem Unglück von Seveso 1976 als starke Gifte in der Chemieproduktion weltweit bekannt.
Es gibt jedoch insgesamt über 200 verschiedene Dioxine und im Sprachgebrauch meist dazu zählende Furane, deren Gesundheitsgefahr unterschiedlich hoch ist.
Oft liegen mehrere Dioxine gemeinsam in einem Gemisch vor.
Zu den Vergiftungssymptomen zählen Chlorakne, Verdauungs- und Nervenstörungen sowie Gelenkschmerzen.
Das Krebsrisiko von Dioxinen ist umstritten.
Der Mensch nimmt nach Angaben des Umweltbundesamtes (Uba) 90 bis 95 Prozent der Dioxine über die Nahrung auf, vor allem mit Fleisch und Milchprodukten.
Dioxine entstehen bei der Verbrennung verschiedener Stoffe, wenn Chlor anwesend ist – etwa auch bei Waldbränden und Vulkanausbrüchen.
Ihr Grundgerüst besteht aus Kohlenstoffringen, an die Chloratome gebunden sind.
POLYCHLORIERTE BIPHENYLE (PCB) sind ähnlich aufgebaut wie Dioxine.
Auch die insgesamt 209 PCB sind unterschiedlich giftig.
12 davon werden als dioxinähnliche-PCB bezeichnet, da sie diesen von ihrer Struktur her besonders nah sind. PCB wurden etwa für flammfeste Isolierflüssigkeiten, Hydrauliköle, Lacke, Dichtungen und Kunststoffe verwendet.
In Deutschland sind PCB nach Uba-Angaben seit 1989 verboten, ihre Entsorgung sei jedoch weltweit ein Problem.
Eine akute PCB-Vergiftung ist selten. Längerfristig können sie ähnliche Erkrankungen auslösen wie die Dioxine, führen in der Regel jedoch zu schwächeren Symptomen. Sie sind ebenfalls in der Muttermilch nachweisbar.
Quelle: dpa
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Denkt über ein Engagement in Hamburg nach: Jörg Schmadtke
12:08HSV-Sportdirektor
Schmadtke interessiert: "Wäre eine tolle Herausforderung"

"Innerhalb der nächsten 14 Tage wird eine Entscheidung fallen. In der jetzigen Phase braucht der Club Planungssicherheit", sagte Schmadtke. Aufsichtsrat tagt am Sonntagnachmittag wieder. mehr...


Joshua Redman und sein Quartett spielen am Sonnabend gegen das Finale der Champions League an
11:04Elbjazz Festival
Ein Wochenende Jazz in Hamburg, stärker denn je

Von Joshua Redman über Jamie Cullum und Chilly Gonzales bis hin zu vielen regionalen, nationalen und internationalen Geheimtipps brilliert das Elbjazz Festival programmatisch. mehr...


Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine, heute Linke-Fraktionschef im saarländischen Landtag, wünscht seiner früheren Partei die Rückkehr zu alten Werten
Aktualisiert vor 27 MinutenParteijubiläum
Lafontaines vergifteter Glückwunsch an die SPD

Zum 150. SPD-Jubiläum preisen CSU-Chef Seehofer und Kanzlerin Merkel den politischen Gegner. Auch der Ex-SPD-Vorsitzende und heutige Linke-Politiker Oskar Lafontaine meldet sich zu Wort. mehr...

Bahn frei! - Sonderrechte im Straßenverkehr
09:41Lerchenstieg
17-Jährige in Schanzenviertel vergewaltigt - Fahndung

Die Polizei ermittelt nun gegen einen etwa 25-jährigen Mann, der das junge Mädchen am frühen Pfingstmontag nahe dem Schanzenviertel missbraucht haben soll. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Berlin
So wenige Drogentote wie seit 25 Jahren nicht mehr

In Deutschland gibt es immer weniger Drogentote. Laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, sind die Zahlen auf…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Neu im Kino

Die Filmstarts am 23. Mai

Offiziell eingeweiht

Bildungszentrum in Wilhelmsburg eröffnet

Hamburg

Starkregen verursacht zahlreiche Schäden

USA

Monster-Tornado in Oklahoma

tb_meravis.gif
Meravis

Neuer Raum für Hamburgmehr

Highlights