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Extra-Journal

Finanzberater: Trendwende in der Personalpolitik

Erfahrung zählt wieder

45plus ist gefragt in der Geldbranche. Besonders Privatkunden, die selbst nicht mehr jung sind, schätzen ältere Berater.

Positive Nachrichten muss man schon genau suchen in Zeiten des "tsunami financier", wie die französische Tageszeitung "Le Figaro" die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten begrifflich fasste. Aber es gibt sie: "Die Beschäftigungschancen sind für Finanzberater über 45 Jahre wieder besser geworden", sagt Martin Mauracher, Diplom-Jurist beim Deutschen Bankangestellten Verband DBV. Das sei zumindest der Tenor der Nachrichten aus den Betriebsräten: "Nachdem vor ein paar Jahren junge, unberechenbare, bisweilen aggressive Berater gefragt waren, zählen wieder Erfahrung und Besonnenheit." Das bestätigt auch Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes: "Das Personal hat im privaten Bankgewerbe im Unterschied zum öffentlichen Sektor im letzten Jahr um zwei Prozent zugelegt und wird in diesem Jahr voraussichtlich stabil bleiben."

Genaue Altersanalysen kennen nur die Banken selbst, denn sie sprechen nicht darüber. "Wir geben diese Daten nicht heraus", sagt Anke Veil, Regionalsprecherin der Deutschen Bank Nordwest.

Im Privatkundenbereich kämen vor allem altersgemischte Gruppen zum Einsatz. Diese Know-how-Teams stehen vermögenden Kunden gegenüber, die häufig selbst nicht mehr die Jüngsten sind und gerne von erfahrenen Beratern betreut werden wollen. Eine Zeit lang allerdings haben die Banken darauf nicht so viel Rücksicht genommen und vorwiegend ältere Mitarbeiter entlassen, die dann aber wieder zurückgeholt wurden: "Im Private Wealth Management wurden vor ein paar Jahren erfahrene Bankberater per Headhunting gesucht", sagt Ute Drewniak, Beraterin und frühere Personalentwicklerin der Deutschen Bank. Das sei Ausdruck einer Entwicklung, die durchaus noch anhält, hat Marie Rischmüller, Geschäftsführerin der Topos Personalberatung in Frankfurt, beobachtet: "Gute Vermögensberater sind nach wie vor heiß begehrt, egal ob sie 40 oder 55 Jahre alt sind."

Die allgemeine Aussage, dass die Generation 45plus gefragt sei, möchte Rischmüller aber nicht unterschreiben: "Banken und Sparkassen, die eine breite Klientel bedienen, beschäftigen lieber junge Berater, die kostengünstiger sind", sagt sie. Haspa-Sprecher Andre Grunert sieht das für sein Unternehmen anders: "Wir haben nie Personal abgebaut und folglich sind bei unseren Beratern alle Altersgruppen vertreten." Das Durchschnittsalter der 5350 Haspa-Mitarbeiter liege bei 39 Jahren. Mit Blick auf die demografische Entwicklung sei es sinnvoll, den Kunden auch ältere Berater zur Seite zu stellen: "Wir möchte die Stärken unserer älteren Mitarbeiter weiter ausbauen und gezielt einsetzen." Wenn die Haspa-Personalabteilung jetzt ein Fortbildungskonzept für diese spezielle Zielgruppe erarbeite, solle sie sehr sorgfältig vorgehen, rät Ute Drewniak. "Die Älteren wollen nicht besonders behandelt werden, sie wollen geschätzt werden." Etwa durch die Bildung von Exzellenzgruppen zur Unterstützung der Geschäftsleitung.

Die Age Management Beraterin hat die Erfahrung gemacht, dass beim Thema Arbeitsmarkt 45plus die "Mittelalten" schnell durchs Raster fallen: "Die Beschäftigungsfähigkeit muss auch bei den 30- bis 40-jährigen erhalten werden." Für sie sind die Perspektiven nicht so rosig. Aber die Erfahrung der Älteren und vor allem ihr Netzwerk ist immer noch sehr begehrt. Die Deutsche Bank setzt jetzt schon auf das Konzept der Ambassadoren - ältere und ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank treffen sich mehrmals im Jahr und bringen ihre Kontakte ins Unternehmen ein.

 

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