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Gesundheit

Kongress: Medizinische Beratung bei Schönheitschirurgie nötig

Warnung vor Mode-Operationen

Bei sogenannten Schönheitsoperationen sollten Chirurgen deutlichere Grenzen ziehen, fordert der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen Chirurgen, Günter Germann. Die ästhetische Chirurgie dürfe nicht "zur reinen Lifestyle-Chirurgie" werden, in der jeder Modetrend sofort chirurgisch umgesetzt werde, sagte Germann anlässlich des Deutschen Chirurgenkongresses, der morgen in Berlin beginnt. Mediziner müssten stets die Würde des Patienten achten und nicht jeder Bitte um einen bestimmten Eingriff nachkommen: "Wir müssen aufpassen, dass wir die Patienten nicht entstellen."

Seriös gemacht, sei ästhetische Chirurgie durchaus ein Weg für viele Menschen, betonte Germann. "Immerhin wissen wir schon sehr lange, dass das Körperbild das Selbstwertgefühl entscheidend beeinflussen kann, zum Beispiel durch die Wiederherstellung der weiblichen Brust, Nasenkorrekturen oder die Beseitigung abstehender Ohren." So könnten beispielsweise für Frauen Operationen sehr wichtig sein, bei denen eine amputierte Brust rekonstruiert wird. "Deshalb ist seriös gemachte ästhetische Chirurgie für viele Menschen ein Segen."

Die Grenzen sieht der Chirurg dort, "wo Kollegen versuchen, andere Menschen nachzubilden". Das gelte zum Beispiel für ein junges Mädchen, das ein Gesäßimplantat möchte, weil sie gerne wie die Sängerin Jennifer Lopez aussehen möchte. "Was passiert mit diesem Mädchen, wenn Jennifer Lopez irgendwann out und hagere Figuren gefragt sind?" Außerdem sollten Mediziner immer versuchen, den Charakter des Menschen zu erhalten: "Eine sehr schmale Frau mit einer knabenhaften Brust sollte möglicherweise nicht Körbchengröße Doppel-D bekommen, sondern etwas, das besser zu ihren Körperrelationen passt. Wir dürfen nicht zu bloßen Erfüllungsgehilfen werden, sondern zum Berater", betonte der Mediziner.

Pro Jahr gibt es in Deutschland mehrere Hunderttausend ästhetische Eingriffe. Eine genaue Zahl liegt nicht vor, denn nur die wiederherstellenden Eingriffe werden zentral erfasst, nicht aber die ästhetischen Eingriffe. Schätzungen basieren unter anderem auf Umfragen und Verkaufsdaten von Implantaten.(dpa)

 

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