04.12.12

Deutschland

Immer mehr Menschen kümmern sich um familiären Pflegefall

Millionen Menschen pflegen Angehörige zu Hause – unter enormen Belastungen und mit großer Sorge. Dabei ist Pflege vor allem Frauensache.

Foto: dpa
Eine Hand greift nach der eines Pflegebedürftigen: Immer mehr Angehörige pflegen Menschen aus ihrer Familie selbst
Eine Hand greift nach der eines Pflegebedürftigen: Immer mehr Angehörige pflegen Menschen aus ihrer Familie selbst

Berlin. Immer mehr Angehörige pflegen Eltern oder Partner selbst – oft unter enormen Belastungen, mit wenig Hilfe und wachsenden Zukunftssorgen. Schon heute gibt es laut einer neuen Studie zehn Millionen Menschen, die einen Pflegefall in der Familie haben. In den kommenden rund zehn Jahren dürfte die Zahl auf rund 27 Millionen steigen.

Das geht aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der R+V Versicherung hervor. 2,46 Millionen Menschen bekommen heute offiziell Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Pflege findet demnach vor allem in der Familie statt: 62 Prozent der Deutschen, die pflegebedürftige Angehörige haben, kümmern sich selbst um die Betreuung. Rund sechs Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen zumindest teilweise selbst, zwei Drittel der Pflegenden sind Frauen. 67 Prozent der pflegenden Frauen fühlen sich stark oder sehr stark psychisch, 46 Prozent stark oder sehr stark körperlich belastet.

Eine typische Pflegende ist laut der Studie 61 Jahre alt, hat zwei erwachsene Kinder und ist nicht berufstätig. "Für viele ist das eine Aufgabe, die einen Großteil des eigenen Lebens prägt", sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher. "Die Hälfte der pflegenden Frauen pflegt schon länger als drei Jahre." Neun Prozent tun dies bereits länger als zehn Jahre. Mehr als drei Stunden pro Tag verbringen damit 53 Prozent der Frauen. 44 Prozent haben es mit einem sehr schweren oder schweren Pflegefall zu tun.

Die Pflege geht mit Sorgen einher. 69 Prozent der pflegenden Frauen machen sich Sorgen über die weitere Entwicklung der Situation, 57 Prozent fürchten, dass sie es künftig nicht mehr schaffen. Vor allem die vielen ältere Frauen, die ihren Mann pflegen, haben Ängste. "Die über 70-Jährigen muss man verstärkt unterstützten", forderte Köcher.

(dpa)
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