25.02.12

Berufsporträt

Unser Platz soll schöner werden – ein Profijob

Landschaftsarchitekt Moritz Möllers kennt sich in Botanik wie in Bautechnik aus. Seine Kreationen müssen lebendig und funktional sein.

Foto: Klaus Bodig
Der Domplatz als Modell auf dem Tisch: Moritz Möllers, 34, hat die Gestaltung mit seinem Team geplant
Der Domplatz als Modell auf dem Tisch: Moritz Möllers, 34, hat die Gestaltung mit seinem Team geplant

Allein auf einer Bank - so fängt für Moritz Möllers schon mal ein Projekt an. Der Landschaftsarchitekt sitzt dann einfach da und lässt den Ort auf sich wirken. So hat der 34-Jährige, der seit sechs Jahren für das Büro Breimann & Bruun arbeitet, auch mit der Neugestaltung des Domplatzes in der Hamburger Innenstadt angefangen. "Der Platz war alles andere als schön", sagt Möllers. Die heterogene Bebauung rundherum, der Parkplatz und die fehlende Einfassung des Platzes machten die Aufgabe nicht leicht: Möllers sollte eine grüne Oase kreieren, die die wechselhafte Geschichte des Ortes aufzeigt.

Ob Platz, Straße, Privatgarten, Firmengelände oder Park - Möllers' Projekte sehen immer wieder anders aus. Einmal geht es um die Gestaltung einer Straße, die sich Fußgänger und Autofahrer teilen sollen, ein anderes Mal um die eines Firmengeländes, das repräsentativ wirken soll. Möllers drückt nicht nur Freiräumen in Deutschland seinen Stempel auf. Auch einen Uni-Campus in Abu Dhabi, Gärten für ein Wohnquartier in Indien und ein Messegelände in China hat er bereits entworfen. "Die größeren Büros für Landschaftsarchitektur sind meist international aufgestellt", sagt Möllers.

Sein Weg begann mit einer Ausbildung zum Landschaftsgärtner. Anschließend studierte er Landschaftsplanung in Kassel. Heute plant er vor allem im öffentlichen Raum. Kollegen sind auf Privatgärten oder Landschaften spezialisiert. Die Arbeit ist immer eine Gratwanderung zwischen Schönem und Funktionalem. Möllers' Werkstoffe sind Pflanzen, Stein, Beton, Glas, Wasser, Holz, Acryl oder Stahl: "Mit allen zur Verfügung stehenden Materialien setze ich dann ein räumliches Konzept um und möchte gleichzeitig eine bestimmte Atmosphäre erzeugen." Dafür muss er sich mit Botanik ebenso auskennen wie mit Bautechnik.

Meistens baut Möllers nach den Angaben eines Vermessungsingenieurs erst einmal ein Modell. Beim Projekt Domplatz etwa bastelte er zunächst die Gebäude und schüttete den gesamten Platz im Modell mit Sand auf. Im Team wurden dann Ideen zusammengetragen. Parallel traf sich Möllers mit Vertretern der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, dem Direktor des Helms-Museums und Archäologen, um sich ein umfassendes Bild von der Geschichte des Domplatzes zu machen. Auch Karten, historische Pläne und Bilder des Platzes nahm er hinzu. Anhand des Modells überlegte das Team dann, wo die historischen Dommauern standen, wo die Wallanlagen und das Johanneum. "Über allem stand die Frage: Was zeigen wir und wie?", sagt Möllers.

Bei den meisten Projekten nähert sich Moritz Möllers Schritt für Schritt dem Ergebnis. Zeichnungen, die er am Computer mit den Programmen CAD und Photoshop erstellt, passt er immer wieder an. Auf Präsentationen oder am runden Tisch entwirft er seine Skizzen mit der Hand. Dazwischen verhandelt der Landschaftsarchitekt mit Firmen, sucht Material aus und vergleicht Angebote. Steht der Entwurf, werden am Ende die technischen Details ausgearbeitet. Bei den Kupferschlackensteinen für die Wege des Domplatzes etwa prüfte Möllers den genauen Schnitt, die Bettung und das Verlegen der Steine.

Immer wieder geht es bei seiner Arbeit um Pflanzen. Boden und Klima müssen für die ausgewählten Arten passen. Darum holt Möllers Bodengutachten ein, auf anderen Kontinenten zieht er bei Bedarf Botaniker hinzu, die ihn zu exotischen Stauden und Büschen beraten. Auf dem Domplatz wachsen heute neun Schnurbäume auf einer Rasenfläche, dazwischen stehen beleuchtete Plexiglasbänke, angeordnet wie die Säulen des alten Mariendoms. "Die Bäume gedeihen gut bei Trockenheit und das feine Blattwerk wirft einen angenehm leichten Schatten", erklärt Möllers seine Wahl. Ein Wall aus Stahlblech zeichnet den Grundriss der historischen Domburg nach.

Den Straßenzug Hohe Bleichen hat Möllers mit sechzig Jahre alten Lebensbäumen gestaltet. "Die elf Meter hohen skulpturalen Bäume sollten den Ort prägen", sagt Möllers. Dafür musste er überhaupt erst einmal eine Baumschule ausfindig machen, die diese Bäume anbietet. Vor der Pflanzung musste er Boden, Pflanzloch und Abdeckung, Substrat sowie Ausrichtung der Bäume bestimmen. "Es kommt aber auch schon mal vor, dass sich eine Idee am Ende gar nicht realisieren lässt", sagt Möllers. "Zum Beispiel, wenn die Pflanze nicht zum Standort passt."

Auch die Umsetzung vor Ort kontrolliert Möllers. "Ich übernehme eine Art künstlerische Bauleitung", sagt er. Dabei prüft der Landschaftsarchitekt jeweils den ersten Abschnitt neuer Arbeiten, etwa den Beginn der Pflasterung der Wege oder die erste gefertigte Bank beim Hersteller. Die Ausführung vor Ort übernimmt eine Landschaftsbaufirma. Auch wenn der Auftrag längst abgewickelt ist, besucht Möllers seine Wirkstätten immer wieder gern - schließlich wächst das Geplante meist erst über die Jahre in voller Pracht.

Auf dem Domplatz war er inzwischen schon mehrmals, auch wenn er im Sommer meist keine freie Bank mehr findet. "Wenn die Menschen den Platz annehmen, ist das das schönste Lob für meine Arbeit", sagt Möllers.

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