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Extra-Journal

Wie aus Lego Käse wird

Mit viel Fantasie inszeniert die Theaterpädagogin Annetta Meißner-Jarasch Bibelgeschichten für Kita-Kinder.

Traditionelle Krippenspiele mit einer Babypuppe als Jesuskind, mit Hirten in kuscheligen Schaffellen und mittelalterlichen Umhängen? Dressierte Kinder, die ihren auswendig gelernten Text herunterleiern? "Geht gar nicht!", sagt Annetta Meißner-Jarasch bestimmt. Jedenfalls nicht bei ihr. Folgerichtig setzt die engagierte Theaterpädagogin auf die Kraft der Fantasie und einfache Hilfsmittel: Knöpfe, Seile oder Koffer entwickeln in ihren Stücken ein verblüffendes Eigenleben.

Und so erschaffen unter ihrer Anleitung die kleinen Schauspielerinnen und Schauspieler eifrig ihre eigene Welt - wie beim Schattenspiel über St. Martin. Eine gespannte Schattenwand, ein Overhead-Projektor und wenige Requisiten genügen, um im abgedunkelten Raum einen Zauber zu entfalten, der die Kinder schnell in seinen Bann zieht. Staunend stellen sie fest, wie leicht Theaterräume entstehen können. Einfach ein paar kleine Sterne auf den Projektor gelegt, der sein Licht auf die Leinwand projiziert - fertig ist das Himmelszelt.

Doch nicht nur theatertechnisches Wissen will die Sozialpädagogin vermitteln. Ihre Aufgabe im Kirchengemeindeverband Ev.-Luth. Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Alt-Hamburg ist religionspädagogische Theaterarbeit. Und so sind die Themen vieler Stücke Texte aus der Bibel, die schon die Kleinsten spielerisch kennenlernen und vor ihrem eigenen Lebenshintergrund reflektieren können. "Grundsätzlich eignet sich jeder Text, wenn er entsprechend aufbereitet ist", sagt die gebürtige Lüneburgerin. So erzählt sie zum Beispiel anhand der Geschichte von König David vom Erwachsenwerden ("Wenn du groß bist, wirst du König"), von Freundschaft ("David und Jonathan") oder von Mut und Ängsten ("Vor Riesen hab ich keine Angst").

"Aktives christliches Gemeinschaftserleben" ist das Ziel von Annetta Meißner-Jarasch. In 43 Kitas des Kirchengemeindeverbandes erreicht sie mehr als 3000 Kinder zwischen drei und zwölf Jahren mit ihrer Arbeit, die sie im April 2005 aufgenommen hat. 22 Projekte hat sie im Angebot, "mit dem Anspruch, sowohl ästhetische Bildungsprozesse anzuregen als auch religiöse Inhalte zu vermitteln". In Fortbildungen gibt sie ihr Know-how an pädagogische Fachkräfte des Verbandes weiter, damit diese dann eigene Theaterprojekte durchführen können. Vor allem aber hat die zierliche, temperamentvolle junge Frau Freude am Theaterspiel. Mit ihrer lebhaften Mimik und Gestik lockt sie auch scheue Kinder schnell aus der Reserve. Das Motto der evangelischen Kindertagesstätten Nordelbiens, "Mit Gott groß werden", hat für die 39-Jährige durchaus eine doppelte Bedeutung, und es freut sie, wenn Kinder Zutrauen und Selbstvertrauen gewinnen, Ängste und Komplexe abbauen können. "Religion bleibt so nicht etwas passiv Gelerntes, sondern wird zu etwas aktiv Erlebtem. Körper, Seele und Geist, also Bewegen, Fühlen und Denken werden gleichermaßen angesprochen", sagt Annetta Meißner-Jarasch.

Kinder und Kunst sind ihre große Leidenschaft, und schon früh stand für die Tochter eines Polizisten und einer Hausfrau fest, dass sie Pädagogin werden wollte. Also ging sie nach einer Ausbildung zur Erzieherin zum Sozialpädagogik-Studium nach Berlin, wo sie anschließend an der Universität der Künste das Aufbaustudium zur Theaterpädagogin absolvierte.

Sie schaffte das Kunststück, in der Ausbildung ihre Leidenschaften zum Theater und zu Kindern zu kombinieren. Bei einer ihrer freiberuflichen Tätigkeiten im Jüdischen Museum kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit der Idee, biblische Geschichten als Theater zu vermitteln. "Die Bildhaftigkeit der Bibel setzt Fantasie frei", schwärmt sie.

Ihre Chance, diese Geschichten für Kinder begreifbar umzusetzen, bot man ihr im Kirchengemeindeverband. Der Liebe wegen wollte sie schon länger nach Hamburg wechseln, denn mit ihrem heutigen Mann führte sie drei lange Jahre eine Fernbeziehung; er arbeitet als Ingenieur bei Airbus.

Nun suchte man im Kirchenkreis Alt-Hamburg Erzieherinnen; Annetta Meißner-Jarasch konnte im Vorstellungsgespräch überzeugen, und so schuf man für sie extra eine neue 30-Stunden-Stelle als Theaterpädagogin.

Dafür ist sie vor allem auch deshalb sehr dankbar, weil sie ein halbes Jahr nach ihrem Arbeitsantritt an einem schweren Bandscheibenvorfall erkrankte und sieben Monate nicht arbeiten konnte. Dass man ihr die Stelle freihielt und auf sie wartete, rechnet sie dem Kirchengemeindeverband hoch an - und füllt die Stelle mit viel Schwung und Engagement aus.

"Theater lässt sich nur vermitteln, wenn man selber brennt", sagt sie überzeugend. Besonders fasziniert ist sie von der Fähigkeit der Kinder zum Abstrahieren. "Für ein Kind kann ein Legostein ein Stück Käse sein", sagt sie lachend. "Für uns bleibt es ein Legostein. Da können wir Erwachsene viel lernen!"

 

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