"So stelle ich mir das Jenseits vor"
Leserinnen und Leser teilen ihre zum Teil sehr persönlichen Gedanken und Erfahrungen mit: Auszüge aus ihren Briefen.
Auf unseren Leser-Aufruf "Wie stellen Sie sich das Jenseits vor?" erhielten wir ein unerwartet großes Echo - so groß, dass wir hier leider nur eine Auswahl der Zuschriften veröffentlichen können. Bei sehr langen Briefen und Mails zitieren wir die Kerngedanken, um insgesamt ein möglichst breites Spektrum der Jenseitsvorstellungen widerzugeben. Wir bedanken uns herzlich bei allen Einsendern.
Ich glaube, dass Gott uns Menschen als Gegenüber für sich geschaffen hat, und warum sollte er uns nach unserem Tode nicht bei sich haben wollen? . . . Ich verlasse mich darauf, dass es wunderschön wird, und mache mir keine Sorgen, dass mir so viel Gutes langweilig wird wie in dem Sketch, in dem man auf der Wolke sitzt und den ganzen Tag Halleluja singen muss. Margret Gräbe, per E-Mail
Ich bin als christlich erzogener Mensch mit zunehmendem Alter und wachsendem Verstand immer zweifelnder geworden und habe heute mit 72 Jahren endgültig Abschied von meinem Kinderglauben genommen. Angesichts täglicher weltweiter Kriege, Katastrophen und persönlicher Schicksalsschläge stellen sich viele Christen immer wieder die Frage nach einem gerechten, liebenden Gott. Für mich gibt es ihn nicht. Gerechtigkeit und Liebe findet man nur bei Menschen im Diesseits. Hellmut Rucks, Ahrensburg
Jenseits gibt es nicht, wichtig ist das Diesseits. Die Schatten, die der Tod wirft, erinnern uns daran, wie wertvoll unser Leben ist. Zum Beispiel können wir hier und jetzt jemandem sagen, dass wir ihn lieben oder ihm verzeihen. Wieviel besser ist es doch, einem Menschen zu Lebzeiten Blumen zu schenken, als ihm Kränze auf sein Grab zu legen. Barbara Albrecht, 22399 Hamburg
. . . Es wäre ein völlig unsinniger Wunsch des Menschen, nach seinem Tod in irgendeiner Form individuell in den Himmel zu kommen, zumal sich Gott dort nicht aufhalten dürfte, da er ja den Himmel und die Erde gemäß 1. Buch Mose, Kapitel 1,1 geschaffen hat und sich daher außerhalb seiner Werke befinden müsste. Zudem müsste unnötige Energie erzeugt werden, damit den Menschen für ihre individuelle Himmelfahrt die nötige Schubkraft von 11,2 km/s zur Verfügung gestellt werden kann, um die Schwerkraft der Erde zu überwinden. H.-J. Ewers, Halstenbek
Da sich unser Erleben nur im Bewusstsein abspielt und unlösbar an lebende Hirnzellen gebunden ist, kann es ein Jenseits nach dem Tod - sei es als Auferstehungsort oder als unsicht- und unfühlbarer Ort weiterlebender Seelen - nicht geben. Waltraud Graaf
Ich glaube weder an einen Himmel noch an eine Hölle oder ein Leben nach dem Tod. Für uns Menschen gelten die Gesetze der Natur ebenso wie für alle Lebewesen: Entstehen - Wachsen - Reifen - Vergehen, so einfach ist das. H. G., Großhansdorf
Ja, ich glaube ganz fest an das Jenseits, ich glaube an Gott, und ich bin davon überzeugt, dass er uns nach unserem Tod heimholt, wenn wir nach seinen Geboten unser Leben ausgerichtet haben. . . Als schwer geprüfter chronischer Schmerzpatient ist diese Gewissheit für mich ein Ziel, das mich am Leben erhält, mir ständig neuen Mut und weitere Kraft gibt, dieses harte Dasein zu überstehen. H.-J. Springob, 21382 Brietlingen
Das Jenseits als Korrektiv von Ungerechtigkeit und Sünde, als Ersatzland für Bedürfnisse und Fortsetzung des irdischen Lebens ist leider zu einfach. Das Leben mit allen Chancen und Katastrophen ist jetzt und nie wieder, aufgehoben in der alles umfassenden Unendlichkeit, in der alles Gottes ewigen Sinn hat . . . Letztlich ist es wichtig, loslassen zu können, auch sich selber. Gertrud Tammena, Ahrensburg
Menschen können sich offenbar nicht das Nichts denken, sondern nur ein Woanders. Peter Gehr, per E-Mail
Denken wir doch einfach an den Zustand vor unserer Geburt! War dieser etwa negativ? Nein, wir waren einfach nicht existent. Genau diesen Zustand nehmen wir wieder ein, wenn wir tot sind . . . Wenn ich heute Abend ins Bett gehe, erwarte ich natürlich, dass ich morgen früh wieder erwache! Und wenn nicht? Dann kann ich mich doch auch nicht mehr ärgern, dass ich tot bin! Ist doch logisch! G.-P. Voß (63), 22417 Hamburg
Grundsätzlich finde ich keine treffendere Ausführung als jene Mahatma Gandhis, der zu der größten Frage von allen anmerkt: "Das Geheimnis des Lebens und das Geheimnis des Todes ist für uns verschlossen in zwei Schatullen, von denen jede den Schlüssel zum Öffnen der anderen enthält" . . . Für mich ist Jenseits ein rein spiritueller Zustand, der nach dem Tod eintritt und in dem ich die rein geistige Anwesenheit bereits Verstorbener empfinden werde. Helmut Schöffler, 22459 Hamburg
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Kontakt zum Jenseits. Mein Draht zu anderen Seinsebenen bezieht sich auf die Tonbandstimmenerforschung und mediale Kontakte. Aus diesen Erfahrungen habe ich den untrüglichen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele des Menschen und das Weiterleben in einem ätherischen Körper in anderen Welten . . . Es ist auch die Welt nicht- irdischer Wesen, nennen wir sie Götter, Engel oder Dämonen . . . Wenn wir versuchen, das Licht der Liebe in unserer Seele zu bewahren, haben wir nichts zu befürchten. K. Nilsen, Henstedt-Ulzburg
Als mein Freund gestorben war, habe ich mich etwa ein Jahr lang daran geklammert, dass er mich noch sehen und hören kann, dass er irgendwo sein muss. Inzwischen, es ist drei Jahre her, sagt mir mein Verstand: Er ist fort, lass ihn los, es ist doch unsinnig, dass ich jetzt versuche, in "zwei Welten" zu leben. Trotzdem lebt er in meiner Erinnerung, die Gefühle sind so stark wie zu seinen Lebzeiten. Es ist übrigens fast unmöglich, mit jemandem darüber zu sprechen, der nicht diese Erfahrungen gemacht hat. Viele denken, man hätte jetzt einen Knacks abgekriegt. Ich halte aber diese Sehnsucht, die man nicht verliert, für völlig normal. Lily Jansen, per E-Mail
Ausgelöst durch ein Nahtoderlebnis als Kind zogen sich die Themen Sterben, Tod und Jenseits durch mein ganzes Leben. Ich bin davon überzeugt, dass es im Jenseits keine Abrechnung, auch kein "Daumen nach oben" oder "Daumen nach unten" gibt. Ich denke, Menschen sind so richterlich, weil sie annehmen, dass Gott auch so ist. Ich glaube aber an einen ewigen Gott der bedingungslosen Liebe und daran, dass Leben nie aufhört. Rita Hammer, per E-Mail



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