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Extra-Journal

Helms-Museum: Reportagen in Bild und Text

Harburger Geschichten

Eine Ausstellung in der Feuerwache lädt ein zu einer Entdeckungstour durch einen quicklebendigen, aber vielen unbekannten Stadtteil.

Der Anblick so herausragender Schiffe wie die "Seute Deern", die Dschunke "Esperanza" und der Raddampfer "Louisiana-Star" lässt das Herz jedes Schiffsliebhabers höher schlagen. Ertönt dann noch im Hintergrund das Tuten der Schlepper, Barkassen und Schaluppen, fühlt man sich vollends in die Betriebsamkeit eines Hafens versetzt.

So jedenfalls ergeht es Besuchern einer Fotoausstellung in der Feuerwache des Helms-Museums. "Wasser - Schiffe - Menschen. Geschichten aus dem Harburger Binnenhafen", lautet der Titel der Schau, die von Sibylle Küttner, Leiterin der Abteilung Harburger Stadtgeschichte, in Zusammenarbeit mit der Journalistin Uschi Tisson konzipiert wurde. Die Mutter zweier erwachsener Töchter arbeitet seit fünf Jahren für die Harburger Rundschau und bezeichnet sich als "gebürtige und bekennende Harburgerin". Besonders liegt ihr das Leben der Menschen am Herzen, die ihre persönliche Note einem Stadtteil geben, der mit seiner Mischung aus Industrie, Gewerbe, Wohnen, Büros, Schiffsbetrieben und Handel wohl einzigartig ist: dem Binnenhafen. Dort ist sie mit Kamera und Schreibblock zwischen Channel-Tower und Kaispeicher, Silo und Schlossinsel unterwegs.

Uschi Tisson möchte mit ihren Reportagen Menschen und ihre Geschichten beschreiben, "versteckte Existenzen ans Licht holen". Als Kind ist sie mit ihrer Familie im Sommer durch den Binnenhafen auf die Pioniersinsel nach Neuland zum Baden gefahren. "Damals stank es dort, die Umgebung war schmuddelig und unansehnlich. Heute ist alles viel schöner und grüner geworden", sagt sie. Der Binnenhafen weist einige Besonderheiten auf, wie sie sonst nirgendwo in Hamburg zu finden sind. Horst Hasse, Spezialist für Modellschiffe, betreibt ein Familienunternehmen an der Nartenstraße. Hier entstehen nach Original-Werftplänen Miniaturausgaben bekannter Schiffe. Mehr als neunzig Modelle hat der gelernte Werkzeugmacher und Kunststofftechniker im Angebot: vom typischen Krabbenfischer bis zum modernen oder historischen Kriegsschiff. Alle Modelle sind fahrtüchtig und funktionieren bis ins letzte Detail, wie beispielsweise Seilwinden und Kompasse. Ihren Traumjob hat auch Valerie Globke im Binnenhafen gefunden. Auf der Knief-Werft wird sie als eine von wenigen Frauen in Hamburg zur Bootsbauerin ausgebildet. Nach dem Tornado im vergangenen Jahr wartet eine Menge Arbeit auf sie, beschädigte Boote müssen wieder hergestellt werden.

Wer glaubt, dass "www" nur die Abkürzung für "world wide web" ist, wird in der Ausstellung eines Besseren belehrt. Im Binnenhafen stehen die drei Buchstaben für die "Weberei Wirr Warr", die ihr Domizil im "Grauen Esel" hat, wie das um 1645 gebaute städtische Bürgerhaus genannt wird. An zwei historischen Webstühlen stellt die Schwedin Eva Fischer Kleiderstoffe und Teppiche her. Die Welt des Kaffees lässt sich am besten in der Kaffeerösterei Fehling am Lotsekai auf der Harburger Schlossinsel entdecken. Inhaber Andreas Behn weiß alles über die Herkunft der Bohnen und das Rösten. Highlight in seinem Betrieb ist eine Röstmaschine aus dem Jahr 1956.

Aber es gibt noch andere kulinarische Ziele im Binnenhafen zu entdecken, von der Imbissbude bis zur gehobenen Gastronomie. Viele weitere Geschichten hat Uschi Tisson dokumentiert. Und wer wissen möchte, warum ein norwegischer Waldkater einen englischen Adelsnamen trägt und den Beinamen "Der Dosenöffner vom Binnenhafen" erhalten hat, wird in der Schau eine überraschende Antwort finden. Am besten lässt sich die Vielfalt des Stadtteils erleben, wenn es am 2. und 3. Juni zum Harburger Hafenfest heißt: "Leinen los". Handwerker und Betriebe öffnen ihre Türen. Geboten werden Musik, Vorträge, ein Schutenrennen sowie das "Finkenwerder Schollengrillen", Straßenkunst und Kunsthandwerk (www.harburger-hafenfest.de), Tel. 040/7652613.

  • Helms-Museum, Dependance Alte Feuerwache, Hastedtstraße 30- 32, 21073 Hamburg, bis 2.9., di-so 10-17 Uhr, Führungen so 15 Uhr.

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