Montag, 28. Mai 2012, 05:33

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Extra-Journal

Aktie mit 1000 Prozent Gewinn

Aufsteiger: Hamburger StartUp-Unternehmen überholte innerhalb von vier Jahren AOL.

"Normal ist das nicht!" Der Werbeslogan des Hamburger Internet- und Telefonanbieters freenet, der bundesweit auf einer frechen, froschgrün unterlegten Anzeigenkampagne prangt, trifft offenbar zu. So hat das einstige StartUp-Unternehmen den globalen Internetriesen AOL in nur vier Jahren in Deutschland vom zweiten Platz verdrängt. Mehr noch: Der Umsatz kletterte allein in diesem Jahr um fast 800 Prozent, und die Zahl der Mitarbeiter, von denen 200 in der Konzernzentrale im Stadtteil Alsterdorf arbeiten, hat sich im Laufe des Jahres auf rund 1000 verdreichfacht.

Auch an der Börse glänzt die 1999 gegründete freenet AG mit Shooting-Star-Qualitäten: Seit Jahresbeginn legten die Papiere immerhin rund 1000 Prozent zu: von 4,49 Euro auf 51,20 Euro. Ein Rekord, denn keine andere deutsche Aktie hat sich im vergleichbaren Zeitraum so gut entwickelt. Das ist auch der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche nicht entgangen. Sie setzte die freenet AG erst kürzlich auf Platz zwei der am schnellsten wachsenden Hightechfirmen Deutschlands. Gefolgt übrigens auf Platz drei von einer weiteren Hamburger Firma - dem Richtfunkanbieter Broadnet Mediascape.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr, ein 35 Jahre alter Schwabe, hat das Hamburger Unternehmen mit ruhiger Hand durch die Internet- und Börseneuphorie Anfang des Jahrtausends gelenkt. Während andere Online-Kapitäne bundesweit mit Dumpingpreisen um Kunden buhlten und mit Unterstützung ihrer Berater hastig im In- und Ausland expandierten - und sich dabei fast immer übernahmen -, betrieb freenet-Chef Spoerr von Hamburg aus eine eher traditionelle und konservative Unternehmenspolitik.

Die Geduld zahlte sich aus: Seit mehr als einem Jahr schreiben die Hamburger jetzt schon schwarze Zahlen. Allein in den ersten neun Monaten 2003 betrug der Konzerngewinn 21,7 Millionen Euro. Im September schaffte freenet zudem den Aufstieg in den TecDAX, in dem die 30 größten deutschen Technologiewerte versammelt sind.

Spoerrs Erfolgsrezept? "Ganz einfach", sagt er. "Wir haben die Spielregeln geändert und bieten unseren Kunden einen Internetzugang ohne Grundgebühr zu fairen Konditionen an. Damit haben wir wohl den Nerv der Zeit getroffen." Offenbar. Denn mittlerweile nutzen mehr als 3,75 Millionen Internetsurfer die Leitungen von freenet als Auffahrt zur Datenautobahn. Nur Marktführer T-Online kann auf mehr Kunden verweisen. Auch bei den schnellen DSL-Internetzugängen kommt freenet jetzt in Fahrt. "Bis Anfang 2004 wollen wir 100 000 Kunden haben und dann mittelfristig bis 2005 zu den drei Topanbietern gehören", kündigt Spoerr an.

Dazu kommt: Nach der Übernahme des Festnetzes von der Konzernmutter Mobilcom ist freenet auch ins Geschäft mit Fern- und Ortsgesprächen eingestiegen. Und auch hier will Spoerr ganz vorn im Markt mitmischen. Gerade erst hat er die Tarife für Ferngespräche um bis zu 67 Prozent gesenkt. Ortsgespräche bietet freenet schon seit längerem mit Erfolg für 1,5 Cent die Minute (tagsüber) und 1,3 Cent (abends und nachts) im so genannten Call-by-Call-Verfahren an, also Anruf für Anruf - und alles wie beim Internetzugang natürlich ohne vertragliche Bindung oder Grundgebühr.

"Wir sind noch lange nicht am Ziel und haben noch Großes vor", kündigt der Wahlhamburger an. Angst vor einem weiteren Wachstum hat der junge Konzernlenker dabei nicht. In seiner Freizeit geht es nämlich viel riskanter zu: Ski und Wasserski sind dabei noch eher die weniger stressigen Sportarten. "Für echte Adrenalinschübe sorgen bei mir Snowboardfahren und Bungee-Springen", sagt Spoerr. Letzteres fasziniert ihn besonders. "Wenn ich irgendwo einen Kran mit Bungee-Seil sehe, springe ich garantiert runter." Auch beim Thema Ausdauer will sich der Schwabe nicht verstecken: Beim Olympus-Marathon im April 2004 will er auf jeden Fall mitlaufen.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus