10.07.12

Pränataldiagnostik

Bluttest auf Down-Syndrom: wahrscheinlich kein Verbot

Baden-Württemberg, Sitz des Test-Herstellers, wird den Bluttest zur Pränataldiagnostik vermutlich nicht verbieten. Bluttest ist aber umstritten.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o/Bildagentur-online
Blutentnahme - taking of a blood sample
Mit einem Bluttest können werdende Eltern künftig überprüfen, ob ihr Kind gesund ist. Der Test ist umstritten

Berlin. Das neue Verfahren erhitzt die Gemüter, doch ein Verbot des umstrittenen vorgeburtlichen Bluttests auf das Down-Syndrom wird es nach derzeitigem Stand in Deutschland nicht geben. Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, wird den Test nach Angaben des Sozialministeriums nicht verbieten. Dafür seien die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben, sagte ein Sprecher von Ministerin Katrin Altpeter (SPD) der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

Die Behörden in den anderen Ländern sehen Baden-Württemberg in der Verantwortung. Ob es für sie überhaupt eine Handhabe gebe, werde derzeit intensiv geprüft, sagte Thomas Spieker, Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums. In Sachsen gebe es noch keine Positionierung in dieser Frage, sagte ein Sprecher des dortigen Gesundheitsministeriums.

+++Mit ein paar Tropfen Blut auf Down-Syndrom testen+++

+++Bluttest zum Down-Syndrom umstritten – Verbot gefordert+++

Der Bischof der evangelischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, sieht den neuen Bluttest sehr kritisch. "Aus christlicher Sicht ist es nicht möglich, den Schutz des Lebens zu differenzieren zwischen Nichtbehinderten und Behinderten." Es sei zu befürchten, dass ein solcher Test vermehrt zu Schwangerschaftsabbrüchen führen werde.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, hatte die Bundesländer in der vergangenen Woche dazu aufgefordert, den Test zu verbieten. Er stützte sich auf ein Rechtsgutachten, demzufolge der Test mit geltendem Recht nicht vereinbar sei – weder mit der Menschenwürde noch mit Artikel 3 des Grundgesetzes. Auch Ethiker und Kirchen hatten sich gegen das neue Verfahren ausgesprochen.

Da der Test des Konstanzer Unternehmens LifeCodexx nach derzeitigem Informationsstand als Medizinprodukt und nicht als Arzneimittel eingestuft wird, muss er kein Zulassungsverfahren durchlaufen. Der Test sollte im Juli auf den Markt kommen, konkrete Angaben gab es zunächst nicht.

Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten. Anstelle einer Fruchtblasenpunktion, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann, genügt bei dem neuen Test eine Blutprobe der Mutter. Nach Angaben des baden-württembergischen Sozialministeriums entscheiden sich schon jetzt neun von zehn Frauen für eine Abtreibung, wenn die Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie 21 ergibt.

Down-Syndrom - Trisomie 21
Das Down-Syndrom (Trisomie 21) ist keine Krankheit, sondern eine Genmutation. Das Erbgut der Betroffenen weist dabei 47 statt 46 Chromosomen auf. Dabei ist das Chromosom 21 dreifach statt doppelt vorhanden. Grund ist ein Fehler bei der Zellteilung bei der Entwicklung des Embryos.
Kinder mit diesem genetischen Defekt sind in ihrer geistigen Entwicklung gestört. Eine Behandlung ist nicht möglich. In Deutschland ist eines von rund 700 Neugeborenen betroffen. Insgesamt leben bundesweit 30.000 bis 50.000 Menschen mit dieser genetischen Störung. Genaue Zahlen fehlen, weil die Daten nicht systematisch erhoben werden.
Man findet Menschen mit Down-Syndrom überall auf der Welt sowie bei allen ethnischen Gruppen und Bevölkerungsschichten. Etwa alle drei Minuten kommt ein Baby mit Down-Syndrom zur Welt, insgesamt leben weltweit circa fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom.
Über die Chromosomen geben Eltern Erbinformationen an ihre Kinder weiter. Ein überzähliges Chromosom stört die genetische Balance. Wachstums- und Funktionsveränderungen sind die Folge. Die körperlichen Besonderheiten und die verlangsamte, zum Teil anders verlaufende mentale Entwicklung von Menschen mit Down-Syndrom werden durch das zusätzliche Chromosomenmaterial verursacht.
Das Risiko für das Down-Syndrom steigt mit dem Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Schwangerschaft. Seit einigen Jahren führt die Zunahme pränataler diagnostischer Verfahren, verbunden mit einem positiven Befund, häufig zu der Entscheidung, die Schwangerschaft abzubrechen.
Die Bezeichnung stammt von dem englischen Arzt John Langdon Haydon Down (1828-1896), der 1866 als erster die Merkmale dieser genetischen Besonderheit beschrieb. 1959 entdeckte Jérome Lejeune in Paris, dass Kinder mit Down-Syndrom in jeder Zelle ein Chromosom zuviel haben.
Quelle: epd
(dpa)
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