08.09.12

Berufsfindung

Das Ziel vor Augen: Coaching für Schüler

Für die Berufsfindung können junge Menschen bei sogenannten "Coaches" Unterstützung suchen - und erkennen, welcher Job für sie passt.

Foto: Heiner Köpcke
Benedikt Ernst, 21, startet in seiner Wunschausbildung als Auszubildender beim Otto-Versand durch
Benedikt Ernst, 21, startet in seiner Wunschausbildung als Auszubildender beim Otto-Versand durch

"Ich will gern Modeeinkäufer werden, für den Otto-Versand auf die großen Messen gehen und aussuchen, was Trend wird", sagt Benedikt Ernst. Der Abiturient weiß, was er will. Das war nicht immer so. Ein Coaching hat ihn auf den richtigen Weg gebracht - und seit dem ersten August zu einer Ausbildung beim Otto-Versand.

"Insgesamt waren wir zu fünft. Alle kamen aus verschiedenen Schulen", erinnert sich der selbstbewusste 21-Jährige an den Wochenendworkshop bei den Hamburger Coaches bei Loose von Bargen . "Am Anfang sollten wir aufschreiben, welche Stärken und Schwächen uns auszeichnen. Darauf folgten dann zahlreiche Planspiele und Tests. Besonders bei den Planspielen haben wir viel und intensiv diskutiert." Im Anschluss sei denn besprochen worden, wer sich in der Gruppe wie verhielt.

+++Coaching ist das beliebteste Trainingsinstrument+++

Vorab mussten alle Teilnehmer zwei Texte abgegeben: einen, in dem sie sich selbst beschreiben und einen, in dem sie jeweils ein guter Freund charakterisiert. Dem gemeinsamen Wochenende folgten noch ein schriftlicher Berufstest und zwei Einzelcoachings - am Ende genug Material für die beiden Coaches Nele von Bargen und Katja Loose um sich ein Urteil über den betreffenden Bewerber zu bilden. "Wir nehmen die Eindrücke vom Wochenende, die Information aus dem Test und die Texte, die wir vorab bekommen haben, und setzen daraus, wie bei einem Puzzle, ein Bild zusammen", erklärt von Bargen.

"Bei mir ergab sich, dass ich etwas mit Mode oder Lifestyle machen sollte. Ich hatte aber auch noch die vage Idee, Schifffahrtskaufmann zu werden. Deshalb machte ich zunächst ein Praktikum bei einer Reederei. Während der zwei Wochen habe ich aber schnell gemerkt, dass das nicht meins war. Lifestyle schien doch besser zu mir zu passen", sagt Benedikt. "Daraufhin habe ich mich dann beim Otto-Versand für eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann beworben."

+++Lehrstellenmarkt 2012: Entspannung – aber kein Jubel +++

Talentcoach Katja Loose bringt auf den Punkt, worum es eigentlich geht: "Jeder junge Mensch braucht eine Vision, dann läuft es sich schneller und leichter." Um das gesteckte Ziel zu erreichen, gebe es natürlich viele Wege. Rund 50 bis 70 Prozent der Schulabgänger wissen nicht, was sie nach dem Schulabschluss machen möchten, das belegen zahlreiche Untersuchungen. "Dabei ist die Berufswahl neben der Partnerwahl eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben", unterstreicht die Expertin und empfiehlt: "Man sollte ein Coaching gut ein Jahr vor Schulabschluss machen." Die Erfahrung zeige, dass es dann, wenn man weiß, wohin man möchte, noch einmal einen Kick, einen Motivationsschub auch in der Schule gebe.

"Das Besondere an unseren Workshops ist, dass sich die jungen Menschen untereinander Feedback geben. Das ist für viele eine neue Erfahrung, die sie in der Schule so nicht bekommen", sagt Nele von Bargen. Das hat auch Benedikt erfahren: "Ich weiß jetzt, wie ich wirke. Zum Beispiel, dass ich in Gruppen gerne führe, aber auch andere mit einbeziehe. Außerdem bin ich redegewandt. Das war mir vor dem Workshop nicht so klar."

+++Flexibel und durchlässig+++

Am Ende des Coachings steht ein Treffen mit den Eltern an. Dort präsentieren die Teilnehmer ihre Erkenntnisse. "Es ist wichtig, dass die Eltern dahinterstehen und den Weg nachvollziehen können", sagt Nele von Bargen. Bis dahin sollten die Jugendlichen allerdings den Prozess alleine durchführen. Fast alle Eltern seien am Ende erleichtert und freuten sich, dass ihre Kinder den beruflichen Weg gefunden haben, den sie wirklich gehen wollen.

Das Angebot von Loose von Bargen trifft auf einen wachsenden Markt. "Die Vielfalt der Berufsperspektiven wird immer größer. Es gibt mittlerweile rund 9000 Studiengänge in Deutschland. Viele Eltern sind mit den Ausbildungsmöglichkeiten völlig überfordert", erklärt Nele von Bargen. Da seien Fehlgriffe vorprogrammiert. "Ein Drittel unserer Teilnehmer sind Ausbildungs- oder Studienabbrecher. Die können sich mit den Inhalten nicht identifizieren oder kommen mit dem Studium nicht zurecht."

"Kenne dich selbst und kenne den Arbeitsmarkt", das ist das Motto der Coaches bei Loose von Bargen. Auf dieser Grundlage lassen sich dann die richtigen Schnittmengen finden. Im Fall von Benedikt ging das Konzept auf. Er hat sich beim Otto-Versand durchgesetzt und damit einen weiteren wichtigen Schritt auf seinem Karriereweg gemacht. Die Freude darüber ist ihm anzusehen: Sportlich, stylish, selbstbewusst, eloquent ... und bald auch beruflich erfolgreich.

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