Der Börsentag Hamburg hat sich als Norddeutschlands größte Finanzmesse etabliert. Privaten Anlegern bietet sich in Seminaren und Vorträgen die Möglichkeit, von Experten zu lernen.
Semiarleiter Claus Isert von der HypoVereinsbank sieht in den Augen seiner Seminarteilnehmer große Fragezeichen. Mit den willkürlich angeordneten Wortfetzen, die er an den Flipchart geheftet hat, können die zehn Männer und zwei Frauen des Seminars "Wie lese ich Geschäftsberichte" , zunächst nichts anfangen. "So wie Ihnen jetzt, geht es den meisten Menschen, wenn sie den Geschäftsbericht eines börsennotierten Unternehmens lesen", sagt Claus Isert. Dabei sei der Geschäftsbericht, so Isert, eine solide und fundamentale Basis für die Entscheidung, ob man die Aktie eines Unternehmens kaufen, verkaufen oder halte soll. Dazu, so der Fachmann, müsse man sich mindestens mit den Kapiteln Brief des Vorstandes, Lagebericht, Cash Flow, GuV und Bilanz eines Geschäftsberichts befassen und die einzelnen Informationen richtig zusammensetzen.
Um diese und weitere wesentlichen Grundlagen für Privatanleger ging es bei den Seminaren im Rahmen des diesjährigen Börsentags in Hamburg am 7. Oktober. Zum elften Mal fand die größte Finanzmesse Norddeutschlands statt, die gemeinsam vom Hanseatischen Börsenkreis der Universität zu Hamburg (HBK) und von der Börsen AG (Böag) ausgerichtet wird. In den Räumen der Handelskammer Hamburg trafen interessierte Anleger auf börsennotierte Unternehmen wie Jungheinrich, die Norddeutsche Affinerie oder SAP, um sich über verschiedene Anlagemöglichkeiten zu informieren.
"Die gestiegenen Besucher- und Ausstellerzahlen in den letzten Jahren zeigen, dass die Bevölkerung nach dem Platzen der Internetblase wieder größeres Interesse an Aktien, Investmentfonds und anderen Wertpapieren hat", sagt Kay Homann, Sprecher der Böag. Mehr als 95 Aussteller informierten über ihre Dienstleistungen und Produkte. Zudem gab es 59 Fachvorträge von Börsenexperten. "Das Besucherinteresse ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, wir registrieren einen steigenden Informationsbedarf bei den Anlegern", so die Bilanz von Thomas Ledermann, Vorstandsmitglied der Böag. Insgesamt kamen rund 5500 Besucher zu der eintägigen Messe.
Im Vordergrund standen in diesem Jahr unter anderem strukturierte Produkte und Rohstoffe. Aufgrund der positiven Resonanz aus dem vergangenen Jahr informierte auch diesmal wieder ein "Themenpark Nachhaltigkeit" über alternative Investments. "Immer mehr Anleger nehmen ihre Finanzplanung selbst in die Hand und interessieren sich auch für die Hintergründe. Die hohen Besucherzahlen belegen das kontinuierlich steigende Interesse der Privatanleger. "Anleger interessieren sich in zunehmendem Maße auch für spekulative Spezialitäten wie etwa Fonds mit den Schwerpunkten Rohstoffe und Schwellenländer", so Ledermann. Deshalb habe man das Thema aufgegriffen, da gerade bei Engagements in solchen Märkten solide Informationen wichtig seien. Weiterhin im Fokus der Anleger und entsprechend gut besucht waren auch die Seminare zum Thema "Investmentfonds als Altersvorsorge".
"Der Börsentag hat sich in den zur bedeutendsten Anlegermesse Norddeutschland entwickelt", so Ledermann. Hohen Anteil daran haben die Studenten vom Hamburger Börsenkreis, die den Börsentag organisieren. Die Mitglieder des HBK sind Studenten, viele aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, die sich für die Messe engagieren. Dass davon beide Seiten profitieren können, bestätigt Jochen Stratmann, Vorstandsvorsitzender des HBK und Projektleiter Börsentag.





