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Gesundheit

Expertenrat

Impfstoff-Engpass: Was droht jetzt?

Schwere Komplikationen nach einer Infektion können sogar tödlich sein, warnen Kinderärzte. Das Paul-Ehrlich-Institut beruhigt: Es gebe keinen Grund zur Panik.

Bei einer Kombinationsimpfung reicht ein Piks, um gegen sechs gefährliche Krankheiten geschützt zu sein.
Foto: DPA

Hamburg. Engpässe bei der Lieferung von Kinderimpfstoffen sorgen für Aufregung bei vielen Eltern und für scharfe Kritik bei den Experten. "Es ist ein Unding, dass eine Weltfirma wie GlaxoSmithKline diese teuren Impfstoffe nicht vorrätig hat", sagt Dr. Hans Ulrich Neumann vom Hamburger Landesverband der Kinder- und Jugendärzte.

Die sogenannte Sechsfachimpfung kostet etwa 76 Euro. Das ist europaweit spitze. Auch in Neumanns Praxis sind die Vorräte aufgebraucht, Nachschub über Apotheke oder Großhandel gibt es nicht. Offensichtlich haben nur einzelne Apotheken noch sehr geringe Bestände.

Wie kommt es zu dem Engpass?

Die Massenproduktion des Schweinegrippe-Impfstoffs hat die Anlagen der britischen Herstellerfirma GlaxoSmithKline offensichtlich blockiert.

Wogegen schützt die Sechsfachimpfung?

Mit einer solchen Kombinationsimpfung werden Kinder ab der achten Lebenswoche mit einem einzigen Piks gegen sechs gefährliche Krankheiten geschützt: Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus (Wundstarrkrampf), schwere Hirnhautentzündung durch Haemophilus influenzae Typ B (Hib), Hepatitis B und Kinderlähmung. Die Impfung muss bis zum 14. Lebensmonat viermal gegeben werden. Damit ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Erst im Alter von fünf bis sechs Jahren wird gegen einzelne Infektionen erneut geimpft.

Welche Folgen hat der Engpass?

Durch die Lieferengpässe können Kinderärzte die Impfschemata, wie sie von der Ständigen Impfkommission am Berliner Robert-Koch-Institut empfohlen werden, nicht einhalten. Die vorgesehenen Abstände sollten aber möglichst genau eingehalten werden, damit die Impfstoffe ihre Wirkung optimal entfalten. Bei der letzten Impfung zur Grundimmunisierung sei es ein geringeres Problem, ob sie im elften oder im 14. Monat vorgenommen wird, sagt Neumann. Aber bei den Erst- und Zweitimpfungen im ersten und zweiten Lebensmonat mache es einen deutlichen Unterschied. Besonders wichtig sei die frühe Immunisierung gegen Keuchhusten und Hirnhautentzündung.

Welche Gefahren drohen?

"Besonders gefährlich für Säuglinge sind Hib-Infektionen und Keuchhusten, die so schwere Komplikationen hervorrufen können, dass sie zum Tode führen", sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann. Keuchhusten und Hib können für Säuglinge sehr gefährlich werden, weil das Risiko lebensgefährlicher Komplikationen besteht. So kann eine Hib-Infektion zu einer Kehlkopfentzündung oder einer schweren Hirnhautentzündung führen, beides kann für das kleine Kind den Tod bedeuten. Nach Einschätzung des Paul-Ehrlich- Instituts (zuständig für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland) besteht aber kein Grund zur Panik. Es gebe Alternativen von anderen Herstellern.

Welche Alternativen bieten sich an?

Es gibt einen alternativen Sechsfach-Impfstoff des Herstellers Sanofi Pasteur-MSD. Aber die Zulassung für diesen Impfstoff ruht zurzeit, weil Zweifel aufgekommen sind, ob er einen ausreichenden Langzeitschutz gegen Hepatitis B bietet. Deswegen bleibt als einzige Alternative nur, dem Kind zwei einzelne Injektionen zu verabreichen. Mit der einen Spritze erhält es einen Fünffach-Impfstoff gegen Diphtherie, Keuchhusten, Wundstarrkrampf, Hib und Kinderlähmung, mit der zweiten Spritze eine Impfung gegen Hepatitis B. Es gibt allerdings keine Einzelimpfstoffe gegen Keuchhusten oder Hib. Gegen alle anderen Komponenten des Sechsfach-Impfstoffes sind auch Einzelimpfstoffe erhältlich.

Wovor schützt der Vierfachimpfstoff?

Die Kombi-Impfung schützt vor Masern, Mumps, Röteln und Windpocken und wird zwischen dem elften und 23. Lebensmonat zweimal verabreicht. Damit ist auch für diese Infektionen die Grundimmunisierung abgeschlossen. Eine Auffrischung ist nicht nötig.

Nächste Woche neuer Impfstoff?

Laut Paul-Ehrlich-Institut steht ein Dreifachimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln weiterhin zur Verfügung. Zusätzlich könne gegen die Windpockenkomponente der Einzelimpfstoff Varivax der Firma Sanofi Pasteur MSD eingesetzt werden.

Hersteller GlaxoSmithKline versicherte gestern Nachmittag, bereits am kommenden Montag eine größere Menge Impfstoff wieder liefern zu können. Mitte der kommenden Woche könne dieser dann in den Kinderarztpraxen sein. Zuvor hatte es geheißen, es könne erst Ende Februar geliefert werden und Verzögerungen seien bis ins zweite Quartal zu erwarten.

 

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