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Extra-Journal

Mut zur Farbe Rot

Möbel: Vorbei mit dem Einerlei in Weiß. Jetzt wird es farbig in deutschen Wohn- und Schlafzimmern.

Die Farbe Rot symbolisiert Wärme, Energie und Feuer. Das ist es wohl auch, warum sie sich jetzt überall auf dem Vormarsch befindet. "Zuerst waren es die italienischen Stoff-Fabrikanten, die das Rot lancierten", erinnert sich Geschäftsführer Hans Kienast von M-Extra Design + Einrichtungen. Die Modeschöpfer griffen die textile Neuheit bereitwillig auf: "Auf der Möbelmesse in Köln wurde auch für die Wohnungseinrichtungen Rot als aktueller Trend ausgerufen", sagt Ulla Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Was damals noch eher einer Mutprobe gleichkam, fand bald Parteigänger wie einschlägige Fachzeitschriften, die sich für den ungewohnten Farbakzent stark machten. Der Gewöhnungseffekt blieb nicht aus, und die Farbe ist längst bei den Innenausstattern angelangt.

Rot hat ungezählte Nuancen, die sich vor allem durch unterschiedlich starke Beimischungen von Gelb oder Blau ergeben. In der Mitte dieser Reihe steht das Rot des Feuers, das jedoch zu aggressiv wirkt, um im Wohnbereich geduldet zu werden. Hier rangieren "die rot-gelben Töne von Tomatenrot bis zum gedeckten Braunrot an vorderster Stelle", sagt Lisa Marks, Geschäftsführerin im Möbelpark Sachsenwald. Das Gefühl von wohltemperierter Wärme und Geborgenheit vermitteln aber auch Bordeaux-Töne: Welche Farbe gewählt werde, hänge weniger vom Alter des einzelnen Menschen als vielmehr von seinem Geschmack und seinem Temperament ab, sagt Lisa Marks.

Bei aller Liebe zum Rot: So weit, dass es einen Raum in Gänze beschlagnahmt, kommt es kaum. "Nur etwa 20 bis 25 Prozent der von den Käufern ausgesuchten Bezugsstoffe haben einen Rotanteil", so die Erfahrung von Robert Kabs, dem Geschäftsführer von Möbel Kabs.

Rot braucht keine Quantität. Es dominiert bei minimaler Anwesenheit und wird sogleich zum Blickfang. Das ist oft die eigentliche Funktion, die ihm zugedacht wird. Es soll, was vor fünf Jahren noch kaum jemandem in den Sinn gekommen wäre, die Eintönigkeit der üblichen Wohnfarben - oft viel Weiß - als lebhaftes Aperçu durchbrechen.

Das Hummerrot eines Ledersofas, schon eines Sessels, sendet Signale der Lebensfreude aus. Die NDR-Regionalsendung "DAS!" buhlt im Fernsehen mit ihrem roten Gästesofa täglich um erhöhte Aufmerksamkeit. Das verhaltene Rot des chinesischen Zinnobers hat mittlerweile auch auf die Gardinen übergegriffen. "Besonders die jüngeren bis mittleren Jahrgänge sind davon angetan", hat Gerhard Dudde vom Teppich- und Gardinenhaus Eichtal bemerkt.

"Bei den Teppichen und Teppichböden", sagt Duddes Kollege Lothar Schmidt-Schablowsky, "beweisen auch ältere Menschen Mut zum Rot." Sie verabschieden sich gern vom bisher dominierenden Beige und Grau, zumal helle Möbel in Birke, Ahorn oder Buche auf rotem Grund besser zur Geltung kommen als in neutraler Umgebung.

Obwohl man mit Rot bei Möbeln und Wohnaccessoires zur Zeit noch sparsam umgeht, schwindet die Zurückhaltung, wenn die Wand und ihre Farbe zur Diskussion stehen. Von oben bis unten alles rot - das verlangt allerdings eine starke Psyche.

So ungewöhnlich, wie es scheint, ist diese Wahl wiederum nicht. In unseren Breiten zwar selten, kommt sie im Süden schon in weit zurückliegenden Zeiten vor. Etrusker und Pompejaner schätzten rote Wände, und erst recht die Kreter der minoischen Kultur, wenn sie auch meist andersfarbige Verzierungen darauf anbrachten. Da ihnen deutlich weniger Farben als uns zur Verfügung standen und für sie der rote Ocker, der eine abschattierte Rottönung ergibt, relativ leicht zu bekommen war, erklärt sich die vermeintliche Vorliebe sicher zum Teil aus dem Mangel an Farbvielfalt.

 

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