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Extra-Journal

"Der Poetry-Slam-Jury bitte erst später die Knochen brechen"

Das Molotow ist brechend voll. Ventilatoren rotieren ununterbrochen, um die Luft einigermaßen erträglich zu halten, was nur mäßig gelingt. Bierbänke sind aufgestellt und voll besetzt.

Es ist Dienstagabend, kurz vor 21 Uhr, und gleich fängt der Poetry Slam an. Poetry Slam. Noch vor zwei Wochen kannte ich dieses Wort noch nicht einmal, geschweige denn konnte ich es schreiben. Deshalb bin ich heute hier: um zu erfahren, was Poetry Slam ist.

Bisher sehe ich nur eine mit einem Mikrofon ausgestattete Bühne. Im Hintergrund steht noch eine Tafel mit 17 Namen drauf. "Das sind die Slammer. Jeder liest hier gleich fünf Minuten was Selbstgeschriebenes. Manche sind richtig gut! Und wir dürfen entscheiden, wie es war", erzählt Maria, die neben mir steht. Jetzt geht's los. Eine Jury wird aus den Zuhörern aufgestellt, jeder der Juroren erhält einen Block und einen Stift. Einer bekommt Eieruhr und Taschenrechner anvertraut.

"Wir lieben unsere Autoren, und das zeigen wir ihnen auch. Deshalb jetzt einen großen Applaus für Thorsten!" Unter tosendem Applaus und lauter Musik kommt Thorsten auf die Bühne. Er ist unser erster Slammer. Thorsten scheint etwas unsicher, stellt das Mikro auf seine Größe ein und beginnt zu lesen. Fünf Minuten, ein Eieruhrklingeln, und einige belustigte Zwischenrufe des Publikums später setzt sich Thorsten wieder, und die Jury schreitet zu Werke.

Jeder gibt dem Slammer Punkte von eins - er hätte sich lieber nicht auf die Bühne stellen sollen - bis zehn - literaturnobelpreiswürdig. "Bitte der Jury erst in der Pause die Knochen brechen", ist der Kommentar der Moderation, nachdem Noten von 4,7 bis 8,3 vergeben wurden. Und schon geht es weiter, Slammer folgt auf Slammer. Liebesgedicht, Rollenspiel in zwei Akten, philosophischer Monolog. Die Luft kann man schneiden vor Spannung und Zigarettenrauch. Irgendwann wird die erste Zehn der Jury vergeben: "Marc, wir lieben dich!" Michi wird ausgebuht und muss seinen Vortrag schon vor Ablauf der Eieruhr abbrechen. Das Leben kann auch hart sein. Applaus bekommt er aber genauso viel wie seine Vorgänger.

Poetry Slam, jeden letzten Dienstag im Monat ab 21 Uhr im Molotow, Spielbudenplatz 5 (Reeperbahn), Moderation Tina Uebel und Hartmut Pospiech, Eintritt 3,50 Euro, www.slamburg.de

Lea Krause-Solberg, Vsb Heilwig-Gymnasium

 

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