17.08.12

Schnarchen kann lebensgefährlich sein

Darunter leiden viele Paare: Der Partner schnarcht nachts und das nervt. Dass Schnarchen richtig gefährlich sein kann, wissen nur wenige.

Köln/Mannheim. Mehr als genervt lauscht die Frau dem nächtlichen Schnarchen ihres Mannes. Dann bricht das Geräusch abrupt ab, plötzlich ist es totenstill, denn auch die Atmung hat ausgesetzt. Erst nach einem unendlich lang anmutenden Moment schnappt der Mann wie ein Ertrinkender wieder nach Luft. Dann schläft er weiter, und für einige erlösende Minuten hört man nur das normale Atemholen. Nach wenigen Minuten aber fängt er wieder an zu schnarchen, und alles geht von vorne los. Diese nächtliche Folter kennen viele. Der Fachbegriff lautet obstruktive Schlafapnoe (OSA).

Etwa 840.000 Frauen und 1,5 Millionen Männer zwischen 30 und 60 Jahren haben gefährliche Atemaussetzer im Schlaf. "Ab 70 Jahren sind sogar 80 Prozent der Männer betroffen", sagt Karl Hörmann, der die Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Uniklinikum Mannheim leitet. "Einer meiner Patienten hat 80 Atemaussetzer pro Stunde", erzählt er. Die Sauerstoffsättigung im Blut liege bei ihm bei nur 55 Prozent. Das sei sehr bedenklich: "Wenn bei einer Narkose im OP die Sättigung unter 90 Prozent fällt, geht schon der Alarm los", sagt Hörmann.

Zwar muss man als Betroffener keine Angst haben, nachts im Schlaf zu ersticken. Denn wenn der Körper registriert, dass der Sauerstoffgehalt im Blut absinkt, löst das Gehirn einen Alarm aus: Puls und Herzfrequenz steigen und der Patient wacht auf, um Luft zu holen. Doch das Erwachen erfolgt oft nicht vollständig, so dass der Betroffene die Alarmreaktionen gar nicht wahrnimmt. Er schläft weiter bis zum nächsten Atemstillstand.

Die Folge der Aufweckreaktionen ist ein nicht erholsamer Schlaf, was oft zu Unkonzentriertheit, Kopfschmerzen und einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit führt. Kristina Schmidt von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik an der Uni Köln erläutert: "Ein Patient mit einer schweren OSA stellt ein Risiko dar. Stellen Sie sich vor, Ihr Busfahrer schläft am Steuer ein."

Die Patienten sind zudem akut gesundheitsgefährdet. Denn die während der Alarmreaktionen ständig gesteigerten Körperfunktionen wie Puls und Herzfrequenz führen oft zu chronischem Bluthochdruck, wodurch das Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzanfall zu erleiden, deutlich höher ist: "Bei einem unbehandelten Schlaf-Apnoe-Syndrom ist die Wahrscheinlichkeit, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben, um ein Vierfaches erhöht", sagt Schmidt.

Wer nachts laut schnarcht und tagsüber ständig müde und unkonzentriert ist, sollte seinen Arzt aufsuchen, raten die Experten. Denn die obstruktive Schlafapnoe lässt sich behandeln. Vielen Betroffenen ist damit geholfen, nachts eine Schlafmaske zu tragen. Beim sogenannten CPAP-Gerät (Continuous Positive Airway Pressure) schnallt sich der Patient eine kleine Maske um, die die Nase abdeckt und die an ein Gebläse angeschlossen ist. Damit wird ein leichter Überdruck erzeugt, der verhindert, dass die Atemwege nachts zusammenfallen, wodurch die Atemaussetzer zustande kommen. Das Gerät verhindert auch das lästige Schnarchen.

Natürlich sei so eine Maske nicht wirklich attraktiv, gibt Kristina Schmidt zu. "Aber die meisten der Betroffenen sind schwer krank und können mit dem Gerät das erste Mal seit vielen Jahren wieder durchschlafen."

Für Karl Hörmann ist das CPAP-Gerät der "Goldstandard in der Behandlung": "Für die meisten Patienten ist das die beste Lösung", sagt er. Denn operativ kann nur einem kleinen Teil der Patienten geholfen werden: Etwa wenn die Mandeln oder die Polypen so vergrößert sind, dass sie die Atemwege versperren. Auch eine verkrümmte Nasenscheidewand oder eine Fehlstellung des Unterkiefers können Ursache einer Schlafapnoe sein.

Doch als Hauptursache für die gefährlichen nächtlichen Atemaussetzer gilt vor allem eines: starkes Übergewicht. Mindestens 80 Prozent seiner Patienten seien übergewichtig, sagt Karl Hörmann: "Je mehr sie wiegen und je älter sie sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie an einer Apnoe leiden", sagt er. Deswegen rät Hörmann, das Gewicht zu reduzieren: "Abnehmen ist das einzige, das hilft", sagt er.

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