Die Tische des Himmels
Eine sehr amüsante und informative Einführung in die Jenseitsbilder der Weltreligionen gibt der Journalist Uwe Bork (Jg. 1951), Redaktionsleiter beim SWR-Fernsehen in Stuttgart, in seinem neuen Buch "Paradies und Himmel". Er erzählt u. a. die Geschichten von "Jenseitssuchern" wie z. B. Zarathustra, Jesaja, Dante, Mohammed oder Teresa von Avila, die mit sehr verschiedenen Methoden und Zielen versuchten, sich das "Danach" auszugestalten: mal als Reich sehr weltlicher Freuden, mal als spirituellen Raum. "Besonders gefällt mir die Überlieferung von Rabbi Hanina ben Dossa", sagt Bork: Der bitterarme Rabbi und Familienvater, später einer der Weisen des jüdischen Talmud, bat Gott - auf Drängen seiner Frau - eines Tages, ihm doch einen Vorschuss auf die kommenden Freuden im Jenseits zu gewähren. Prompt reichte eine göttliche Hande der verblüfften Familie ein goldenes Tischbein vom Himmel herab. In der Nacht träumte Rabbi Hanina, dass alle anderen Gerechten im Himmel an stabilen dreibeinigen Tischen speisten, nur er selbst aß an einem wackligen zweibeinigen. Tags darauf bat er Gott, den Vorschuss wieder zurückzunehmen, was auch geschah. - Die Geschichte, sagt Bork, bezeugt die Grundeigenschaft der Menschen, sich mit Einrichtungsfragen des Jenseits zu befassen - und dabei zu scheitern.
Uwe Bork: Paradies und Himmel. Eine Reise an die Schwellen des Jenseits, Kreuz Verlag, 170 S.; 19,90 Euro.



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