02.06.12

Pinneberg

Rettungswache findet endlich neuen Standort

Die lange Suche ist beendet: Die Einrichtung zieht an den Gehrstücken nach Pinneberg.Viele Rückschläge musste die Wache durchleben.

Foto: Arne Kolarczyk
Sven Fasel (RKiSH, v.l.), Ralf Rieckhoff (RKiSH), Kristin Alheit, Joachim Neuhaus, Stefan Krappa (Stadt) und Michael Reis (RKiSH) vor dem neuen Domizil
Sven Fasel (RKiSH, v.l.), Ralf Rieckhoff (RKiSH), Kristin Alheit, Joachim Neuhaus, Stefan Krappa (Stadt) und Michael Reis (RKiSH) vor dem neuen Domizil

Pinneberg. Es war fast so etwas wie eine unendliche Geschichte. Nach mehr als dreieinhalb Jahren und unzähligen Rückschlägen bei der Standortsuche gibt es jetzt ein Happy-End: Die Rettungswache Pinneberg hat ein neues Domizil. Die 44 Mitarbeiter werden in das Gebäude einer ehemaligen Druckerei am Gehrstücken ziehen. Der Mietvertrag zwischen Eigentümer Joachim Neuhaus und der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) ist unterschriftsreif.

Seit Herbst 2008 suchten die Verantwortlichen der Rettungswache eine neue Heimat. Bis dato waren sie in einem alten Fachwerkhaus von 1766 am Fahltskamp in unmittelbarer Nähe zum Klinikum Pinneberg ansässig. In dem denkmalgeschützten Gebäude gab es jedoch einen massiven Schimmelpilzbefall, der zur Erkrankung mehrerer Mitarbeiter führte. Daraufhin zog die RKiSH-Geschäftsführung die Notbremse, kündigte den Mietvertrag und zog aus dem Gebäude aus.

Im Herbst 2008 fanden die Retter übergangsweise Unterschlupf auf 300 Quadratmetern in den ehemaligen Räumen der Amtsverwaltung Pinneberg-Land an der Elmshorner Straße in Pinneberg. Dort mussten jedoch die Fahrzeuge draußen parken, was gerade im Winter Probleme bereitete. Es fehlten zudem Umkleide- und Aufenthaltsräume für das Personal und die Fahrzeuge konnten nur unzureichend desinfiziert werden. Massive Beschwerden der Anwohner über die Lärmbelästigung der mit Martinshorn startenden Fahrzeuge taten ein übriges.

"Ich wohne selbst in Pinneberg-Nord und habe jeden Tag die Fahrzeuge gesehen, die draußen standen", sagt Joachim Neuhaus. Er erinnere sich lebhaft an den Winter, wo die Rettungsassistenten vor dem Start zum Notfalleinsatz erst einmal die Scheiben des Krankenwagens freikratzen mussten. Der Wohnungsbauunternehmer nahm daraufhin Kontakt zu RKiSH-Geschäftsführer Michael Reis auf und bot ihm das Objekt am Gehrstücken an. Die bisher dort ansässige Druckerei hatte zum Jahreswechsel ihren Standort nach Hamburg verlagert.

"Dieser Standort ist für unsere Verhältnisse ideal", sagt RKiSH-Chef Reis. Er hatte zuvor fast dreieinhalb Jahre erfolglos nach einem neuen Standort für die Einrichtung gesucht. Einige auf dem Markt befindliche Grundstücke waren zu teuer. Andere lagen zu weit ab vom Schuss, um die gesetzlich festgelegte Hilfsfrist von zwölf Minuten für den gesamten Zuständigkeitsbereich der Rettungswache Pinneberg einhalten zu können. "Vom Gehrstücken aus halten wir die Frist ein", sagt Reis. Das gelte nun auch für Schenefeld. Dort sind bisher laut einem Staatsvertrag hauptsächlich Rettungsfahrzeuge der Hamburger Berufsfeuerwehr tätig. Das könnte sich in naher Zukunft ändern.

Vermieter Neuhaus investiert 250.000 Euro in den Umbau. Unter anderem wird die Halle, in der bisher Druckmaschinen standen, zur Fahrzeughalle. Dafür sind Garagentore erforderlich. Auch eine Desinfektionsschleuse sowie 14 Ruheräume für das Personal werden gebaut. Das Gebäude verfügt über eine Nutzfläche von 1370 Quadratmetern, so dass Ausbildungs- und Seminarbereiche integriert werden. Auch die Verwaltung der RKiSH mit 18 Mitarbeitern, die bisher am Drosteipark residieren, zieht mit ein.

Die Umbauarbeiten dauern bis Ende Juli. Voraussichtlich im August kann die RKiSH einziehen. "Meine Mitarbeiter werden sich darüber sehr freuen", sagt Ralf Riekhoff, Leiter der Rettungswache. Er freut sich auch darüber, dass nun langfristig Planungssicherheit besteht. Der Mietvertrag läuft über 20 Jahre - zu einer ortsüblichen Miete im niedrigen Bereich, wie Vermieter Neuhaus betont. Er hätte die Immobilie auch anders vermieten können, sagt der Unternehmer. Für ihn sei der Vertrag ein bisschen so etwas wie eine Herzensangelegenheit.

"Das ist für Pinneberg ein ganz wichtiges Signal", sagt Bürgermeisterin Kristin Alheit. Dass die Rettungswache dank Neuhaus in der Kreisstadt verbleibe, sei eine freudige Botschaft. Die Anwohner auf der gegenüberliegenden Straßenseite müssen übrigens keine Lärmbelästigung fürchten. Die fünf Rettungs- und zwei Notarzteinsatzfahrzeuge werden nicht mit Martinshorn vom Hof der künftigen Rettungswache fahren. Sie können bei der Ampelanlage an der Einmündung zur Rellinger Straße grünes Licht anfordern und daher zunächst auf die Sirene verzichten.

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