13.11.12

PIP-Brustimplantate

Silikon-Skandal: Richter dämpft Hoffnung der Klägerin

Klägerin fordert 30.000 Euro Schmerzensgeld für minderwertige Brustimplantate. Richter spricht von "rechtlichen Problemen".

Foto: dpa
Prozess wegen Skandal um Brustimplantate
Iris Herold aus Waghäusel (Kreis Karlsruhe) verlangt Schadensersatz vom französischen Silikon-Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP)

Karlsruhe. Die beispiellose Rückrufaktion für minderwertige Brustimplantate des französischen Gesundheitsministeriums sorgte zum Jahreswechsel für Aufregung. Ende 2011 empfahl das Ministerium 30.000 Frauen eine vorsorgliche Entfernung von Billig-Implantaten. Nun verhandelt das Landgericht Karlsruhe über die erste Schadensersatzklage einer Betroffenen.

Das Landgericht hat der Klägerin jedoch einen Dämpfer versetzt. Der Vorsitzende Richter der zweiten Zivilkammer, Eberhard Lang, sprach am Dienstag in seiner zweistündigen Einführung mehrfach von "rechtlichen Problemen" und Zweifeln des Gerichts, ob die geltend gemachten Ansprüche in Betracht kämen.

Die Klägerin fordert Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 bis 30.000 Euro. Nach Angaben ihrer Anwälte handelt es sich um die erste derartige in Deutschland eingereichte Klage. In dem Zivilverfahren müssen sich fünf Beklagte verantworten, darunter der Chirurgen, der der Frau die Implantate im Jahr 2007 eingesetzt hatte. Er habe sie unzureichend aufgeklärt und die Implantate des Produzenten "Poly Implant Prothèse" (PIP) als besonders sicher dargestellt, heißt es in der Klage.

Klage richtet sich auch gegen deutschen Lieferanten

Die PIP-Implantate stehen im Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein und schneller zu platzen. Die inzwischen insolvente Firma hatte für die Kissen minderwertiges Industriesilikon verwendet.

Die Klage richtet sich auch gegen den deutschen Lieferanten des Industriesilikons, der nicht geprüft habe, wofür es verwendet wurde. Beklagt ist zudem der französische Haftpflichtversicherer von PIP sowie eine zum TÜV Rheinland gehörende Gesellschaft, die die PIP-Implantate zertifizierte. Schließlich wird auch die Bundesrepublik Deutschland per Amtshaftung verantwortlich gemacht, weil das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Warnhinweisen nicht rechtzeitig nachgegangen sei.

Mit dem Urteil der wird noch nicht am Dienstag, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet.

Brustimplantate in Deutschland
Weltweit sollen bis zu 500 000 Frauen bei Brustvergrößerungen minderwertige Silikonkissen der französischenFirma PIP erhalten haben. In Deutschland wird ihre Zahl auf bis zu10 000 geschätzt. Es gibt Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe. Weitere Zahlen und Fakten:
- Brustvergrößerungen sind die häufigsten plastischen Operationen in Deutschland.
- Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie (DGÄPC) ließen sich im Vorjahr 29,2 Prozent der weiblichen Patienten, die einen Schönheitschirurgen aufsuchten, die Brust vergrößern.
- Fettabsaugung (17,5 Prozent) und Lidstraffung (12,9 Prozent) folgten auf den Plätzen zwei und drei.
- Die DGÄPC geht davon aus, dass sich die Zahl der jährlichen Eingriffe von 2001 bis 2011 von rund 20 000 auf knapp 60 000 fast verdreifacht hat. Genaue Zahlen werden nicht erfasst.
- Rund 80 Prozent der Patientinnen, die sich die Brust vergrößern lassen, wünschen sich aus ästhetischen Gründen einen größeren Busen, chätzt die DGÄPC. Bei den übrigen Eingriffen wird die Brust aus medizinischen Gründen wieder aufgebaut - zum Beispiel nach einer Krebsoperation.
dapd
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