PIP-Brustimplantate Silikon-Skandal: Richter dämpft Hoffnung der Klägerin

Prozess wegen Skandal um Brustimplantate

Foto: dpa

Prozess wegen Skandal um Brustimplantate

Klägerin fordert 30.000 Euro Schmerzensgeld für minderwertige Brustimplantate. Richter spricht von "rechtlichen Problemen".

Karlsruhe. Die beispiellose Rückrufaktion für minderwertige Brustimplantate des französischen Gesundheitsministeriums sorgte zum Jahreswechsel für Aufregung. Ende 2011 empfahl das Ministerium 30.000 Frauen eine vorsorgliche Entfernung von Billig-Implantaten. Nun verhandelt das Landgericht Karlsruhe über die erste Schadensersatzklage einer Betroffenen.

Das Landgericht hat der Klägerin jedoch einen Dämpfer versetzt. Der Vorsitzende Richter der zweiten Zivilkammer, Eberhard Lang, sprach am Dienstag in seiner zweistündigen Einführung mehrfach von "rechtlichen Problemen" und Zweifeln des Gerichts, ob die geltend gemachten Ansprüche in Betracht kämen.

Die Klägerin fordert Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 bis 30.000 Euro. Nach Angaben ihrer Anwälte handelt es sich um die erste derartige in Deutschland eingereichte Klage. In dem Zivilverfahren müssen sich fünf Beklagte verantworten, darunter der Chirurgen, der der Frau die Implantate im Jahr 2007 eingesetzt hatte. Er habe sie unzureichend aufgeklärt und die Implantate des Produzenten "Poly Implant Prothèse" (PIP) als besonders sicher dargestellt, heißt es in der Klage.

Klage richtet sich auch gegen deutschen Lieferanten

Die PIP-Implantate stehen im Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein und schneller zu platzen. Die inzwischen insolvente Firma hatte für die Kissen minderwertiges Industriesilikon verwendet.

Die Klage richtet sich auch gegen den deutschen Lieferanten des Industriesilikons, der nicht geprüft habe, wofür es verwendet wurde. Beklagt ist zudem der französische Haftpflichtversicherer von PIP sowie eine zum TÜV Rheinland gehörende Gesellschaft, die die PIP-Implantate zertifizierte. Schließlich wird auch die Bundesrepublik Deutschland per Amtshaftung verantwortlich gemacht, weil das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Warnhinweisen nicht rechtzeitig nachgegangen sei.

Mit dem Urteil der wird noch nicht am Dienstag, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet.