Der Komfort macht den Unterschied
Kabinen werden immer luxuriöser ausgestattet.
Schon Bundeskanzler Konrad Adenauer plädierte in den 50er-Jahren für Unterhaltung an Bord. Er wollte Kinofilme über den Wolken sehen. Mittlerweile liegen MP3, Video, Touchscreens, Internet und Telefon im Bereich des Möglichen. Auch bei Lichteffekten kennt die Fantasie kaum Grenzen. Kürzlich orderte eine Fluglinie bei Airbus einen Sonnenaufgang mit Vogelgezwitscher. Das soll Passagieren helfen, ihren Jetlag zu mindern. "Inzwischen entscheidet das Kabinen-Interieur über den Verkauf der Flugzeuge", sagt Rainer von Borstel, Leiter des Kompetenzzentrums Kabine bei Airbus.
"Die Erwartungen an den Service wachsen, alles soll wie im Wohnzimmer sein", sagt von Borstel. Ähnlich urteilt Andrew Muirhead, Leiter Innovation bei Lufthansa Technik. Um zu wissen, was der Passagier morgen haben will, gehen die Flugzeugausstatter auf Elektronik- und Verbrauchermessen. Dann versuchen sie, neue Technologie auf die Verhältnisse über den Wolken zu übersetzen. Jüngst entwickelte Lufthansa Technik 3-D-Landkarten, die dem Fluggast wirklichkeitsnahe Bilder der Landschaft vermitteln können, die gerade überflogen wird.
Ob Wechselstrom-Steckdosen oder Duschen an Bord: Innovationen werden häufig durch VIP- und Geschäftsflieger-Kunden vorangetrieben, die ungewöhnliche Produkte ordern. Auch Qualitäts-Airlines und Billig-Carrier sind mitunter diejenigen, deren Wünsche die Kabinen-Entwickler auf Trab bringen. Sind erst einmal Wechselstrom-Stecker und MP3-Player, IP-Telefonie und Duschen entwickelt und für die Sicherheitsvorschriften über den Wolken spezifiziert, können die Produkte in Serie gehen.
Hamburger Zulieferer arbeiten Hand in Hand mit Airbus und Lufthansa Technik. KID-Systeme in Buxtehude baut einen Wechselstrom-Stecker in großen Mengen, den Lufthansa Technik entwickelt hat. "80 000 Sitze für die Business und First Class diverser Airlines haben wir bereits ausgestattet", sagt Geschäftsführer Hans Jürgen Stahl. Sein Unternehmen arbeitet zu 70 Prozent für Airbus, zu 30 Prozent direkt für Airlines. Oft gehe es darum, Ideen von Airbus zu realisieren wie zum Beispiel Leselampen.
Albert Mühlenberg Apparatebau hat als Partner von Airbus Deutschland im Rahmen des 3. nationalen Luftfahrtforschungsprogrammes (LUFO III) einen Selbstbedienungs-Snack-Automaten entwickelt, der bei Billig-Airlines Sinn macht, aber auch in großen Flugzeugen wie dem A340-600 für mehr Spielraum beim Kabinenlayout sorgt. Für Maschinen wie A320 oder A321 hat man bei Airbus einen Klappsitz für die Position längs des Mittelgangs produziert. Er ermöglicht ein schnelles Ein- und Aussteigen etwa bei Billig-Carriern, die mit kurzen Umlaufzeiten kalkulieren.
Ob Massagefunktionen im Business Class-Sitz oder Rundumsteuerung für Film, Ton und Verdunkelung: Den Ideen für neue Gimmicks in der Luft sind nur physikalische Grenzen gesetzt. Sicherheit und Gewicht haben höchste Priorität. "Fluglinien nutzen das Kabinen-Interieur immer stärker als Differenzierungsmerkmal", sagt Rainer von Borstel. Dabei splitte sich der Markt zwischen Billig-Airlines und Airlines wie Emirates, die auf Luxus setzen. War die Kabine früher in der Rangfolge hinter Triebwerken und Maschinentyp angesiedelt, wird sie inzwischen als Verkaufsargument immer wichtiger. "Früher hatten Passagiere einen Sitz mit Unterhaltungsmöglichkeit, jetzt haben wir Elektronikgestelle mit Sitzmöglichkeit", so von Borstel.
Auch bei Flugzeugbauer Boeing tüftelt man, um den Platz im künftigen Boeing 7E7 Dreamliner bestmöglich zu nutzen. Klaus Brauer, Experte für Kabinenausstattung: "Ein Quadratmeter in der Economy Class eines Jumbos ist 1000-mal so teuer wie am Broadway in Seattle." Da müsse man überlegen, was als Interieur Sinn mache.
Studien hätten ergeben, dass die meisten Passagiere einfach das Gefühl des Flugreisens suchten - nicht mehr. Dazu gehören für Boeing Kabinenfenster im XXL-Format und ein großer Sitz- abstand. Für die Kabine der Zukunft denkt man über Single- und Familien-Sitzecken nach: Singles bräuchten mehr Raum, wollten eher im Web surfen. Ehepartner und Familien möchen es gern kuschelig.
DAS KÖNNEN SIE GEWINNEN
Airbus, Lufthansa Technik und der Flughafen haben mit rund 300 Zulieferbetrieben Hamburg zum drittgrößten Standort der zivilen Luftfahrtindustrie weltweit gemacht. Drei Leser haben die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und mit einer Begleitperson an je einer exklusiven Führung teilzunehmen: Airbus bietet die Besichtigung des Schalenpuffers, der Strukturmontage und der Endmontage an. Bei Lufthansa Technik können Sie die Werkstätten für Triebwerksüberholung, das Überholungszentrum für Großraumflugzeuge und die Lackierhalle besuchen. Hamburg Airport lädt zur Rundfahrt über das Vorfeld mit Besichtigung der Lärmschutzhalle, des Museumsflugzeugs Boeing 707 und zu einem Besuch der Flughafenfeuerwehr ein.
Schicken Sie eine Postkarte mit Ihrer Adresse, dem Stichwort "Luftfahrtstandort Hamburg" und dem Namen des Unternehmens, das Sie gern besichtigen möchten, an das Hamburger Abendblatt, 20683 Hamburg. Einsendeschluss: 31. März 2004. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (HA)



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