Wenn einen der Schlag trifft
Therapie: In kleinen Schritten wieder zu mehr Lebensqualität.
Ein Schlaganfall kommt meist nicht ohne Vorwarnung. Risikofaktoren und Warnsignale kennen und ernst nehmen sowie schnelles Handeln können ihn verhindern oder seine meist schwerwiegenden Folgen reduzieren.
Mehr als 200 000 Menschen in Deutschland erleiden nach Informationen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jedes Jahr einen Schlaganfall. Jeder fünfte stirbt unmittelbar an den Folgen. Damit ist der Schlaganfall nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Von den Überlebenden bleiben viele schwerbehindert oder arbeitsunfähig.
Als Schlaganfall wird der schlagartigen Ausfall einzelner Gehirnregionen bezeichnet. Ursache ist meist der Verschluss eines hirnversorgenden Gefäßes, seltener eine Gehirnblutung. Das Auftreten eines Schlaganfalls wird durch mehrere Risikofaktoren begünstigt. Einige von ihnen, beispielsweise familiäre Veranlagung sowie ein zunehmendes Lebensalter, lassen sich nicht beeinflussen.
"Entscheidend sind beeinflussbare Risikofaktoren", erklärt Prof. Axel Müller-Jensen von AK Altona. "An erster Stelle steht Bluthochdruck, gefolgt vom Rauchen. Wenn man diese beiden Risikofaktoren ausschaltet, lassen sich mindestens 25 Prozent aller Schlaganfälle verhindern." Andere Faktoren sind Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, Fettstoffwechselstörungen.
Wichtig zu wissen: Rund 40 Prozent aller Schlaganfälle kündigen sich an. Die Warnzeichen entsprechen den Symptomen eines akuten Schlaganfalls: Lähmungen, Taubheitsgefühle in einer Körperhälfte, Sprach-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen und plötzlich auftretende extreme Kopfschmerzen. Auch wenn diese Symptome abgeklungen seien, solle der Notarzt gerufen werden. "Je schneller die Diagnose gestellt, die Therapie eingeleitet werden, desto besser sind die Heilungschancen", sagt Müller-Jensen.
Nach dem meist acht- bis zehntägigen Krankenhausaufenthalt schließt sich die Rehabilitation an. Sie wird, je nach Schwere des Falls, ambulant oder stationär durchgeführt. "Die Therapieziele werden individuell geplant," erklärt Dr. Christian Dettmers vom Neurologischen Therapiecentrum (NTC) im Reha-Zentrum Berliner Tor. "Abhängig von den Ausfallerscheinungen des Patienten stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, um die Lebensqualität mit jedem Reha-Schritt zu verbessern." Oft ließen sich Beeinträchtigungen so reduzieren, dass die Betroffenen eine große Selbstständigkeit im Alltag zurückgewönnen.
Meist ist es für die Patienten sinnvoll, weiter zu trainieren. "In den Schlaganfall-Sportgruppen lernen sie, etwas für den Kreislauf zu tun", erklärt Dettmers. Und: "Das Miteinander wirkt der sozialen Vereinsamung entgegen."
"Auch wenn der Schlaganfall länger zurückliegt, ist Besserung möglich", sagt Professor Cornelius Weiller vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Dettmers teilt die Ansicht: "Man darf nicht zu früh aufgeben. Es gibt für jeden Patienten individuelle Wege."



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