Was ist Heimat? Wo man wohnt oder wo man sich wohlfühlt?
Hier in der Internationalen Schule Hamburg ist das Internationalsein nichts Besonderes. Die meisten hier sind keine Deutschen, und die Mehrheit hat schon, bevor sie nach Deutschland gezogen ist, in mehreren anderen Ländern gewohnt. Amerikaner, die aus Pakistan kommen, oder Neuseeländer, die aus Ghana kommen und dann nach Hamburg zogen, sind bei uns keine Ausnahme.
Das Leben in so einer Schule ist recht interessant. Wenn man nicht selbst die Welt erfahren hat, kann man sie hier durch andere erleben.
Die meisten von uns sind wegen der Arbeit unserer Eltern umgezogen. Alle zwei oder drei Jahre sind wir woanders. Und dann hört man oft den Satz: "Ich gehe zurück nach Hause." Für manche ist das England, Indien oder Spanien, für andere aber ist das überall und gleichzeitig nirgendwo.
Auf die Frage: "Wo ist dein Zuhause?" haben viele keine richtige Antwort. Ist zu Hause, wo man wohnt, wo man am längsten gewohnt hat, wo man geboren ist, wo die Eltern herkommen oder einfach wo man sich wohlfühlt? Solche Diskussionen werden in unserer Schule regelmäßig geführt. Am Ende kommen alle zur gleichen Erkenntnis: "Ich weiß es nicht."
So ein Dilemma hat Lina. Ihr Vater kommt aus Libyen, die Mutter aus Frankreich. Als sie klein war, sind sie und ihre Familie in die Schweiz umgezogen. Sie lebten dort, bis sie in die fünfte Klasse kam. Dann ging es nach Hamburg. Wenn sie nach Frankreich fliegt, um ihre Familie zu besuchen, wird sie als Libyerin behandelt, in Libyen wird sie als Französin bezeichnet.
Wie kann sie sich also zu Hause fühlen? Sie wird als fremd angesehen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Hamburg ihr Heim, hier ist sie aber auch eine von vielen Ausländern. Am Ende dieses Jahres geht sie aber wieder. Diesmal nach England und was dann?
Alex leidet auch unter diesem internationalen "Problem". Seine Mutter ist in Stockholm geboren. Bis sie dann Alex' deutschen Vater kennenlernte, wohnte sie eigentlich überall: Japan, Indonesien, Uruguay, Kanada und schließlich Argentinien, wo sie ihn traf. Alex wurde 1989 in New York geboren, weil seine Eltern gerade in Mexiko wohnten und nicht wollten, dass er dort auf die Welt kommt.
Nach einem Jahr ist Alex zusammen mit seinen Eltern nach Hamburg gezogen, wo er erst deutsche Schulen besuchte, bis er 14 Jahre alt war und dann zur Internationalen Schule wechselte.
Das Ergebnis ist, dass Alex heute vier Pässe hat: einen kanadischen, einen deutschen, einen französischen und einen amerikanischen. Außerdem kann er fließend Deutsch und Englisch, Spanisch und Französisch. Obwohl er sich eigentlich hier in Hamburg zu Hause fühlt, wohnen seine ganzen Cousins in Kanada, Argentinien und in der Schweiz. Besonders zur Weihnachtszeit wird es hoch kompliziert, da es schwierig ist, sich zu merken, wer was von wem wo und wie geschenkt bekommt.
Sind manche von uns einfach nur Bürger der Welt?
Raquel Rios Pedros, Nick Lory, 10/11 Internationale Schule Hamburg



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