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Extra-Journal

Behinderte leben und lieben genau wie wir

Neugierig betrachtet ein kleiner Junge einen im Rollstuhl vorbeifahrenden Mann und wendet sich an seine Mutter: "Mama, guck mal da, der sieht ja behindert aus!" Sprüche wie diese werden oft einfach so dahergesagt, wenn Menschen mit einer Behinderung, ob geistig, psychisch oder auch körperlich, auf der Straße gesehen werden. Durch Unwissen und Angst vor dem Unbekannten sehen manche sie als Menschen, die nicht wirklich zu uns gehören. Dabei wird oft nicht daran gedacht, dass sie sich doch gar nicht so wesentlich von uns unterscheiden. Was fehlt, ist vielleicht nur ein Einblick in den Alltag dieser Menschen: wie sie leben, was sie empfinden und inwieweit wirklich ein Unterschied zu uns besteht. Das wollten wir herausfinden.

Morgens um sechs Uhr stehen die meisten der 26 Bewohner des Wohnhauses der Alsterdorf Assistenz Umland gGmbH in Wohldorf-Ohlstedt auf. Die Einrichtung bietet Behinderten Wohn- und Arbeitsplätze. Hier lebt auch Arno (Name geändert) "Guten Morgen, hast du gut geschlafen?", erkundigt sich Lisa, eine Betreuerin, als er in die Küche kommt. Arno antwortet ihr mit einem strahlenden Grinsen. Er leidet unter einer psychischen Behinderung. Er versteht alles, was man ihm sagt, spricht jedoch nicht.

Nach dem gemeinsamen Frühstück geht Arno in die Behinderten-Werkstatt, in der er Verpackungen für verschiedene Firmen herstellt. Er arbeitet dort fünf Tage die Woche und erhält dafür auch sein eigenes Gehalt, das er für Reisen oder größere Wünsche zurücklegt.

Nicht alle Bewohner des Wohnheims sind wie Arno in der Lage zur Werkstatt zu gehen; einige mit einer stärkeren Behinderung besuchen stattdessen die Tagesförderstätte, in der sie malen, kochen, waschen oder handwerken.

Die Regeln sind wie bei uns:

"Was sie können, müssen sie auch machen", sagt eine Betreuerin. Ihre Beschäftigung ist eben nur auf ihre Verhältnisse abgestimmt. Doch die Behinderten sollen so viele Dinge wie möglich alleine bewältigen.

Genau wie wir, freut sich auch Arno auf seinen wohlverdienten Feierabend, den er einmal die Woche mit den anderen Bewohnern des Wohnhauses im Schwimmbad oder bei einem Bierchen in der Kneipe verbringt. Riesigen Anklang findet auch der monatliche Disco-Besuch. Denn Arno tanzt für sein Leben gern. Am Donnerstag wird musiziert, denn Musik und Gemeinschaft spielen wie bei uns eine wichtige Rolle im Le-ben der Behinderten.

Abends beim Essen herrscht eine heitere Stimmung im Wohnhaus, bis Lara (Name geändert), eine Mitbewohnerin, einfach Arnos Schokoriegel aufisst; urplötzlich fährt er hoch und beäugt die Übeltäterin mit bitterbösen Blicken. Nach zehn Minuten ist der Zorn jedoch schon wieder vergessen, und die beiden sitzen vergnügt auf dem Sofa und blättern gemeinsam in einem Bilderbuch. Um 21 Uhr liegt Arno im Bett.

Für uns wurde durch den Besuch klar: Ob Tagesförderstätte oder Werkstatt, die Behinderten verrichten ihren Job. Sie streiten sich, und sie lieben sich, sie sind traurig oder zufrieden, brauchen Zuneigung und Anerkennung - sie leben also genau wie wir, nur auf ihre Art und Weise in ihrer eigenen Welt.

Janika Hintzsche, Kristin Brüggert, Marta L. Denker, 10a Gymnasium Ohlstedt

 

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